Weiterbildungsseminar | Foto: pressmaster/Fotolia.com

Wie prekär ist die Weiterbildungsbranche in Kärnten?

Die (berufliche) Erwachsenenbildung zählt zu den Branchen, in denen der Anteil an freien Dienstverträgen und „Neuen Selbstständigen“ überdurchschnittlich hoch ist. Mit diesen atypischen Beschäftigungsformen gehen oft prekäre Arbeitsbedingungen wie fehlende soziale Absicherung, vergleichsweise schlechtere Entlohnung und/oder Befristungen einher. Robert Klinglmair und Florian Kandutsch untersuchten, welche Auswirkungen sich daraus für die Arbeits- und Lebensbedingungen im Weiterbildungssektor ergeben.

Im Zuge der Veränderung hin zu einer Dienstleistungs- bzw. Wissensgesellschaft wurden prägende Normarbeitsverhältnisse durch verschiedene Formen flexibler(er) Arbeitsarrangements abgelöst, die vielfach prekäre Tendenzen aufweisen. „Gemäß des Humankapitalansatzes kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass vor allem geringqualifizierte Menschen in atypischen Verhältnissen arbeiten und sich den damit einhergehenden Marginalisierungseffekten gegenübersehen. Gerade in der Weiterbildungsbranche handelt es sich aber meist um Hochqualifizierte, die ebenso vom Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft betroffen scheinen, von deren Lebensumständen wir jedoch sehr wenig wissen“, erläutert Studienleiter Robert Klinglmair. Die aktuelle Untersuchung soll die bestehende Datenlücke schließen und die Lebenslage der Erwerbstätigen näher beleuchten.

Mittels Online-Fragebogen haben Beschäftigte der größten Kärntner Bildungsträger wie BFI Kärnten, Kärntner Volkshochschulen und WIFI Kärnten an der Untersuchung teilgenommen. Generell zeigen die Ergebnisse, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen – vor allem bei den unselbstständig Beschäftigten – weniger prekär sind als ursprünglich angenommen und ein Großteil der Befragten mit ihrer beruflichen und privaten Situation zufrieden ist.

Zentral war es, die erhobenen Daten nach haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit zu trennen. „Für uns waren vor allem die hauptberuflichen ErwachsenenbildnerInnen wichtig, da diese Gruppe aussagekräftige Informationen zu den Bedingungen in der Weiterbildungsbranche liefert“, so Projektmitarbeiter Florian Kandutsch. „Rund 50 Prozent der Befragten arbeiten nebenberuflich in der Weiterbildung, d. h. es handelt sich bei ihrer Tätigkeit um einen Zuverdienst zu ihrem Hauptjob, über den sie sowohl sozial als auch finanziell abgesichert sind.“

Gerade bei den hauptberuflich Beschäftigten ergab die Studie allerdings deutliche Unterschiede zwischen Selbstständigen und Unselbstständigen. Bei den Fragen nach der Zufriedenheit mit Arbeitsplatzbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten, Einkommen und sozialer Absicherung sind selbstständige ArbeitnehmerInnen eher unzufrieden. Generell treffen arbeitsrechtliche Schutzbedingungen auf sie zumeist nicht zu, und so haben sie keinen Anspruch auf Urlaub, Arbeitslosengeld, Krankenstand oder Weiterbildungen während der Arbeitszeit. „Sie müssen eine hohe Planungsunsicherheit aushalten, weil Arbeitsverträge oft nur auf ein Jahr abgeschlossen werden. Ihnen fehlt häufig auch das Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl, das es in Unternehmen mit fixen Anstellungen gibt“, ergänzt Klinglmair. Das hat zur Folge, dass ihr Blick in die Zukunft pessimistischer ist als der ihrer unselbstständigen Kolleginnen und Kollegen.

für ad astra: Katharina Tischler-Banfield

 

Zu den Personen


Robert Klinglmair | Foto: aau/photo riccio

Robert Klinglmair ist seit September 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkswirtschaftslehre, wo er zu den Themen Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, Armut und soziale Ausgrenzung forscht. Derzeit arbeitet er an einem empirischen Projekt über die Financial Literacy der Kärntnerinnen und Kärntner.


Florian Kandutsch Portraitbild | Foto: Daniel Waschnig

Florian Kandutsch ist Doktorand und Projektmitarbeiter am Institut für Volkswirtschaftslehre, wo er aktuell am Forschungsprojekt über das Finanzwissen in Kärnten maßgeblich mitarbeitet.