Beste Abschlussarbeiten am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Uni Klagenfurt ausgezeichnet

Am 14. Juni 2023 wurden am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt die diesjährigen Preise für hervorragende Abschlussarbeiten vergeben. Der „Günther-Stotz-Preis“ wurde im Andenken an Ass.-Prof. i. R. Mag. Dr. Günther Stotz (* 1948, † 2014) 2016 ins Leben gerufen. Günther Stotz stand als Mensch und Wissenschaftler für kritische Reflexion, demokratische Prinzipien, Emanzipation und Nachhaltigkeit. Deshalb ist ein zentrales Kriterium für den Preis, dass die Arbeit einen Beitrag zu gesellschafts-, bildungs-, demokratiepolitischen und emanzipatorischen Fragen im Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaften leistet. Die mit 200 Euro (Masterarbeit) bzw. 100 Euro (Bachelorarbeit) dotierte Auszeichnung wird jährlich für die beste Bachelor- und Masterarbeit des Studienjahres vergeben.

 

Die Preisträgerinnen im Studienjahr 2022/23 sind:

Beste Bachelorarbeit

Hannah Viktoria Sickl BA: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unterrichtssituation an höheren Schulen

Hannah Sickl befasst sich in ihrer Arbeit mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unterrichtssituation an höheren Schulen. Anhand eines Leitfadeninterviews wurden drei Lehrpersonen aus jeweils unterschiedlichen höheren Schulen in Kärnten zu ihren Erfahrungen in der Distanzlehre befragt. Dabei wurde herausgefunden, welche digitalen Medien und Tools im Distanzunterricht eingesetzt wurden und wie sich der aktuelle Unterricht, der inzwischen wieder in Präsenz stattfindet, dadurch verändert hat. Auch auf die Chancen und Herausforderungen sowie den Fortschritt des Digitalisierungsprozesses an höheren Schulen wurde eingegangen. Eine starke Veränderung des heutigen Präsenzunterrichts oder ein bemerkenswerter Digitalisierungsfortschritt durch den plötzlichen Umstieg auf digitalisierte Distanzlehre konnte laut den befragten Lehrkräften zwar nicht festgemacht werden, allerdings gibt es durchaus digitale Medien aus der Distanzzeit, die auch aktuell noch in den Unterricht integriert werden.

 

Beste Masterarbeit

Viktoria Ritsch BA MA: #holocaust. Digitale Erinnerungskulturen auf, durch und mit Instagram

Die Arbeit von Viktoria Ritsch schafft einen Überblick und somit eine aktuelle Bestandsaufnahme der konstruierten und praktizierten Erinnerungskultur(en) auf Instagram. Dazu wurden folgende Forschungsfragen gestellt: Wie zeigen sich die Erinnerungskultur(en) zum Thema Holocaust auf Instagram? Welche Formen der Erinnerung werden auf Instagram sichtbar? Welche Erinnerungspraktiken ermöglicht/verhindert/begünstigt Instagram? Welche Prozesse des Erinnerns werden auf Instagram initiiert und ausgelöst?

Die Analyse zeigte, dass Instagram ein Erinnerungs-Phänomen und somit viel mehr als ein Kanal, eine Plattform oder einfach ein Medium ist. Besonders deutlich wurde die Bedeutung der affektiven Einschreibung der Menschen in ihren Beiträgen. Nutzer*innen können mitmachen und teilhaben, mit Praktiken des Beobachtens und/oder Kommentierens, Bewertens, Teilens und Weitergebens. Memes, Kommentare, Likes und Emojis sind aktuelle Formen des doing memory.

 

Kriterien für die Nominierung/Verleihung des Günther-Stotz-Preises:

Folgende Kriterien werden zur Auswahl der besten Bachelor- und Masterarbeiten herangezogen. Die Kriterien basieren zum Teil auf dem von Günther Stotz entworfenen Beurteilungsschema für Diplom- bzw. Masterarbeiten.

 

  • Gesellschaftskritischer Anspruch

□    Beitrag der Arbeit zu gesellschafts-, bildungs-, demokratiepolitischen und emanzipatorischen Fragen

□    Kritisch-reflexive Perspektive auf gesellschaftliche, politische und ökonomische Entwicklungen im Kontext
medien- und kommunikationswissenschaftlicher Fragestellungen

 

  • Anlage der Untersuchung

□    Bevorzugt werden Arbeiten, welche theoretisch UND empirisch angelegt sind

□    Eigenständigkeit (eigenständige Gedankengänge/methodische Ansätze, kritische Auseinandersetzung mit dem
Thema)

□    innovative Fragestellung/innovative theoretische und methodische Ansätze

□    Aufwand der eigenständigen Forschung

 

  • Inhaltliche Kriterien

□    klare, eindeutige Abgrenzung und Definition der Problemstellung/Forschungsfrage

□    klares Konzept zur Lösung der Problemstellung (Forschungsansatz, Methodik)

□    klare und logische Struktur der Arbeit (Gliederung und konsistente Kapitelabfolge)

□    Aufarbeitung der für die Fragestellung und Zugangsweise einschlägigen Literatur

□    nachvollziehbare und schlüssige Argumentationskette

□    analytische Tiefe der Argumentation

□    konstante, klare Definitionen und Prämissen

□    präzise, vollständige Beschreibung und Begründung des Untersuchungsdesigns

□    adäquater Einsatz der gewählten Untersuchungs- und Analyseinstrumente

□    adäquate/korrekte Interpretation der empirischen Ergebnisse

□    klare Formulierung und Ableitung der Ergebnisse

□    Konsistenz zwischen Problemstellung und Ergebnissen

□    Analyse/Interpretation der Ergebnisse im Rahmen der theoretischen Konzeption

 

  • Formale Kriterien

□    Anwendung einheitlicher Formate

□    einheitliche Anwendung korrekter Zitierregeln

□    Anwendung eines wissenschaftlichen Schreibstils

 

Zur Person von Günther Stotz

Günther Stotz war seit der Gründung Mitglied des Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. In seiner langjährigen Funktion als Studienprogrammleiter und später als Studienrektor hat er wesentlich zur Entwicklung und Einrichtung der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Studiengänge und zur Entwicklung und Profilierung der Studiengänge an der Alpen-Adria-Universität beigetragen.

Günther Stotz war ein homo academicus im besten Sinne – ebenso neugierig wie empathisch, ebenso offen wie kritisch, an Theorie interessiert, ebenso wie an dem, was die Praxis damit tut und vor allem im Kern immer den Menschen und ihrem Werden zugewandt. Er begegnete Studierenden und Kolleginnen und Kollegen stets wertschätzend und nahm sich ihrer Probleme mit großer Geduld und Ernsthaftigkeit an. Er konnte zuhören und ihm lag an einem gerechten Ausgleich, für den er auch einen hohen Aufwand zu leisten bereit war. Auch in zeitlich angespannten Momenten blieb er gelassen. Seine Fähigkeit, Ruhe zu bewahren war im besten Sinne ansteckend, sein Lachen auch.

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