Europa | Foto: Denys Rudyi/Fotolia.com

Wissenschaft und Kunst reflektieren europäisches Kulturerbe

Gibt es ein harmonisches europäisches Kulturerbe, oder ist es nicht im Gegenteil so, dass die europäische Kultur durch ihre Konflikte und historischen Brüche gekennzeichnet ist? Ist es möglich, festgefahrene Fronten zu überwinden, um zu einer europäischen Imagination zu kommen, in der Differenzen und Widersprüche selbstverständlicher Teil des Gemeinsamen sind? ForscherInnen und Kulturschaffende in neun europäischen Ländern gehen dieser Frage in einem EU-Horizon-2020-Projekt nach. Anfang Mai treffen sie sich in Klagenfurt zu einer Auftaktveranstaltung.

Die Frage, in welcher Weise mit offenen Wunden und heiklen Geschichtsereignissen in Europa umgegangen werden soll, ist nicht zuletzt aufgrund der gegenwärtigen politischen und ökonomischen Herausforderung hochaktuell. Damit beschäftigt sich das vom EU Programm Horizon 2020 geförderte Projekt „TRACES. Transmitting Contentious Cultural Heritages with the Arts – From Intervention to Co-Production“ an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec, das von Klaus Schönberger (Institut für Kulturanalyse) geleitet und koordiniert wird. Gemeinsam mit KünstlerInnen, Museen und Erinnerungsstätten erarbeiten Kultur- und SozialwissenschaftlerInnen in zehn Ländern einen Beitrag zur Frage, in welcher Weise Europäisierung sich vollziehen kann.

Konflikte um Erinnerung und problematische historische Ereignisse werden dabei nicht als Last verstanden, sondern als produktiver Ausgangspunkt einer neuen europäischen Imagination, die offen ist für das Andere und integrative Energien freisetzt. Dazu erklärt Schönberger:

„Europa wird ein Europa der Vielen oder es wird nicht sein. Nur über die Anerkennung von Verschiedenheit und die Verwirklichung einer umfassenden demokratischen Teilhabe für alle wird es funktionieren. Der Fokus auf ‚Contentious Cultural Heritages‘ bzw. ‚umstrittenes’ oder ‚belastetes’ Kulturerbe betont die Möglichkeit der mühseligen, aber auch fruchtbaren Aushandlung von widersprüchlichen, kontroversen und schmerzhaften historischen Erfahrungen. Ein Beispiel ist die Frage, wie mit problematischen Sammlungen in Museen wie etwa menschlichen Überresten umgegangen werden soll.“

Innovative ethnographisch-künstlerische Ansätze sollen breite Diskussionen über konfliktbeladenes Kulturerbe ermöglichen. KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, Kulturinstitutionen und Interessensgruppen werden drei Jahre lang in eigens entwickelten „Creative Co-Productions“ zusammenarbeiten. Sie untersuchen ausgewählte Fälle von konfliktbeladenem Kulturerbe und entwickeln neue Umgangsweisen im öffentlichen Raum, in Museen und Erinnerungsorten. Die Ergebnisse werden online sowie in Publikationen, Ausstellungen und Performances vorgestellt. Abschließend werden sie in einer Handreichung zur Vermittlung von konfliktbeladenem Kulturerbe aufbereitet, um die erarbeiteten Lösungsansätze und gemachten Erfahrungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Institut für Kulturanalyse richtet die öffentliche Auftaktveranstaltung am 9. Mai 2016 von 14:00-17:30 Uhr an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec aus.

Open Lecture mit Sharon Macdonald (Humboldt Unversität zu Berlin): „Tracing and redrawing the lines of difficult and contentious heritage“, Stiftungssaal der Kärntner Sparkasse, Universitätsstraße, 9. Mai, 19:30 Uhr.

Am Projekt TRACES sind elf Partner (Universitäten, KünstlerInnen und Kulturinstitutionen) aus zehn Ländern (Nordirland, Italien, Deutschland, Norwegen, Schweiz, Rumänien, Schottland, Polen, Slowenien und Österreich) beteiligt.

Folder und Projektbeschreibung zu TRACES

 

Weitere Informationen:
http://www.traces.polimi.it/
https://www.facebook.com/tracesproject/

Die Forschungsarbeiten sind dem Initiativschwerpunkt „Visuelle Kultur“ der AAU zugeordnet. Er ist einer von vier profilbildenden Forschungsschwerpunkten an der Alpen-Adria-Universität. Weitere Informationen dazu unter https://www.aau.at/forschung/forschungsprofil/forschungsschwerpunkte/.