Forschungstag Bildungsforschung 2025: „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“ I 28. November 2025

Das Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung veranstaltet gemeinsam mit Kooperationspartner:innen am 28. November 2025 von 09:00 bis 16:00 Uhr an der Universität Klagenfurt (Stiftungssaal O.0.01) den Forschungstag des Forschungsschwerpunkts Bildungsforschung zum Thema „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“

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schau.räume – Eine Gesellschaft in Bewegung

29.November bis 10.Dezember 2025 – Villach/Beljak

Eine Gesellschaft in Bewegung
Postmigrantisch. Postmuslimisch. Postbalkan.
Das sind keine Labels – das sind Ansagen.
Sie stehen für Lebensentwürfe, die sich nicht auf Herkunft, Religion oder Migrationsgeschichte reduzieren lassen. Sie entstehen aus all dem – aber bleiben nicht darin stecken. Diese Begriffe brechen Erwartungen. Sie unterlaufen Kategorien, fordern neue Erzählungen. Sie öffnen Räume für Widerspruch, für Ambivalenz, für ein Selbstverständnis, das sich nicht erklären oder rechtfertigen muss.
UND/I lädt dazu ein, Gesellschaft neu zu denken – als etwas Bewegliches, als Miteinander, das sich in Sprache, Erinnerungen und Erfahrungen immer wieder neu formt.
„Zwischen Sprachen, Erinnerungen und Erfahrungen entsteht ein Raum, in dem Neues wachsen kann – offen, vielfältige, zugewandt. Vielleicht beginnt Zukunft genau hier – in Villach“ – Jasmin Donlic
Europa verändert sich und das ist seine größte Chance
Migration ist längst kein Ausnahmezustand, sondern Teil unseres Alltags. Der Begriff Postmigration beschreibt eine Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen Geschichten gemeinsam Zukunft gestalten. Da geht es nicht mehr um hier oder dort, wir oder sie – sondern um das Sowohl-als-auch. Um Begegnung statt Abgrenzung. Um Teilhabe statt Zuschreibung. Um das gemeinsame Erzählen einer geteilten Geschichte. Auch postmuslimisch und postbalkanisch zu denken heißt, gängige Zuschreibungen zu hinterfragen. Diese Begriffe eröffnen Perspektiven jenseits von Herkunftsfolklore und Integrationsrhetorik und schaffen Räume für Zugehörigkeit, Erinnerung und Handlungsspielraum.

UND/I öffnet Räume
Vom 29.November bis 10.Dezember 2025 verwandeln sich einige (leerstehende) Geschäftsräume in Villach/Beljakt in temporäre Performance- und Begegnungsräume. Tagsüber durch Schaufenster sichtbar, abends begehbar, entstehen 70-minütige Auf.Führungen, in denen künstlerische, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Perspektiven zusammenfinden. Innerhalb dieser Veranstaltungsreihe werden Räume geöffnet und als performative Erfahrungsräume genutzt. Das Publikum wird durch diese Räume geführt und erlebt darin künstlerische, wissenschaftliche und biografische Kurzbeiträge. Diese Begegnungen gibt es bei den Auf.Führungen, die von einem Guide begleitet werden, der zuvor an den Biografischen Storytelling-Workshops teilgenommen hat, welche sich unterschiedlichen Themenfeldern widmeten.

Jede Auf.Führung dauert rund 70 Minuten. Pro Abend werden drei Auf.Führungen angeboten – jeweils um 18:00 Uhr, 18:30 Uhr und 19:00 Uhr.
Termine: 29.November, 3.Dezember, 4.Dezember, 5.Dezember, 7.Dezember, 9.Dezember und 10.Dezember
Anmeldung erbeten: 0650 2608195 oder rk [at] schau [dot] raeume [dot] cc Eintritt frei.

Details zu den Räumen: Zwischen Leerstand und Öffentlichkeit entstehen performative Räume – Orte für Erinnerung, Begegnung und Auseinandersetzung:
•    Haček.Raum: Ein Amt für Sonderzeichen. Geschichten über Namen, Zuschreibungen und das Recht, sich selbst zu benennen.
•    Y(o)u.Raum: Nostalgische Objekte und Erinnerungen einfach konserviert. Eine Installation über Verlust, Zugehörigkeit und Wiederaneignung.
•    Traum.Raum: Rap, Beats und Stimmen. In Zusammenarbeit mit Student:innen der AAU Klagenfurt entstehen Musikstücke und Texte, die von transnationalen Lebensgeschichten erzählen.
•    Verein.ter Raum: Eine Kooperation mit Vereinen wie Salam Oida, Equaliz und Radio AGORA. Der Raum wird zum Forum gegen Rassismus, für Empowerment und gesellschaftliche Teilhabe.
•    Verander.Raum: Lectures und Gespräche mit Jasmin Donlic und Erol Yildiz über Othering, postmuslimische Generationen und Heimat sind wir.
•    Transtopische_Teppich.Räume: Eine Installation im Innen- und Außenraum, inspiriert von Azra Akšamija und Erol Yildiz. Bänder und Seile verknüpfen Räume zu einem Netz aus Verbindungen. Gestaltung: Marie Lenoble.
•    Kahva.Raum: Ein Ort des Ankommens und Austauschs. Hier endet jede Auf.Führung – Khava, Gesprächen und Musik. Gestaltung Ajla Brajevic.

Spiel.Raum & schau.Räumchen 
Eine Intervention im öffentlichen Raum auf Basis des Kinderbuchs „Die Neuen“ von Susanne Isern und Sonja Wimmer, das sich mit Abschiebung und Inklusion beschäftigt. Figuren aus dem Buch erscheinen als Maskenfiguren in drei Interventionen: Die ersten beiden Teile fanden bereits im Juli: „Landen“ an der Drau und Oktober: „Ankommen“ in der Stadt, statt.
„Bleiben“ – vor den schau.Räumen · Do. 27. November von 16:00 bis 17:00 Uhr folgt also jetzt.  Nachgespräch: 18 Uhr
Regie: Katrin Ackerl Konstantin, Amalia Contarini | Assistenz: Mitch Münzer, Rosalia Kopeinig
Performer:innen: Barbara Ambrusch-Rapp, Amalia Contarini, Martina Konrad, Maria Leeb, Ingrid Türk-Chlapek, Anita Winkler.
Eine Zusammenarbeit mit der integrativen Tanztrainingsgruppe Freak out  der Lebenshilfe Ledenitzen.
schau.Räumchen – Eine begleitender Schulworkshop am Gymnasium St.Martin (Villach) mit Amalia Contarini und Theresa Pasterk. Die Schüler:innen bearbeiten das Buch mit beiden möglichen Enden, erweitern diese und reflektieren und nehmen aktiv an den Interventionen teil.

UND/I entfaltet sich in einer Zeit, in der Grenzen neu gezogen werden – kulturell, politisch, geografisch. Doch dazwischen entstehen Räume, die verbinden statt trennen: Orte für Dialog, Reflexion und solidarisches Handeln. Das Projekt versteht Migration nicht als Ausnahme, sondern als Normalität, die unsere Gesellschaft prägt. Es macht sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt und fragt, wie Zusammenleben unter pluralen Bedingungen gestaltet werden kann.

Team
Künstlerische Leitung: Katrin Ackerl Konstantin
Konzeption & Forschungsleitung: Jasmin Donlic
Produktionsleitung und Adaption der Räume: Gertrud Reiterer-Remenyi
PR: Isabel Brugger, Mitch Noah Münzer
Künstler*innen: Azra Halilovic, Marie Lenoble, Davor Stojanovski, Barbara Ambrusch-Rapp
Technik: Philip Kandler
Institutionen/NGO: Jasmin Donlic (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), Erol Yildiz (Universität Innsbruck) und Verein Salam Oida sowie EqualiZ.
Student*innen der Lehrveranstaltung Hip-Hop Education in der postmigrantischen Gesellschaft (Lehrveranstaltungsleiter: Jasmin Donlic) an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec sowie regionale Hip-Hop-Gruppen
Biografisches Storytelling: Rosalia Kopeinig, Gertrud Reiterer-Remenyi in Zusammenarbeit mit der vormaligen Integrationsbeauftragten der Stadt Villach/ Beljak: Ajla Brajevic-Donlic.
In Kooperation mit dem Integrationsbüro Villach und dem Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec.

Barrierefreiheit & Teilhabe
Alle Räume sind möglichst barrierefrei zugänglich. Informationen zu Wegen, Assistenzangeboten, Untertiteln und barrierefreien Materialien bitte auf Anfrage.

be come pART.

Emeritierung von Professorin Elke Gruber

Am 29.10.2025 fand im Grazer Meerscheinschlössl unter dem Titel “Come Together” eine feierliche Veranstaltung anlässlich der Emeritierung von Frau Prof.in Elke Gruber statt. Frau Prof.in Gruber war von 2002 – 2014 am IfEB tätig und leitete danach den Fachbereich Erwachsenen- und Weiterbildung des Instituts für Erziehungs- und Bildungswissenschaft an der Universität Graz.

Wir gratulieren Univ.-Prof.in Dr.in Elke Gruber herzlich zu ihrer Emeritierung und wünschen ihr alles Gute, viel Gesundheit und Freude für die nachberufliche Lebensphase!

IfEB-Spotlight November 25: Adriana Nedwed „Montessori im digitalen Rampenlicht“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

„Montessori im digitalen Rampenlicht: Eine visuelle Cross-Plattform-Analyse der Inszenierung der Montessori-Pädagogik zwischen Romantisierung und Realität aus erziehungswissenschaftlich-ratgeberforschungstheoretischer Perspektive“

In meiner Masterarbeit analysiere ich die Darstellung der Montessori-Pädagogik auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Pinterest. Im Zentrum steht die Frage, wie ein reformpädagogisches Konzept in den digitalen Raum übertragen und dort visuell romantisiert wird. Zahlreiche Beiträge konstruieren ein idealisiertes Bild von Erziehung: Kinder erscheinen in ruhiger Beschäftigung mit Montessori-Materialien, Räume sind minimalistisch und stilvoll gestaltet, und familiäre Situationen wirken harmonisch und konfliktfrei. Diese Darstellungen blenden jedoch die Komplexität und Widersprüchlichkeit pädagogischer Praxis häufig aus. Das Spannungsfeld zwischen romantisierender Inszenierung und gelebter Realität bildet daher den analytischen Fokus meiner Arbeit. Für mich ist das Thema bedeutsam, weil es zeigt, wie stark Medien unsere Vorstellungen von Kindheit, Elternschaft und „guter Erziehung“ prägen – und weil es wichtig ist, diese Diskrepanz zwischen digitaler Romantisierung und gelebter Realität sichtbar zu machen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Ich studiere im Master Diversitätspädagogik in Schule und Gesellschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. In meinem Studium beschäftigen mich vor allem Fragen zu Erziehungsvorstellungen, gesellschaftlichen Diskursen und Bildungszugängen. Mein Masterarbeitsthema verbindet dabei erziehungswissenschaftliche, medienpädagogische und ratgeberforschungstheoretische Perspektiven – ein Mix, der genau zu meinem Studienprofil passt.

So kann ich nicht nur analysieren, wie Montessori auf Social-Media-Plattformen dargestellt wird, sondern auch reflektieren, welche Orientierung diese Darstellungen Eltern bieten und welche Risiken – etwa Überforderung durch idealisierte Vorbilder – damit verbunden sein können. Mein Thema zeigt damit nicht nur die interdisziplinäre Offenheit meines Studiums, sondern macht auch deutlich, wie wichtig es ist, Erziehung in Zeiten digitaler Kulturen genau zu betrachten.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Methodisch arbeite ich mit der Visual Cross-Platform Analysis (VCPA), einem qualitativ-interpretativen Ansatz, der den Vergleich visueller Inhalte über mehrere Plattformen hinweg ermöglicht.

  • Auf der Makro-Ebene untersuche ich plattformübergreifende Muster: Welche Bildsprachen, Farbcodes und Narrative tauchen auf?
  • Auf der Meso-Ebene arbeite ich mit Bildtypologien und Clustern, um wiederkehrende Ästhetiken – etwa bestimmte Inszenierungen von Kinderzimmern oder Spielsituationen – sichtbar zu machen.
  • Auf der Mikro-Ebene führe ich Close Readings einzelner Beiträge durch. Hier betrachte ich zum Beispiel die Komposition, den Einsatz von Hashtags, Emojis, Audioelementen (bei TikTok) und die narrative Rahmung.

Darüber hinaus reflektiere ich die „digitalen Verzerrungen“ (Digital Bias), also die Rolle von Algorithmen, Plattformlogiken und ästhetischen Selektionsmechanismen. Denn die Inhalte, die wir auf Social Media sehen, sind nicht neutral, sondern durch technische und ökonomische Logiken geprägt – und das beeinflusst, welche Erziehungsbilder überhaupt sichtbar werden.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass eine gute Planung unglaublich wichtig ist. Ein klar strukturierter Zeitplan gibt Halt und hilft dabei, den Überblick zu behalten – gerade, wenn die Menge an Literatur und Material zunächst überwältigend erscheint. Egal, ob man eher der Typ für konzentriertes Alleinarbeiten ist oder den Austausch sucht – beides ist möglich und wertvoll. Wer lieber für sich arbeitet, kann lernen, sich feste Routinen zu schaffen und konsequent daran festzuhalten. Wer sich gerne mit anderen vernetzt, profitiert oft von Gesprächen, die neue Perspektiven eröffnen oder motivieren. Wichtig ist, die eigene Arbeitsweise zu akzeptieren und zu nutzen. Gleichzeitig sollte man offen bleiben: Vieles entwickelt sich erst im Prozess, und neue Ideen entstehen oft direkt aus der Arbeit am Material. Mein wichtigster Tipp wäre: Dranbleiben! Auch wenn man an einem Tag „nur“ einen Absatz gelesen, einen Satz geschrieben oder neue Literatur gesucht hat – es ist ein Fortschritt, und all diese kleinen Schritte summieren sich. Und nicht zuletzt: Vergesst nicht die Freude am Thema. Die Arbeit an einer Masterarbeit ist anspruchsvoll, aber sie bietet auch die Möglichkeit, sich intensiv mit einem Bereich zu beschäftigen, der einem wirklich am Herzen liegt.

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