Florian Rindler – Weihnachten – Das Fest der Familie.

Florian Rindler

Weihnachten – Das Fest der Familie

 

Der Wecker reißt die Familie aus dem Schlaf. Etwas benommen und noch von Müdigkeit geplagt, ringt der Vater im Bett, um noch ein paar kostbare Minuten Schlaf zu ergattern. Doch es hilft nichts. Der Tag ist lang und es gibt viel zu tun. Ganz anders der Junge. Nahezu panisch und von Kraft erfüllt springt er aus dem Bett. Ein weiterer Dezembermorgen. Ja doch nicht nur dies. Es war der Morgen des 24.12.1968. Es war Weihnachten. Voller Begierde und Vorfreude erwartete er den Tag schon seit Wochen. So schnell ihn seine Beine tragen können, springt der Junge in die Küche. Die Mutter, welche schon geraume Zeit wach war, bereitete mit Sorgfalt das Frühstück vor. Neben ihr die kleine Schwester, welche durch ihre Unwissenheit nicht in der Lage war, die Bedeutung dieses Tages zu begreifen. Wie konnte sie auch. Sie hatte noch nicht viele Weihnachten erlebt und selbst wenn, könnte sie sich an diese sicher nicht erinnern. Nun schlürft auch der Vater, noch vom Schlaf besessen, in die Küche, um sich seinen morgendlichen Kaffee zu holen. Es war anders als ein normaler Morgen. Es lag eine Aufregung in der Luft, welche sich wie ein leichter Wind im ganzen Raum verbreitete. Weihnachten ist ein Fest der Freude und Besinnlichkeit. Bis die Freude und Besinnlichkeit sich Ausdruck verleihen dürfen, muss jedoch noch einiges getan werden. Sofort nach dem Frühstück setzte sich der Vater in sein Auto und machte sich auf den Weg, noch einen Satz Kerzen für den Baum zu kaufen. Genervt von dieser unnützen Tätigkeit ergriff der Vater das Ziel, diese Aufgabe so schnell wie möglich zu erfüllen und sich dann wieder mit Genuss seinen Zeitschriften zu widmen. Währenddessen war der Junge bereits im Hof. Unter der Voraussetzung, rechtzeitig zu Hause zu sein, hatte ihm die Mutter erlaubt, noch etwas zu spielen, bevor sie mit den letzten Vorkehrungen für das heilige Fest beginnen. Die Mutter selbst begann in diesem Moment die ersten Dinge für die Beilagen klein zu schneiden. Schon poltert der Vater die Treppe hinauf, die Kerzen in der Hand. Nun waren bald alle Vorkehrungen getroffen und der Vater widmete sich wohl verdienter Weise seinen Zeitschriften. Nun packte die Aufregung auch das Mädchen. Es scheint, ich liege die Aufregung nun mehr als explosiv in der Luft. Der Tag neigt sich mehr und mehr dem Dunkel der Nacht. Die Mutter, welche soeben den Braten vollendet hatte, schob diesen ins Rohr und begann den Tisch zu decken. Der Junge sollte ihr helfen, jedoch war er so aufgezogen und schon passierte diesem ein Missgeschick und er ließ einen der Teller fallen. Erzürnt schimpfte der Vater mit ihm. Dies brachte die Schwester zum Weinen. Auf einmal war der Raum mit etwas ganz anderem erfüllt. Es war schwer zu begreifen, doch es war als ob alle Freude sich für einen Moment in Eis verwandelte. Die Mutter beruhigte die Tochter und die Familie stellte sich für ein kurzes Bild zusammen. Für wahr nicht der perfekte Moment, um ein Bild zu machen. Nachdem das Foto geschossen wurde und noch einige Lieder angestimmt wurden, fand sich die Familie am Esstisch ein. Viel Neues gibt es zu erzählen, viele Gedanken auszutauschen und viele Ratschläge zu erteilen. Das Mahl war ausgezeichnet. Doch dies stand längst außer Frage. Die Familie hatte schon längst den betörenden Geruch wahrgenommen, welcher vom Braten ausging. Nach dem Essen war es endlich so weit. Bescherung. Mit großen Kulleraugen öffneten die Kinder ihre Geschenke. Von einer riesigen Freude übermannt strahlen die Kinder heller als jeder Stern. Nichts könnte schöner sein als dieser Moment und die Wärme der Liebe, der Freude und des Beisammenseins. Was für einen Moment als verschwunden galt, fand sich nun wieder in jedem von ihnen.

Vanessa Satler – Ein ruhiger Abend.

Vanessa Satler

Ein ruhiger Abend

 

Es ist Nachmittag, der Schnee glitzert weiß. Die Schneedecke ist bestimmt eineinhalb Meter hoch, auch die Berge im Hintergrund zeigen ihre beeindruckenden Schneehauben. Alles ist ruhig, der Wald hinterm Haus schweigt still. Die Tiere in den Ställen wurden gerade mit frischem Heu und Wasser versorgt, hier hört man nur das Kauen der malmenden Mäuler. Der Atem wird sichtbar aus ihren Nasenlöchern gestoßen. Es ist klirrend kalt, doch die Kühe, Schweine, Hühner und auch die Pferde sind daran gewöhnt. Am Berg gibt es nämlich nur wenige warme Monate. Doch ein lautes Krachen lässt die Köpfe so mancher Tiere hochschellen. Es ist ein Mann, Mitte 50. Er trägt gerade das frisch gehackte Holz in das Haus. Seine Strickjacke, seine Mütze und auch seine dicken Stiefel helfen ihm, sich selbst warm zu halten. Dieser Mann ist mein Urgroßvater. Ich kenne seinen Namen nicht. Ich habe nur ein Bild, welches ich hier veranschaulichen will. Er kommt wieder raus aus dem großen, gelben Haus. Jenes hatte er selbst Jahre zuvor mit seinem Vater erbaut. Der Mann hat eine Schaufel in der Hand und sogleich hörte man das Knacken, welches die brechende Schneedecke verursacht hatte, als er die Schaufel hineinstieß, um den Hauseingang freizuschaufeln. Denn bald stand Weihnachten vor der Tür und der Eingang sollte schön und gepflegt aussehen. Aus dem Kamin steigt Rauch. Seine Frau, meine Urgroßmutter, musste wohl gerade das Abendessen kochen. Als der Mann fertig war, ging er sofort zum Haus. Die Kälte machte ihm schwer zu schaffen. Die Schaufel ließ er an der Hauswand stehen. Er wird sie morgen sowieso wieder brauchen. Sobald er das Haus betrat und die Türe hinter sich schloss, kam ein kleiner Junge mit vielleicht vier Jahren auf ihn zu gerannt. Sein Name ist Lorenz, noch weiß er nicht, dass er einmal mein Großvater werden wird. Jetzt freute er sich nur, seinen Vater zu sehen.

Endlich ist Papa wieder da. Ich wollte nicht raus zu ihm, weil es schon sehr, sehr kalt ist. Papa kam zuerst herein, hob seinen Kopf, um den Geruch des guten Abendessens besser riechen zu können. Es brodelte schon laut auf dem Herd. Plötzlich lachte Papa laut auf, als ich mich umdrehte sah ich Mama in ihrem Kittel und dem Kopftuch den Kochlöffel schwingend und Papa, der seine rauen dicken Finger reibt. Er musste wohl den noch unfertigen Eintopf gekostet haben. Mama ist da sehr empfindlich und streng, nicht einmal ich durfte kosten. Mama strahlte über das ganze Gesicht als Papa ihr ein Bussi auf die rote Wange drückte. Wie das schmatzte. Papa war sehr müde vom Schneeschaufeln. Ich sprang sofort auf seinen Schoß, aber dann taten mir plötzlich die Finger weh. Ich habe heute am Morgen schon brav Schnee geschaufelt, aber leider habe ich Blasen bekommen. Ich bin nämlich schon groß und muss beim Arbeiten helfen, dafür bekomme immer einen Löffel süßen Honig. Der klebt immer so. Ich kuschel mich an ihn, er wirft mich hoch, ich quieke vergnügt. Er fängt mich wieder auf und beginnt mit mir einen Turm aus meinen Bausteinen zu bauen. Die Bausteine hatte ich zusammen mit ihm gebastelt. Ich durfte sie schleifen.

Plötzlich klingelt es. Ich laufe schnell zur Türe, mir hat niemand gesagt, dass wir Besuch bekommen. Papa drückt mich weg, damit er die Türe aufbekommt. Mein Bruder ist da, er hat seine Frau mitgenommen. Haben sie mir etwas mitgebracht? Leider nicht, dafür bekomme ich etwas Besonderes, wenn ihr Christkind kommt. Jetzt ist Mama auch neugierig und kommt aus der Küche, um den Besuch zu begrüßen. Sie ist so froh, die beiden zu sehen und umarmt sie lachend. Ich will auch so umarmt werden und laufe zu ihr. Sie sieht mich kurz böse an und sagt ich solle nicht so ungeduldig sein. Dann gehen die beiden Frauen in die Küche, um den Tisch zu decken. Ich darf nicht helfen, weil ich vorgestern einen Teller fallen gelassen hatte, deshalb schaue ich nur zu. Heute werden wir im Wohnzimmer essen. Dort steht der große Christbaum. Ich durfte beim Schmücken mithelfen, aber ich darf die glitzernde Girlande nicht anfassen, sonst bekomme ich einen Klaps auf die Finger. Die Girlande war besonders. Draußen ist es schon dunkel und die Girlande leuchtet noch heller. Ich will sie anfassen. Es ist keiner im Wohnzimmer, ganz schnell berühre ich sie. Sie fühlt sich so weich an. Jetzt kommen sie. Ich muss sofort weg. Wie aufregend. Mein Bruder fragt mich, ob ich nicht die Kerzen am Adventkranz anzünden möchte. Ich nicke begeistert. Er gibt mir ein großes Streichholz, es brennt mit orangener Flamme und erfüllt die Luft mit dem typischen Geruch des Feuers, welcher sich mit dem Geruch des Tannenbaums vermischt und er hebt mich hoch. Der Adventkranz hängt nämlich ganz weit oben an der Decke im Wohnzimmer. Jetzt leuchtet es noch schöner im Wohnzimmer. Das Essen verläuft schweigend, das einzige hörbare Geräusch ist mein Schmatzen. Nach dem Essen bringen mein Bruder und mein Vater mich ins Bett. Ich war schon so müde. Ich flüstere noch schnell meiner Mama und der Frau meines Bruders, die gerade abwaschen, ein leises Gute Nacht.

Als dies alles geschehen war, saßen sie wieder am Tisch, sie fingen an über alltägliche Themen zu reden. Niemand bemerkte, dass der jüngere Mann ein Foto machte. Er fing einen Moment ein, ohne zu wissen, dass genau dieser Moment, dieses Bild, die Grundlage für einen Text, viele Jahre später sein wird. Der jüngere Mann stellte die Kamera wieder auf den Tisch und setzte sich zu der Runde. Sie lachten, aber redeten auch über ernste Themen. Der Herbst war kälter und härter als die Jahre zuvor und hatte einen großen Teil der Ernte zerstört und auch der Winter war kalt und sehr schneereich. Er machte ihre Arbeit sehr schwer. Doch bald war wieder Weihnachten. Die Hoffnung, die dieses Fest mit sich bringt, lässt die Sorgen und die Verbitterung dieses Umstandes weichen. Die Sicht auf den einfachen, mit Lichtern und Girlanden geschmückten Weihnachtsbaum, erleuchtete die Gesichter der dort am Tisch Sitzenden. Sie wollten alle gemeinsam zur Christmette gehen und dem kleinen Jungen ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest bescheren. Die Frau des jüngeren Mannes holte noch schnell ihren ersten selbstgebrannten Schnaps. Als sie aufstand, um ihn zu holen, hörte man den alten Holzboden knarzen.

Darlin Raschun – Der kleine Junge und sein großer Tag.

Darlin Raschun

Der kleine Junge und sein großer Tag

 

Es wurde mein 60ter Geburtstag gefeiert. Ich hatte bereits eine Tochter, die selbst schon zweifache Mutter war. Mit meinen wunderschönen Enkelkindern. Die ältere sechs Jahre alt und die jüngere zwei fast drei. Beide ähneln ihrer Mutter sehr.

Sie gingen alle drei vor mir her, als wir das alte Holzhaus betreten, das schon seit mehreren Jahrzehnten mir und meiner Frau gehörte. Früher hatten auch noch meine Eltern hier gewohnt, aber als mein Vater starb und meine Mutter zu pflegebedürftig wurde, schickten wir sie in ein Heim. Wir besuchen sie jedoch noch immer fast täglich.

Bis jetzt war es ein wunderschöner Tag. Die Sonne hoch am Himmel, der Garten blüht wie schon lange nicht mehr und ich war glücklich.  Im Haus, in der Küche angekommen, wartete mein Geburtstagskuchen, den meine bezaubernde Frau mir gebacken hatte. Sie wusste, dass ich Apfelkuchen über alles liebte und es mich an meine schöne Kindheit auf den Bergen auf einem Bauernhof erinnerte. Das ganze Haus roch nach Zimt, Apfel und Teig, da Gabriela ihn heute frisch gebacken hatte.

Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich nicht gemerkt hatte, wie meine Frau mir den Kuchen mit einer schon angezündeten Kerze vor die Nase hielt. Ich blies dann zwar die Kerze aus, konnte mir jedoch nichts wünschen, da ich wunschlos glücklich war.

Ich durfte den Kuchen anschneiden und bekam, wie es üblich war, das erste Stück. Ich nahm den ersten Bissen, schmeckte den Zimt und den Apfel, wie sie auf meiner Zunge zergehen und schloss genüsslich die Augen.

Vor meinem inneren Auge kamen Erinnerungen hoch.

WILLHELM ALS KLEINER JUNGE

Wir schieben uns aus der Kirche, raus ins Getümmel. Alle meine Freunde stehen bei ihren Eltern. So wie ich. Neben mir: Großmutter, Mutter, Vater und meine Geschwister Ferdi und Richard. Alle stehen wir nebeneinander. Dicht an dicht, um uns nicht zu verlieren in dieser riesigen Menschenmasse. Den meisten erwachsenen Menschen reiche ich nur bis zum Ellenbogen.

Langsam löst es sich auf und auch wir begeben uns auf den Weg nach Hause. Dort wartet schon das größte Festmahl, das ich seit langem gesehen habe. Wir alle sitzen zusammen und lachen über alle möglichen Dinge. Auch Großmutter ist dabei. Ach, wie selten es doch geworden ist, dass wir einander sehen. Ich genieße das Essen wie selten etwas. Auch wenn wir nicht zu der ärmsten Schicht der Bevölkerung gehören, ist so ein Essen am Land sehr selten. Normalerweise kommt immer das Gleiche auf den Tisch, außer an Festtagen wie diesen.

Kaum habe ich zu Ende gegessen, will Ferdinanda, wie sie eigentlich heißt, schon mit mir spielen gehen. Draußen auf die Wiese oder zu den Tieren in den Stall. Aber Vater erlaubt es nicht. Warum erlaubt er das nicht? Aber wenn Vater gesprochen hat, dann ist es besiegelt. Wenn wir uns widersetzen, gibt es Schläge. Aber das war ja normal damals. Trotzdem frage ich mich, ob er denn nie so alt war wie ich. War er immer schon der alte, strenge Mann, der er jetzt ist? Keine Ahnung…

Was ist jetzt? Er steht auf. Will er mich jetzt schlagen? Nein. Kann nicht sein. Oder habe ich doch zu trotzig geschaut?

Nein, anscheinend doch nicht. Wo geht er dann hin? Was soll in dem Schrank neben dem Sofa sein, das er gerade aufmacht? Ach ja, die Kamera.

Auf geht’s. Zwar mag ich es nicht so… Bilder machen. Aber Vater und Mutter bestehen immer darauf.

Ferdi, oder auch Ferdinanda, holt auf Anweisung der Mutter einen Stuhl für Großmutter. Sie ist ja schon alt und hat auch schon Probleme beim Gehen. Wir stellen uns auf. Vater sagt irgendwas von „Ameisenscheiße“ und alle fangen an zu lachen, außer ich und Großmutter. Aber die lacht und lächelt ja nur selten. Ich runzle meine Stirn und natürlich drückt Vater genau da ab. Na toll. Jetzt schau ich aus wie Großvater, der hat auch immer so streng geschaut.

Aber Vater macht es anscheinend nichts aus. Er bittet mich zum Einzelfoto. Ich stelle mich neben einen Baum. Hinter mir sieht man bestimmt die Felder. Unsere Felder. Vater liebt seine Felder. Ferdi und ich auch. Wenn wir nicht gerade am Hof helfen müssen, spielen wir da. Fangen spielt Ferdi am liebsten. Ich nicht so, aber wenigstens will sie noch mit mir spielen. Richard nicht. Richard darf nicht mehr mit uns spielen und muss viel mehr am Hof helfen als wir.

Gerade als Vater abdrücken will, sehe ich Ferdi hinter seinem Rücken. Ferdi, die die schlimmsten Grimassen zieht. Ich muss so sehr lachen und genau da drückt Vater wieder ab. Dieses Mal lächle ich wenigstens auf dem Foto.

Wir gehen wieder ins Haus, während Ferdi Großmutter hilft und Richard wieder den Stuhl ins Haus trägt. In der Küche erwartet uns ein duftender Kuchen, den Mutter, kurz bevor wir in die Kirche gegangen sind, gebacken hatte. Apfelkuchen.

 

ZURÜCK IN DER GEGENWART

Ich war so in meine Erinnerungen vertieft gewesen, dass ich alles andere ausgeblendet hatte und alles andere vergessen hatte. Denn damals war alles noch schön. Nur die Sorgen eines kleinen Kindes, das noch nichts vom Leben gelernt hatte. Dem wahren Leben. Die kindliche Unschuld damals in unseren Augen… ich kann mich daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Aber an meinem Geburtstag will ich nicht in Traurigkeit verfallen und an längst vergangene Zeiten denken. Das alles war vorbei.

Und so wendete ich mich zu meiner Familie, in der ich hoffentlich noch viele Jahre verbringen darf.

Sabrina Oberdorfer – Ein gewöhnlicher Sonntag.

Sabrina Oberdorfer

Ein gewöhnlicher Sonntag

 

Seit Tagen ist dem Kind regelmäßig langweilig und die Eltern wissen nicht mehr, wie sie es beschäftigen sollen. So auch an diesem Sonntag. Eine Zeit lang spielt es ruhig und allein mit seinen Autos, doch plötzlich möchte es nicht mehr. Das Mädchen läuft zur Großmutter und will sie zum Spielen überreden. Diese ist jedoch gerade damit beschäftigt, Socken zu stricken. Deshalb kommt ihr Onkel zu ihr, hebt sie auf und trägt sie in den Garten. Dort angekommen hilft er ihr auf die Schaukel zu kommen und beginnt sie leicht anzutauchen. Der Großvater, welcher bis vor kurzem noch im Schuppen war, kommt hinzu. Nach kurzem Überlegen geht er ins Haus hinein, um den Fotoapparat zu holen. Als er den Garten wieder betritt, sieht er, wie sich seine Gattin locker mit ihrem Sohn unterhält. Er bittet sie, sich doch etwas näher zusammenzustellen, da er ein Foto schießen möchte. Der Onkel stoppt also die Schaukel ab, damit das Foto nicht verschwommen wird. Nachdem das erledigt ist, hat das Kind keine Lust mehr zu schaukeln und beginnt wie wild mit den Beinen zu zappeln. Kaum hat der Onkel das Kind vorsichtig auf dem Boden abgesetzt, läuft es auch schon auf das Haus zu. Der Onkel und die Großmutter setzen unterdessen ihre Unterhaltung fort.

Kurze Zeit später hören sie ein lautes Poltern im oberen Stockwerk. Der besorgte Onkel eilt sofort hinauf, um nach seiner Nichte zu sehen. Doch diese sitzt gut gelaunt inmitten von hundert Holzklötzen. Der Krach erklärte sich mit dem Ausleeren der Klötze. Doch nun, wer hätte es sich nicht gedacht, wird dem Mädchen gleich wieder langweilig. Also hebt der Onkel die Kleine auf und setzt sie erneut auf die Schaukel.

Und der gewöhnliche Sonntag nimmt seinen Lauf…

Anna Miklautz – Blumen im Jahr 1943.

Anna Miklautz

Blumen im Jahr 1943

 

Die Hand blättert durch die bereits vergilbten Seiten des Familienalbums. Jede Seite brachte bis jetzt, aus Momentaufnahmen liebgewonnen, Erinnerungen hervor.

Erinnerungen in Form eines kurzen Filmfetzens und den damit verbundenen Emotionen.

Die Hand zögert nun beim Umblättern. Auf der aufgeschlagenen Seite ist nur ein Bild. Es ist alt wie die restlichen, doch unterscheidet es sich dahingehend, dass es das einzige seiner Art ist, aus einer Welt, in der der Mensch als Objekt betrachtet wurde und die oftmals auch die gleichen Rechte besaß.

Es zeigt eine Familie, einen Teil meiner Familie, den ich nie kennenlernen durfte. Meine Großmutter Barbara, die zu dieser Zeit sicherlich nicht daran dachte, dass sie dereinst Kinder, geschweige denn Enkelkinder haben wird. Sie steht neben ihrem Bruder und blickt direkt in die Kamera. Zu ihrer Rechten sitzt ihre Mutter. Eine hagere Frau, die ihren Lebtag auf Familie und Arbeit fokussierte. Ihr direkt gegenüber ist mein Urgroßvater. In Arbeitsmoral und Pflichtgefühl in keinster Weise seiner Frau nachstehend, konnte er dennoch seiner Familie lediglich ein karges Leben ermöglichen, welches durch Augenblicke wie diese Fotographie versüßt wurde. Der kleine Bruder Valentin -liebevoll Volti genannt- war schon in seinen jungen Jahren ein kleiner Freiheitskämpfer, der seinen Willen stets durchsetzen wollte, und er schaut auch jetzt schelmisch am Fotographen und somit dem Betrachter vorbei.

Die Mitte des Familienkreises schmückt ein Kornblumenstrauß. Kurz vor der Aufnahme von dem Mädchen gepflückt, dekoriert er derzeit das Bildzentrum und später die triste Einzimmerwohnung der Familie.

Als kleiner Farbklecks am Küchentisch stehend haucht er dem spärlich eingeräumten Zimmer Leben ein, sodass die Illusion eines Domizils erweckt wird. Der eigentliche Ort, der als „Zuhause“ bezeichnet werden darf, liegt stattdessen hunderte Kilometer von dem Entstehungsort des Bildes entfernt. Dort steht das rustikale Bauernhaus mit seinen zugigen Fluren und quietschenden Türen, welches nur noch die liebgewonnenen Erinnerungen an eine bessere Zeit beherbergt.

Seit über einem Jahr lebt dort niemand mehr, freiwillig ist niemand gegangen.

Seit über einem Jahr besteht das Leben dieser vier Personen aus Zwangsarbeit bis zur physischen Erschöpfung.

Leid, Schmerz und Hass verloren durch ihre stete Präsenz den Schrecken, welchen sie an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit ausgelöst hätte.

Aus ihrem alten Leben ist allein die Hoffnung geblieben.

Jenes vage Gefühl, welches Halt zu geben scheint in einer scheinbar nicht enden wollenden Farce, die zur Realität wurde.

Für diese Familie sollte diese Ungewissheit erst nach drei Jahren, acht Monaten und sieben Tagen enden.

Am 14. November des Jahres 1945 betrat meine Großmutter jenes Haus wieder, in dem sie geboren wurde.

 

Sechs Jahre sollten vergehen, bis meine Großmutter ihren Familiennamen und das Haus zurückließ, dreizehn bis mein Urgroßvater an Tuberkulose verstarb und siebenunddreißig als meine Urgroßmutter friedlich auf ewig einschlief. Das Haus existiert schon lange nicht mehr.

Vor nicht einmal einem Jahr tat auch Volti seinen letzten Atemzug.

Einzig meine Großmutter lebt noch.

 

Es ist spät.

Das Fotoalbum wird zugeschlagen.

Im Flur steht eine Vase mit blauen Blumen.

Ein Lächeln, das die Augen nicht erreicht.

Jonas Knoll – Eine neue Welt.

Jonas Knoll

Eine neue Welt

 

Ich hörte einmal eine Geschichte meines Opas aus der späten Nachkriegszeit, die war für ihn so einprägsam, dass er sie sogar seinen Kindern und dann auch seinen Enkelkindern (also mir) erzählt hatte. Die ging so:

Eines Morgens wachte ich auf, es war eisig kalt, sogar mit der dicken Decke. Ich gab mir einen Ruck und stand auf, kramte mein Leibchen, die Hose und Unterhose und meine Lieblingssocken aus dem Schrank. Als ich mich angezogen hatte, ging ich ins Badezimmer und wusch mich, putzte mir die Zähne und rannte die Treppe hinunter. Das machte immer einen Höllenlärm, weil die Treppe schon ganz alt war und aus Holz bestand.

Ich setze mich zum Küchentisch. Heute gab es Semmeln zum Frühstück –  eine echte Besonderheit. Ich strich mir eine Semmel mit Marmelade und eine mit Honig, ich finde ja, dass frische Semmeln mit Honig etwas besser schmecken als mit Marmelade.

Mein Vater las das Neueste in der Zeitung und trank dazu eine Tasse schwarzen Kaffee. Meine Mutter fragte, ob ich alles für die Schule eingepackt habe. Ich schüttelte den Kopf und rannte die knarrende Treppe hinauf, packte meine Schulsachen und starrte auf das Fenster. Ich sah, wie die Eiskristalle anfingen zu schmelzen. Es faszinierte mich, die Sonne wärmte mich und es war mir auch nicht mehr kalt. Es machte irgendetwas mit mir. Es erfüllte mich mit Energie, die ich so oder so nötig hatte.

Nach ein paar Minuten hörte ich meine Mutter, die mich in leicht genervtem Ton fragte, wo ich denn bliebe, und dass meine Schulkollegen schon draußen auf mich warteten. Also polterte ich die Stiege wieder runter, um mich noch von meinen Eltern zu verabschieden. Sie wünschten mir einen schönen Tag. Ich erwiderte ihre Glückwünsche und zog mir den warmen Filzmantel und meine Lederschuhe an.

Dann ging ich nach draußen. Die eisige Luft schlug mir ins Gesicht, mein Atem verwandelte sich in Rauch. „Da bist du ja endlich!“, sagte Mark. Peter fügte noch hinzu: „Wir müssen uns beeilen, wenn wir noch rechtzeitig zu Unterrichtsbeginn in der Schule sein wollen!“ – „Dann laufen wir, oder?“, fragte ich. Beide nickten und wir rannten los. Wir huschten noch rechtzeitig in die Klasse. Ich war schon am Nachhauseweg, als Mark plötzlich ganz aufgeregt auf mich zu rannte. Er sagte: „Guck mal, was ich habe!“ Er hatte eine Dose aus Aluminium in der Hand, sie sah aus wie eine Bonbondose. „Das sind Kaugummis“, erklärte er mir, „probier mal!“

Ich steckte den Kaugummi ganz vorsichtig in den Mund. Während er eine große Blase machte und sie zerplatzen ließ. „Ja, es schmeckt wirklich wie ein Minzbonbon! Herrlich! So etwas brauch ich auch!! Wo hast du das her?“

Mark flüsterte: „Du darfst es niemandem verraten!! Versprich mir das! Ich habe es von einem englischen Soldaten geschenkt bekommen!“ Ich war fasziniert und ein bisschen erschrocken darüber, weil mir meine Eltern den Kontakt mit Soldaten streng verboten hatten. Er versprach mir, noch solche Kaugummis zu besorgen, da ich sein bester Freund war.

Jedes Mal, wenn ich einen Kaugummi esse, muss ich an diese Geschichte denken.

 

 

Florian Klösch – Herbstfreuden.

Florian Klösch

Herbstfreuden

 

 

Im Herbst des Jahres 1972 kam es zur Entstehung eines Bildes, das meiner Familie noch lange in Erinnerung bleiben sollte. Wie gewöhnlich pflegte es meine Mutter an spätsommerlichen Tagen in ihrem schwarzen Lieblingskleid, darunter trug sie eine weiße Bluse und eine weiße Strumpfhose, im Freien zu spielen. Sie dürfte sehr glücklich gewesen sein, als mein Großvater sie spontan auf den Kofferraum seines neuen Autos, ein Opel, setzte. Vermutlich befanden meine Großeltern diese Szene einfach als herzig, bevor sie sich entschlossen, ein Bild von meiner Mutter zu machen. Man sieht der Sechsjährigen an, dass es ihr eine große Freude bereitet, die Hauptfigur dieses Fotos zu sein. So widme auch ich ihr ein kleines Gedicht:

 

Vor langer Zeit es gab einmal.

Es ereignete sich nach dem Mittagsmahl.

Im Freien tollte ein junges Kind

mit großen Schritten eilte es geschwind.

Ein weißes Fahrzeug war sein Ziel,

welches ihm sehr gefiel.

Die Freude sah man dem Kinde an,

als der Vater um die Ecke kam.

Des Weiteren seine Tochter in den Arm nahm,

er hatte schon einen Plan

und setzte seine Erstgeborene flott auf den Wag‘n.

Die Mutter bemerkte die Möglichkeit,

nutzte des Tochters Besonnenheit,

machte mit der Kamera ein paar Schnappschüsse

und zog daraus sehr herzige Schlüsse.

Schon war es auserkoren,

das Bild, das wir noch lange bewahren.

Wer es wieder einmal sieht,

erinnert sich so gut, wie an

ein altes Lied.

 

Nach dem Knipsen des Fotos nahm mein Großvater meine Mutter wieder vom Kofferraum runter. Sie war sehr glücklich und rannte in die Stube des Bauernhofes, wo ihre zwei Schwestern zu Mittag aßen, und berichtete ihnen von ihrem positiven Erlebnis.

 

Dino Celebič – Ein Nest, aus dem das Leben schlüpft.

Dino Celebič

Ein Nest, aus dem das Leben schlüpft

 

Im Mai 1981 hatten meine Mutter und ihre Familie Besuch von Verwandten aus Bosnien. Am Bauernhof, auf dem meine Großeltern heute noch immer leben, hatten sie damals neben einem Hund und Hühnern ein großes Feld für Fruchtbäume und den Anbau von Gemüse. Hinter dem Grundstück befindet sich noch ein Fluss in einem Wald, dort haben sie oft gespielt. An jenem Tag kam der Fotograf des Dorfes zu ihnen und da es dort nur einen gab, war dies ein besonderes Ereignis. Aus diesem Grund informierten meine Großeltern die Kinder und sie machten ein Foto davon, wie sie mit den vor kurzem geschlüpften Küken spielen. Meine Mutter, ihre zwei Schwestern, ein Cousin und eine Cousine sind auf dem Bild mitten auf der Wiese; es wirkt so wie ein Nest, in dem sich alle Kinder befinden. Mitten im Nest ist ein kleiner Junge namens Valentin zu sehen. Ein kleines Küken, mitten im Geschehen. Es symbolisiert das Schlüpfen ins Leben und man erkennt die Freude in den Gesichtern aller Kinder. Ein Strahlen und Lachen erfüllt diesen Moment. Außerdem tragen alle drei Mädchen den gleichen lila-rosa gestreiften Pullover, obwohl sie keine Zwillinge (Drillinge) sind. Im Hintergrund des Bildes ist das Tor eines Zaunes zu erkennen, ein schmaler Weg führt zum Hof und in den angrenzenden Wald. Gleich daneben stehen eine Hütte und ein kleines Gebäude, genau dort sind heute ihre Autos geparkt und auf der anderen Seite des Tors befindet sich der Hühnerstall. Ein Stall mit Hühnern, mitten drinnen ein Nest, aus dem das Leben schlüpft.

 

David Jamnig – Zuckerland.

David Jamnig

Zuckerland

Die Riesenspinnen bewegen sich schon wieder. Gerade eben dachte ich noch, sie wären nun endlich ruhig. Nun gut, ich lass die Spinnen, Spinnen sein und zähle weiter mein Geld. Mittlerweile habe ich mehrere Milliarden Euro gesammelt und bald werde ich mir mein Haus kaufen. Natürlich mit großem Pool und Garten. Ja sogar einen eigenen Streichelzoo mit Wellensittichen werde ich mir erbauen. In der Garage wird der rote Ferrari stehen, mit dem ich dann über die Landstraße brettern werde.Was will denn meine Schwester schon wieder von mir? Ich verzaubere sie einfach zu Eis und dann habe ich meine Ruhe. Gesagt, getan. Ich kann sie schon nicht mehr hören. Kaum hat man Ruhe von seiner Schwester, geht einem schon wieder die Mutter auf den Wecker. Sie verlangt allen Ernstes, dass ich das Geschirr in das Maul des Monsters stecke. Mit Sicherheit werde ich dir diesen Wunsch nicht erfüllen, denn sonst wird es mich verschlingen. Langsam macht sich bei mir auch der Hunger bemerkbar, deshalb werde ich jetzt den Riesenapfel verschlingen. Somit muss ich nun für ein ganzes Jahr nichts mehr essen.

Heute werde ich mich auch noch auf die mit „Zucker“ bedeckte Wiese stürzen und daraufhin mit meinem Motorfahrzeug Runden im Garten ziehen. Natürlich habe ich auch vor, einen „Zuckermann“ mit einer Karottennase zu bauen. Gleich daneben wird meine „Zuckerburg“ stehen, welche ich vor meiner Schwester, also einem Eindringling, verteidigen werde. Ach, die Welt ist so schön!

Lilah Janjuz – Die Busfahrt.

Lilah Janjuz

Die Busfahrt

 

Mühselig hievte sie den viel zu großen Koffer über die Bordsteinkante auf den Gehsteig. Sie hatte wohl viel zu viel eingepackt, nun aber war es nicht mehr zu ändern. Das Dorf, in dem sie wohnte, hatte keine Bushaltestelle, obwohl die Dorfbewohner sich schon seit Jahren darum bemühten. Und so musste man fünf Kilometer bis ins nächste größere Dorf laufen. Als sie das Dorf durchquerte, spürte sie die Blicke der Dorfbewohner im Nacken. Ihr Fortgehen würde wohl mehrere Tage für regen Gesprächsstoff sorgen. Zunächst würden sie Spekulationen anstellen, nach denen sie zukünftig als Magd auf einem großen Bauernhof, in einem der umliegenden Dörfer arbeiten würde. Die Frau des Bürgermeisters würde allen erzählen, dass sie einen heimlichen Liebhaber im Ausland habe, wahrscheinlich einer der Erntehelfer, die dieses Jahr am Hof der Hansens waren. Wenn niemandem mehr eine neue Geschichte einfallen würde, würden sie zum Hof ihrer Eltern gehen, und diese würden nach langem Hin und Her widerwillig die Wahrheit ans Licht bringen.

Der Bus war bis auf zwei ältere Damen, die strickend und plaudernd im hinteren Teil des Buses saßen, leer. Sie setzte sich in der Mitte des Buses ans Fenster und beobachtete, wie sich die gewohnte Umgebung entfernte. Die Dörfer, an denen sie vorbeifuhren, die dem, in dem sie aufgewachsen war, so ähnlich sahen und doch alle ihren eigenen Scharm hatten. Hin und wieder stiegen Leute zu. Auch diese veränderten sich mit der immer größer werdenden Entfernung ihrer Heimat, wie die Tracht einer Gruppe Frauen, die der ihren zwar ähnlich sahen, aber von der Anordnung der Farben abwich. Mit der Zeit hatte sich der Bus fast vollständig gefüllt und es setzte sich eine Frau auf den Platz neben ihr. Sie trug ein Kleid aus einem so geschmeidig fließenden Stoff, wie sie ihn noch nie gesehen hatte. Unauffällig strich sie mit einem Finger über den samtig weichen Stoff. Ihr kam der Gedanke, dass sie selbst vielleicht eines Tages ein solches Kleid tragen würde, gekauft von ihrem selbst verdienten Geld.

An einer Haltestelle inmitten von goldglänzenden Getreidefeldern stieg eine ältere Frau mit einem großen Hut zu. Sie setzte sich in die Stuhlreihe schräg vor ihr und nahm sogleich ein, in blaue Leinen gebundenes, dünnes Buch hervor und vertiefte sich in seinen Inhalt. Lesen war immer eine Beschäftigung gewesen, die ihr Vater nicht gerne gesehen hatte. Eines der vielen Dinge, die er an ihr kritisierte. Es war nie leicht für sie gewesen, sich Bücher zu beschaffen. Die wenigen, die sich auf dem Hof ihrer Eltern befanden, hatte sie bald gelesen und die Schulbibliothek hatte auch nicht viel zu bieten. Sie hatte es immer geliebt, sich in andere Welten entführen zu lassen, die Geschichten anderer zu erleben. Das Lesen hatte es ihr wahrscheinlich auch ermöglicht, so zu denken, wie sie es jetzt tat und ihr auch dabei geholfen, diese Entscheidung zu treffen. Ab jetzt würde es nicht mehr nur das viele Lesen sein, das ihr Vater an ihr missbilligte. Er duldete, wie alle Männer im Dorf, keine Frauen, die selbstständig denken und handeln wollten. Sie konnte und wollte sich kein Leben an der Seite eines solchen Mannes vorstellen. Sie wollte frei sein, auf eigenen Beinen stehen und sich der Welt öffnen, sie verstehen und ihre Aufgabe in ihr finden.

Der Bus fuhr eine kurvenreiche Bergstraße hinab und dort wo die Bäume nicht zu dicht aneinander standen, konnte man im Tal die Silhouette der Stadt erkennen.