Universität Klagenfurt war Austragungsstätte der 5. Internationalen Konferenz zu „Complexity in Innovation, Management, and Economics“ (CIME)

Am 7. und 8. Mai trafen sich 25 Forscher:innen aus 6 Ländern in Klagenfurt, um sich dem Thema Komplexität in wirtschaftlichen Kontexten zu widmen. Präsentiert wurden neue Modelle, Methoden und Instrumente für eine Welt, die von raschem Wandel geprägt ist.

„Jüngste Ereignisse, wie beispielsweise die weltweiten Unsicherheiten in Lieferketten infolge geopolitischer Spannungen, haben die Komplexität moderner Organisationen und des Umfelds, in dem sie agieren, deutlich vor Augen geführt. Heute stehen wir vor einer großen Anzahl von beispiellosen Herausforderungenvom Klimawandel bis zur digitalen Transformation. Damit ist auch der Bedarf dringender denn je, innovative und wirksame Lösungen zu finden, die der Komplexität aktueller Problemlagen gerecht werden“, so Stephan Leitner und Friederike Wall (Fachbereich Controlling und Strategische Unternehmensführung), die das insgesamt 19-köpfige Scientific Committee der Konferenz im Workshopformat leiten.

Neue Technologien zur massiven Datenerhebung würden neue Möglichkeiten bieten, komplexe Systemdynamiken mit Hilfe datengestützter Methoden zu messen und zu bewerten, erläutern Stephan Leitner und Friederike Wall weiter: „Mit neuen Tools lassen sich große Mengen an aussagekräftigen, hochwertigen und zuverlässigen Daten nahezu in Echtzeit erfassen. Sie ermöglichen dadurch- Messungen des Verhaltens von Einzelpersonen, Teams und Unternehmen und unterstützen Wissenschaftler bei der Analyse komplexer Systeme.“

Teil des Programms waren zwei Keynotes. Am Donnerstag sprach Fariba Karimi, Professorin für Social Data Science an der Technischen Universität Graz Leiterin der Forschungsgruppe zu Algorithmic Fairness am Complexity Science Hub. Fariba Karimi erhielt 2024 einen ERC Starting Grant zum Thema „Network Fairness“. Gerechtigkeit und soziale Ungleichheiten stellte sie auch in das Zentrum ihres Vortrags: „Strukturierte und wiederkehrende Muster ungleicher Verteilung von Wohlstand, Chancen und Belohnungen nehmen zu, und schnelle von oben verordnete Lösungen versagen. Strukturelle Ungleichheiten entstehen und entwickeln sich in komplexen, mehrdimensionalen sozialen Netzwerken. Mit dem Vormarsch von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen in Entscheidungsprozessen werden solche Ungleichheiten auf nichtlineare, komplexe Weise verstärkt und verschärft, die schwer zu verstehen und zu bekämpfen ist.“ In ihrem Vortrag diskutierte sie jene Ungleichheiten, die sich in komplexen Netzwerken und netzwerkbasierten Algorithmen manifestieren und bot Ansätze, wie wir durch computergestützte Modellierung Interventionen entwickeln können.

Die Keynote am Freitag kam von Matthias Raddant, Ökonom an der Universität Graz und am Complexity Science Hub Wien. Er widmete sich in seinem Vortrag den „Corporate Board Ties“, also den Verbindungen zwischen Unternehmen über gemeinsame Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder und der Vielfalt in Führungspositionen. „Vielfalt ist nicht nur als normatives Ziel von Bedeutung, sondern auch, weil sie mit einer verbesserten Entscheidungsfindung und Innovation einhergeht. Darüber hinaus ebnet sie den Weg für künftige Generationen, sich an Wirtschaft und Gesellschaft zu beteiligen und diese mitzugestalten. Die Vernetzung von Unternehmen und die Dynamiken, die die Einbindung unterrepräsentierter Gruppen in Führungspositionen bestimmen, sind jedoch noch unzureichend erforscht. Ebenso sind die Auswirkungen der Zusammensetzung von Vorständen auf die Unternehmensleistung, die Einhaltung von Diversitätsquoten und die Gestaltung interner Managementpraktiken – sowie die Interaktionen mit externen Partnern und Stakeholdern – noch nicht hinreichend geklärt“, so Matthias Raddant. Er zeigte in seinen Ausführungen, dass sowohl das Tempo der Diversifizierung auf Vorstandsebene als auch deren wirtschaftliche Folgen maßgeblich von der Position der Unternehmen und ihrer Vorstände innerhalb interorganisationaler Netzwerke abhängen.

Insgesamt gab es 19 Beiträge von Forschenden aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen.