Luftbild | Foto: Gert Steinthaler

Jubiläumstagung der Abteilung Fachdidaktik/AECC Deutsch: Call for papers

Jubiläumstagung der Abteilung Fachdidaktik/AECC Deutsch
am Institut für Germanistik AECC
an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
28.2.-1.3.2018


„Wer darf hier  sagen?“
sprache macht bildung

Sprache ist unvermeidlich ins Gefüge der Macht verstrickt: Hinter sprachlichen Handlungen und Manifestationen stehen soziale Prozesse und Praktiken der Aus- und Abgrenzung, der Bedeutungszuschreibung und Kategorisierung, die immer auch in ein System von Sichtweisen, Einstellungen, Wertvorstellungen eingebunden sind (vgl. auch Lann Hornscheidt et al. 2011: 9). Sprachliche Handlungen spiegeln, schaffen und reproduzieren in diesem Sinne Machtverhältnisse, sie können diese aber auch kritisieren und unterlaufen. Die Verwendung von Sprache ist dabei immer kontextuell gebunden und implizit wie explizit normiert. Diesen Normierungen sind sprachliche Sozialisation im Allgemeinen und sprachliche Bildung im schulischen Umfeld besonders unterworfen. Bildungssprache ist inzwischen (wieder) zu einer Art „Leitvokabel“ (Feilke 2012: 4) im fachdidaktischen Diskurs geworden. In einer Vielzahl an Forschungs- und Publikationsprojekten wird verhandelt, welche Sprachanforderungen die Institution Schule schaffen soll und schaffen muss, und welche Rolle dabei die Normierung der Sprachverwendung spielen soll. Diese soziale Wirklichkeit lässt sich als diskursiver Effekt begreifen, der Wahrheitswirkungen und letztlich Machtverhältnisse zeitigt (vgl. Jäger 1999: 129). Vor dem Hintergrund wiederholter medialer Skandalisierungen – wie im Fall Böhmermann – und der in die Medien lancierten Fake News ist die Frage nach den notwendigen Anforderungen an Bildungssprache bzw. der Gültigkeit sprachlicher Normen, nach den Grenzen des öffentlich Sagbaren und deren Aushandlungsprozessen immer drängender. Die Jubiläumstagung des AECC nimmt die Frage der weichen und harten Formierung von Sprachverwendungsregeln im sozialen Gebrauch und damit auch die Frage der Akzeptanz von Sprachverwendung in verschiedenen Kontexten in den Blick. Es geht mitunter auch darum, „einen Nexus von Macht-Wissen zu charakterisieren, mit dem sich die Akzeptabilität eines Systems […] erfassen läßt.” (Foucault 1992: 33). Letztlich sollen auch subversive sprachliche Strategien ausgelotet werden, die – wie dies zahlreiche Beispiele von Kofler und Brandstetter, über Handke bis zu Schlingensief und Falco zu leisten vermögen – eine kritische Hinterfragung sprachlichen Handelns und eine Schärfung des Bewusstseins für Sprachgewalt und sprachliche Machtausübungen in Schule und Gesellschaft ermöglichen. In einem ersten thematischen Block wird die Perspektive auf der Normierung von Sprache im System Schule liegen, das Bildungserfolg an eine spezifische Form der Sprachverwendung knüpft (vgl. Gogolin/Lange 2011: 111). Generell werden sprachliche, insbesondere bildungssprachliche Kompetenzen als „eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und als wichtig für die persönliche Bildungsbiographie“ (Berendes et al. 2013: 17) aufgefasst, was wiederum impliziert, dass fehlende Kompetenzen in diesem Bereich auch zum Ausschluss aus Bildungskarrieren führen können. Dieses Spannungsfeld und die Funktion von Schule als Vermittlungsinstanz sollen in drei (kritisch-kontroversen) Keynote-Vorträgen differenziert und anschließend in einem offenen Diskussionsformat hinterfragt werden. In einem interdisziplinär ausgerichteten Programm sollen anschließend multiperspektivisch Antworten auf die oben skizzierten Fragen verhandelt werden. Dies können Beiträge aus diskursanalytischer, medienwissenschaftlicher, fachdidaktischer, psychologischer, literatur- und sprachwissenschaftlicher, sozial- und politikwissenschaftlicher, philosophischer und feministischer Perspektive sein.


Mit diesem Call lädt das AECC dezidiert auch jüngere WissenschaftlerInnen sowie KollegInnen im Praxisfeld ein, in 20-minütigen Vorträgen mit anschließender Diskussion zur Tagung beizutragen. Die Tagung beginnt am 28.2.2018 mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung zum
Jubiläum des AECC Deutsch, die Sektionen finden am 1.3.2018 statt.

Bei Interesse erbitten wir bis zum 1.9.2017 ein Abstract des geplanten Beitrags (max. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen) an iris.fischer [at] aau.at. Die Rückmeldung zur Annahme des Beitrags erfolgt bis zum 30.9.2017. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist angedacht.
Weitere Informationen erteilt Ihnen auf Anfrage gern die wissenschaftliche Leitung:

Univ.-Prof. Dr. Markus Pissarek (markus.pissarek [at] aau.at), Univ.-Doz. Dr. Artur Boelderl (artur.boelderl [at] aau.at), Ass. Prof. Dr. Hajnalka Nagy (hajnalka.nagy [at] aau.at), Assoz. Prof. Dr. Jürgen Struger (juergen.struger [at] aau.at)