Studieren in Seoul: Das Alltägliche wird zum Abenteuer

Warum Seoul? Dieser Frage musste sich Cedrik Hennigs nicht nur im Interview stellen. Auch sein Umfeld wollte von dem Münchner Studenten der Medien- und Kommunikationswissenschaften wissen, warum es ihn für sein Auslandssemester so weit weg zieht. Hier erzählt er vom Leben und Studieren in Südkorea und warum es gut tut in eine unbekannte Kultur einzutauchen. 

Wie geht es dir?

Mir geht es sehr gut! Ich bin hier durch die Partneruniversität super betreut. Ich habe schnell Anschluss gefunden und außerdem sind noch zwei weitere AAU-Studierende mit mir hier.

Wie ist es für dich in Südkorea zu studieren?

Das ist schwer in wenige Worte zu fassen. Hier und wahrscheinlich generell im asiatischen Raum gibt es eine ganz andere Kultur, es ist eine ganz andere Welt als in Europa. Dadurch ist hier auch das Studium anders. Es ist zwar auf Englisch, das hält die Sprachbarrieren gering. Allerdings ist das ganze System, zum Beispiel bei der Vergabe von Noten oder Punkten ungewohnt und auch strenger. Das Leistungsniveau hier ist ein anderes. Auch das hängt, denke ich, sehr stark mit der Kultur zusammen, die auf Leistung und einen hohen Bildungsabschluss abzielt.

Hast du deine Lehrveranstaltungen on oder off Campus?

Bei uns findet aktuell alles online statt. Das wurde schon im Vorhinein bekanntgegeben, jetzt wurde aber noch einmal bestätigt, dass auch bis zum Semesterende alles online bleibt.

Und warst du trotzdem schon einmal am Campus?

Ich war zwar noch in keinem Hörsaal oder Ähnliches, aber ja, ich wohne sogar am Campus. Das Wohnheim befindet sich hier. Obwohl man den Begriff Campus hier recht breit fassen muss. Der ist richtig groß, praktisch ein eigenes Stadtviertel. Es gibt hier verschiedene Restaurants, Banken, Schreibwarenläden und andere Einrichtungen. Eine Besonderheit ist, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt hinein- oder hinauszukommen, nämlich das front gate und das back gate.

Dann vielleicht die Gegenfrage – warst du schon einmal außerhalb des Campus?

Ja klar, auch das war ich. Das Einzige was es am Campus nämlich nicht gibt sind Bars. Aber alleine schon durch das Sightseeing hier in Seoul oder, um auch mal andere Restaurants oder Ausgehmöglichkeiten zu sehen, bin ich eigentlich täglich außerhalb des Campus.

Wie steht es denn um deine Koreanisch-Sprachkenntnisse?

Die Uni bietet zwar Sprachkurse auf verschiedenen Levels an, aber was die Lehrveranstaltungen betrifft ist hier alles auf Englisch. Es ist aber schon von Vorteil die Sprache sprechen zu können, denn nicht alle Koreaner*innen verstehen Englisch. Im Alltag helfen grundlegende Wörter wie: Bitte, Danke, Hallo und Auf Wiedersehen viel weiter. Die schnappt man aber automatisch auf, wenn man ein paar Wochen hier verbringt.

Lernst du viele Menschen kennen? Wie vernetzt du dich?

Durch die Onlinelehre ist es natürlich nicht so leicht und selbstverständlich die anderen Studierenden kennenzulernen. Aber es gibt circa 150 internationale Studierende und die meisten sind offen für gemeinsame Aktionen. Der Großteil lebt hier am Campus im Wohnheim, so läuft man sich auch über den Weg. Und die Studierendenbars sind auch immer ein guter Treffpunkt. Es gibt also genug Möglichkeiten, um doch Leute kennenzulernen.

Also sind die Bars offen?

Ja, aktuell sind Cafés, Restaurants, Bars und Clubs offen. Allerdings von 05:00-22:00 Uhr. Das bedeutet, man könnte tagsüber einfach mal in einen Club gehen. Natürlich gibt es aber Regeln. Zum Beispiel darf man nur zu viert am Tisch sitzen und die Maske nur im Sitzen runternehmen.

Warum hast du dich trotz Corona für ein Auslandssemester entschieden?

Ich habe mich schon vor Corona für das Auslandssemester beworben. Als ich mein ursprünglich geplantes Semester antreten wollte, wurde es mit Covid-19 bei uns gerade ernst und ich konnte meinen Auslandsaufenthalt glücklicherweise auf ein Jahr später verschieben. Natürlich habe ich jetzt auch hin und her überlegt. Letztendlich hatte ich aber Glück, denn die Situation in Südkorea ist besser – die Fallzahlen sind niedriger. Ich wusste auch, dass es eingeschränkter als ein ‚normales‘ Auslandssemester sein würde, aber dennoch wollte ich diese einmalige Chance nicht missen. Wer weiß, ob ich noch einmal so eine Möglichkeit habe.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Ich hatte eigentlich die volle Unterstützung. Die meisten freuen sich für mich und fragen immer fleißig nach, was es Neues gibt. Corona war weniger das Thema. Dafür wurde ich oft gefragt, warum ich mir Seoul ausgesucht habe.

Und warum?

Ich wollte auf einen für mich unbekannten Kontinent, neue Erfahrungen machen und in eine neue Kultur eintauchen. Dafür hat sich Asien gut angeboten. Die Uni Klagenfurt hat Kooperationen mit verschiedenen Unis hier und letztendlich habe ich mich für Korea entschieden, weil es total neu für mich ist und es mich gereizt hat, hier neue Erfahrungen zu machen.

Hattest du eine bestimmte Vorstellung von deinem Studium hier?

Konkrete Vorstellungen hatte ich nicht. Aber natürlich habe ich im Vorfeld ein bisschen recherchiert. Da findet man Eindrücke von früheren Studierenden und der Uni selbst. Von der Dimension des Campus oder den Gebäuden hier, davon hatte ich gar keine Vorstellung. Ich hatte mir das Campus-Leben so ähnlich wie in amerikanischen Filmen vorgestellt und ich muss sagen, so ähnlich ist es auch. Es gibt hier Clubs oder Sportmannschaften, die man immer trainieren sieht und viele Cafés, in denen auch immer Studierende sitzen. Soweit ich das Studium hier beurteilen kann, sehe ich, dass die Tendenz eher weg von Gruppenarbeiten und hin zum individuellen Lernen und self-study geht. Wahrscheinlich ist das auch Geschmacksache.

Wie lebst du in Südkorea?

Ich wohne im Studierendenwohnheim. Corona-bedingt habe ich ein Zimmer, das eigentlich ein Doppelzimmer ist, als Einzelzimmer. Normalerweise hätte man eine/n Mitbewohner*in, weil auf Privatsphäre wohl weniger Wert gelegt wird. Es lebt sich einfach anders, aber gut.

Was war noch neu für dich?

Was mich sehr überrascht hat ist, dass Einkaufen hier sehr teuer ist. Grundnahrungsmittel sind oft so teuer, dass man hier stattdessen einfach öfters Essen geht oder sich Essen liefern lässt. Auch die Streetfood-Kultur wird hier großgeschrieben. An jeder Ecke findet man Leckereien. Das Essen ist auf jeden Fall anders als in Europa. Weniger Obst und Gemüse, viel Zucker und Fett. Tierische Produkte findet man überall und vieles ist frittiert. Dafür ist man beim Trinken gesünder unterwegs. Es wird immer eine Karaffe Wasser zum Essen serviert und man findet überall Wasserspender. Das Nationalgetränk ist Soju, ein, für europäische Verhältnisse, milder Schnaps.

Was machst du, wenn du gerade keine Uni hast?

Das Schöne hier ist, dass viele Museen, typische Sightseeing-Spots, wie Paläste oder Touren, kostenlos sind. Kulturangebote zu genießen ist günstiger als in Europa. Außerdem kann man alles mit dem öffentlichen Verkehr erreichen. In Südkorea gibt es ein gut ausgebautes U-Bahn- und Busnetz.

Was möchtest du hier noch unternehmen?

Ganz viel natürlich. Auf jeden Fall steht ein temple stay auf meiner Liste. Aus früheren Zeiten, in denen Korea noch ein Königreich war, gibt es noch viele Tempel und Paläste. Nun kann man in diesen Anlagen mit buddhistischen Mönchen für ein Wochenende lang leben. Man lernt mit den Mönchen zu meditieren, macht Teezeremonien und bekommt Einblick in deren Leben.

Warum sollte man ein Auslandssemester machen und würdest du es weiterempfehlen?

Natürlich! Wo fange ich an: Persönlich bringt es einem unheimlich viel, das habe ich schon in den ersten Wochen hier bemerkt. Man findet sich ständig in neuen Situationen wieder, alltägliche Dinge wie Einkaufen oder zum Friseur gehen werden zum Abenteuer, es gibt Sprach- und Kulturbarrieren und man befindet sich in einer neuen, ungewohnten Welt. Auch auf der universitären Ebene ist es zu empfehlen. Man verbessert Sprach(en)kenntnisse und man erhält einen Einblick in andere Lehrinhalte und -methoden. Wenn man die Möglichkeit wahrnehmen kann, sollte man diese Chance echt nutzen.

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