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Wissenschafts- und Technikforschung in der Praxis

Exkursion nach Wien zu Technopolis, AIT & VISTA: Einblicke in Berufsfelder der Wissenschafts- und Technikforschung. Ein Bericht von Karin Bergmann, Diana Sophie Dähn, Matthias Gasser, Jonathan Knirsch, Philipp Wernig und Felicia Winter.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Berufsfelder der Wissenschafts- und Technikforschung“, geleitet von Helene Sorgner, besuchten wir Studierende des Masterstudiengangs „Wissenschaft, Technik und Gesellschaft“ (STS) mehrere außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Wien. An zwei Tagen bekamen wir Einblicke in die Arbeitsweisen und Aufgabenfelder des Vista Science Experience Centers, der Technopolis Group und des Austrian Institute of Technology. Durch die Diskussion mit Expertinnen vor Ort konnten wir mögliche Berufsfelder von STS hautnah erleben. Ebenso gab es neben den universitären Verpflichtungen bei den Pausen und einem gemeinsamen Spaziergang zum Weihnachtsmarkt zahlreiche Möglichkeiten, den kollegialen Zusammenhalt zu fördern.

Das VISTA in Klosterneuburg: Ein Blick hinter die Kulissen der Wissenschaft

Unsere erste Exkursion führte nach Klosterneuburg zum VISTA, dem Besucherzentrum des Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Es ist ein Ort, an dem Kunst und Wissenschaft ins Gespräch kommen und Forschung erfahrbar wird. Zwischen interaktiven Experimenten und künstlerischen Installationen bekamen wir einen Eindruck davon, wie wissenschaftliche Fragen entstehen, wer an ihnen arbeitet und wie Wissen Schritt für Schritt ausgehandelt, überprüft und weiterentwickelt wird.

Das VISTA  macht die aktuelle Forschung aus dem ISTA für ein breites Publikum zugänglich. Es wurde im Oktober 2025 eröffnet. Die derzeitige Ausstellung läuft etwa zwei Jahre. Die Ausstellung richtet sich an Menschen von 9 bis 99 Jahren. Sie beinhaltet rund 40 der insgesamt 80 Forschungsthemen, die aktuell am ISTA beforscht werden.

Nachbildung eines Bohrkerns, der verschiedene Eisschichten enthält.

Bei Murmel-Experimenten, Gletscherforschung und Astrophysik erklärten uns die Kuratorinnen der Ausstellung, Stephanie Kneissl und Theresa Steiner, wie Forschungsfragen entstehen können: Nicht als geradliniger Prozess, sondern meist aus Neugier, aus Beobachtungen oder auch mal durch Zufall. Auch der offene Umgang mit Veränderungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gehört dazu. Am Beispiel der Gletscherforschung wurde deutlich, dass sich wissenschaftliches Wissen auch kurzfristig ändern kann. So musste kurz vor der Eröffnung der Ausstellung eine zuvor gültige Annahme über den einzigen wachsenden Gletscher aufgrund neuer Daten revidiert und die Installation entsprechend angepasst werden. Dieser Prozess war dabei kein Nachteil, sondern ein zentraler Bestandteil der Vermittlung.

Für uns Studierende bot diese erste Station einen neuen Zugang zur Wissenschaftskommunikation. Das VISTA machte sichtbar, dass Forschung nicht nur über Texte und Vorträge, sondern auch über räumliche Inszenierungen und interaktive Installationen vermittelt werden kann. Gerade dieser Einblick zeigte uns, wie vielfältig STS-Berufsfelder sein können. Am Beispiel des VISTAS wären es unter anderem Museumskurator:in, Project Coordinator oder Science Communicator.

Technopolis

Der zweite Tag unserer Exkursion führte uns in den ersten Bezirk der Bundeshauptstadt, wo sich die österreichische Zweigstelle von Technopolis befindet. Begrüßt wurden wir von Florentine Frantz, sie machte ihren Bachelor in Physik. Danach führte sie ihr wachsendes Interesse am Einfluss von Forschung und Technik auf die Gesellschaft zu STS, wo sie ihren Master und später ihr Doktorat abschloss. Mit der daraus gewonnenen interdisziplinären Expertise berät sie nun bei Technopolis als Senior Consultant nationale und europäische Akteure zur Innovations- und Forschungspolitik.

Die Vorstellung von Technopolis übernahm Geschäftsführerin Katharina Warta und gab uns Einblicke, die nicht über die Webseite zu erfahren sind. Technopolis wurde 1989 als Spin-Off der Universität Sussex gegründet. Schnell stellte sich die Notwendigkeit solcher Beratungsangebote an der Schnittstelle von Forschung und Politik heraus, was zu weiteren Gründungen in Frankreich und gleich danach in Österreich führte.

Technopolis versucht, über evidenzbasierte Politikberatung nachhaltigen Impact zu generieren. Wie macht Technopolis das? Sie betreiben keine eigene Forschung. Vorrangig evaluieren sie den Stand der Wissenschaft in unterschiedlichen Bereichen und nutzen die Erkenntnisse für ihre weitere Arbeit. Ihre Auftraggeber sind vorrangig aus der Politik, also etwa aus Ministerien und anderen öffentlich finanzierten Institutionen, und die Beauftragung findet über Ausschreibungen statt. Sie erstellen Berichte, evaluieren Projekte und geben Handlungsempfehlungen. Dabei kommt ein interdisziplinäres Team zum Einsatz. Es gibt Data Analysts, Soziologen, Politikwissenschaftler, Ökonomen und viele andere unter den knapp 350 Mitarbeiter*innen, die weltweit tätig sind.

Wie viel Meta-Arbeit Technopolis leistet, wie das Team vernetzt und aufgebaut ist, und vor allem welche Arbeit geleistet wird, war äußerst spannend zu sehen. Eine Arbeit, zu der uns Florentine auch gleich selbst eingeladen hat. Im Zuge unseres Besuchs durften wir uns überlegen, wie wir anhand einer realen Ausschreibung ein bestimmtes Evaluations-Projekt angehen würden. In dem kurzen Workshop konnten wir unsere bisherigen Ideen, Theorien und Werkzeuge aus STS einsetzen und waren glücklich zu sehen, dass Technopolis die Ausschreibung tatsächlich mit ähnlichen Vorschlägen gewonnen hat.

Die Frage, ob wir uns vorstellen könnten, eine Bewerbung bei Technopolis abzugeben, konnten einige von uns danach mit einem überzeugten Ja beantworten.

Austrian Institute of Technology (AIT)

Der letzte Programmpunkt unserer Exkursion in Wien führte uns zum Austrian Institute of Technology (AIT). Dort wurden wir von Dana Wasserbacher (Foresight-Expertin und Programmmanagerin am Center for Innovation Systems & Policy) und Hubert Umschaden (Forschungsingenieur im Umweltsimulationslabor) herzlich empfangen und erhielten spannende Einblicke in die verschiedenen Tätigkeiten der Forschungseinrichtung.

Expert:innen am AIT zeigen uns die Prüfkammern des Umweltlab

Das AIT ist mit über 1.500 Mitarbeitenden Österreichs größte außeruniversitäre Forschungsinstitution und vor allem in der angewandten Forschung und Technologieentwicklung aktiv. Es wird in sieben Center gegliedert, wobei am Center für Innovation Systems & Policy auch sozialwissenschaftliche Forschung zur zukünftigen Entwicklung von Technologie und Gesellschaft betrieben wird. Diese Abteilung, an der auch Dana Wasserbacher arbeitet, zeichnet sich besonders durch ihren starken Fokus auf Interdisziplinarität aus. Das AIT wird sowohl von öffentlichen Institutionen beauftragt – wie etwa österreichische Bundesministerien oder der Europäischen Union – als auch von privaten Unternehmen.

Im Rahmen unseres Besuchs hatten wir zunächst die Gelegenheit, das Umweltsimulationslabor von Hubert Umschaden zu besichtigen und einen Einblick in die Labortätigkeiten sowie die Prüfpraxis nach Norm zu erhalten. Man konnte richtig spüren, wie sehr die Mitarbeitenden ihren Job lieben, insbesondere, als sie uns einige Simulationen vorgeführt haben.

Anschließend konnten wir noch mehr über ein aktuelles Projekt von Dana Wasserbacher erfahren, das sich mit der Entwicklung von Zukunftsszenarien im Kontext der Menschenrechte in Europa beschäftigt. Dieses Foresight-Projekt veranschaulichte sehr gut, welche Methoden dabei zum Einsatz kommen und wie Szenarienbildung und Foresight in der Praxis entwickelt und ausgehandelt werden. Wir haben einen Eindruck bekommen, welche Akteur:innen für das aktuelle Foresight-Projekt relevant sind und wie wichtige Themen, wie zukünftige Herausforderungen für die Verteidigung der Menschenrechte, gemeinsam mit Expert:innen untersucht werden. Ein besonderes Merkmal des Projektes ist es, die unterschiedlichen Akteur:innen zusammenzubringen und gemeinsame Visionen auszuhandeln. Somit ermöglichte uns der Besuch einen praxisnahen Einblick in das Feld der Zukunftsforschung mit Foresight-Methoden, das sowohl durch die qualitative Methodik als auch inhaltlich an viele aus dem STS-Studium bekannte Inhalte anschließt.

Abschlussworte

Die Exkursion vermittelte den Kern von STS auf anschauliche Weise: den Blick hinter die Kulissen der Forschung sowie das komplexe Zusammenspiel von Politik, Technik und Gesellschaft.

Neues Buch ‚Producing Citizenship in Medical Research Collections‘

Im kürzlich veröffentlichten Buch ‚Producing Citizenship in Medical Research Collections‘ behandelt Erik Aarden die Frage ob und wie Proben- und Datensammlungen in der Medizinforschung als Allgemeingut zu verstehen sind. Anhand von Fallstudien in Europa, Indien, Singapur und den USA zeigt diese Buch, dass bestimmte Formen von Citizenship – oder individuelle und kollektive Rechte und Pflichten – in solche Sammlungen eingebaut sind, was die Idee eines Allgemeingutes in Frage stellt. Das Buch bietet so eine neue Perspektive auf Dateninfrastrukturen im Gesundheitsbereich. Weiter Infos finden Sie auf: https://link.springer.com/book/10.1007/978-981-95-1707-7

Science-Fiction-Filmabend mit Diskussion: Dienstag, 09. Dezember, 18 Uhr – „Moon“ (HS 3)

Die Studierenden der Lehrveranstaltung „Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz: Visionen in Science Fiction, Politik und Gesellschaft“ (Master „Wissenschaft, Technik und Gesellschaft“) laden herzlich zum gemeinsamen Filmabend am 09.12.2025, 18 Uhr im HS 3 ein. Es wird der Film „Moon“ (2009, Englisch OV mit Untertiteln) gezeigt. Im Anschluss an den Film findet eine von den Studierenden organisierte Diskussionsrunde zu gesellschaftlichen Visionen Künstlicher Intelligenz statt. Keine Anmeldung erforderlich; alle Interessierten sind sehr willkommen.

Kontakt: Anja [dot] bauer [at] aau [dot] at

 

 

Einladung zur Defensio von Helene Sorgner (7. November 2025 um 11 Uhr, Raum N.1.42)

Liebe Kolleg:innen,

wir laden Sie herzlich zur Defensio von Helene Sorgner ein – we cordially invite you to the dissertation defense of Helene Sorgner:

Titel der Dissertation: „Reproducing Large Research Collaborations in Experimental High-Energy Physics: Between Collective Aims and Individual Needs“

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