Elise-Richter-Stipendium für die Anglistin Eva-Maria Graf

Klagenfurter Habilitation zur sprachlichen Analyse von Coaching erhält großzügige Förderung

Eva-Maria Graf gehört zu den rund zehn Frauen, die jährlich vom FWF mit einem Elise-Richter-Stipendium ausgestattet werden und sich für ein bis vier Jahre ausschließlich der Forschung widmen können. Durch diese spezielle Förderschiene nur für weiblichen Forschernachwuchs ist es hoch qualifizierten Frauen möglich, ihre Habilitation fertigzustellen, sodass sie sich im Anschluss auf eine Professur bewerben können.

Eva-Maria Graf ist gebürtige Deutsche und seit 2005 Assistenzprofessorin am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Hier hat sie den Bereich Pragmatik, also die Lehre von der Erforschung der menschlichen Kommunikation aufgebaut und ist nun seit Oktober 2009 in München, um sich den Forschungen für ihre Habilitation zu widmen. Dort hat sie nötigen Kontakte, um zu genügend Datenmaterial zu kommen, denn das ist das Um und Auf für ihre Forschung.

Ein aktuelles Thema
Das Thema ihrer Arbeit lautet: „The Discourse of (Business) Coaching. An Applied Linguistic Analysis“. Sie geht der Frage nach, wie die Kommunikation beim Coachen funktioniert. Eine linguistische Analyse soll klären, wie wird Coaching  in der Praxis-Literatur beschrieben, was passiert tatsächlich im Gespräch zwischen Coach und Coachee und welche kommunikativen Praktiken diese Art der professionellen Kommunikation charakterisieren. Weiteres Ziel der Arbeit ist das Herausarbeiten der Unterscheidung zwischen dem Diskurs im Coaching von benachbarten Diskurstypen wie Psychotherapiegespräche oder Beratungsgesprächen.

Unter Business-Coaching versteht man die professionelle Begleitung von Menschen in beruflichen Veränderungssituationen durch eine neutrale Person. Der Begriff „Coach“ stammt aus dem Englischen und bedeutet Kutsche. Das Ziel formuliert der Coachee, der Coach begleitet den Coachee auf dem Weg als neutraler „Reise“-Gefährte. „Coaching stellt ein junges aber stark boomendes Beratungsformat dar, gleichzeitig ist es aber noch keine Profession im eigentlichen Sinne. Der Coaching-Markt ist unübersichtlich, die wissenschaftliche Erforschung steckt in den Kinderschuhen. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht gab bzw. gibt es bislang keine Ergebnisse, und diese Lücke schließt meine Forschung“, erklärt Graf.

Aus der Praxis und im Verbund
Ohne Praxis ist diese Analyse nicht möglich. Graf wertet Video-Aufzeichnungen von ganzen Coaching-Prozessen aus: „Mir geht es von Anfang an darum, eng mit der Coaching-Praxis zusammenzuarbeiten, um relevante Ergebnisse zu generieren, die dann in der Praxis z. B. im Bereich der Professionalisierungsdebatte umgesetzt werden können.“

An ihrer Habilitation bzw. im Stipendium arbeitet Graf alleine. Sie hat allerdings letztes Jahr zusammen mit zwei anderen Sprachwissenschaftlerinnen aus München und aus Berlin  die transuniversitäre Forschungsgruppe LOCCS – The Linguistics of Coaching, Consulting and Supervision – gegründet. Sie widmen sich sprachwissenschaftlich Beratungsgesprächen  (www.lmu.de/loccs) und organisieren eben ein Symposium im Mai 2010 in München organisiert.

Das Elise-Richter-Programm des FWF ist benannt nach der Wienerin Elise Richter, die  1905 als erste Frau an der Universität Wien habilitierte, dort auch erste Universitätsprofessorin (Romanistik) war und 1943 im Ghetto Theresienstadt starb.

Kontakt
Dr. Eva Maria Graf
LOCCS   The Linguistics of
Coaching, Consulting &  Supervision
Ludwig Maximilians Universität München
Institut für Englische Philologie
80799 München
Tel. +49 89 36 036 111
Tel. +49 89 2180 2369 (Sekretariat)
www.loccs.lmu.de
eva maria.graf [at] loccs.lmu.de