Hannes Kazianka wurde „sub auspiciis Praesidentis“ promoviert

Dipl.-Ing. Dr. techn. Hannes Kazianka wurde am 4. März 2010 in Anwesenheit von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zum Doktor der Technischen Wissenschaften promoviert. Der gebürtige Villacher studierte Technische Mathematik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt mit ausgezeichnetem Erfolg und war zuletzt Projektassistent am hiesigen Institut für Statistik.

Seine Dissertation verfasste Kazianka zum Thema „Spatial Modeling and Interpolation Using Copulas“ bei Univ.-Prof. Jürgen Pilz. Die Arbeit beschreibt einen neuen Ansatz zur Bayes’schen räumlichen Modellierung und Interpolation, der Copula-Funktionen verwendet und somit die weit verbreitete Annahme der Normalverteilung  für die beobachteten Variablen umgeht. Durch diese Methode können Fragestellungen der Statistik für seltene, räumlich verteilte Ereignisse – wie extreme Niederschläge oder radioaktive Strahlung nach atomaren Unfällen – genauer beantwortet werden.

Sein Praxissemester verbrachte er bei CTR Carinthian Tech Research AG in Villach. Aus diesem ersten Ausflug in die angewandte Forschung stammt auch seine Diplomarbeit „Classification Techniques for Hyper-Spectral Medical Image Data“, die mit dem Förderpreis der österreichischen statistischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde.

Der 25-Jährige ist erst vor wenigen Wochen nach Wien gezogen, um seine beiden neuen Arbeitsstellen an der Technischen Universität Wien anzutreten: eine als Post-Doc-Assistent am Institut für Wirtschaftsmathematik und eine als Projektmitarbeiter im PRisMa (Portfolio Risk Management)-Labor, einer von der Christian Doppler Forschungsgesellschaft unterstützten Einrichtung.

Lob & kritische Worte
Kazianka selbst hält seine beständigen „sehr guten“ Prüfungsergebnisse „mehr für einen Zufall“. Vielmehr macht er das optimale Umfeld, in dem er Kindheit und Studium verbrachte, und besonders zwei Förderer dafür verantwortlich: seine Großmutter, bei der er  aufgewachsen ist, und sein Doktorvater Jürgen Pilz, der Kazianka schon früh auf die Statistik-Forschung  leitete und durch Konferenz-Besuche und Publikationsmöglichkeiten beständig förderte. Der mit einer Mathematikerin verheiratete Jungforscher hält zudem die Überschaubarkeit und gute Betreuung an der Uni Klagenfurt in den technischen Fächern für eine wesentlichen Grund, damit derartige Erfolge – die auch „ansteckend“ auf die Kolleginnen wirken – möglich sind.

In seiner Dankesrede betonte der Jungdoktor, dass allein geistiges Potenzial nicht genüge, um voranzukommen, es müssen auch das finanzielle Potenzial und die gesetzlichen Grundlagen stimmen. Noch sei der Brain Drain zu groß, und viele talentierte Jungwissenschaftler wandern ins Ausland ab oder geben eine Forschungskarriere gar ganz auf.

Sein Doktorvater Jürgen Pilz äußerte die Bitte an den Bundespräsidenten, sich weiterhin für hochschulpolitische Themen stark zu machen, diese seien überpolitisch zu behandeln.

Den massiven Verbesserungsbedarf im wissenschaftlichen Bereich sieht auch Bundespräsident Heinz Fischer: „Mit vereinten Kräften und im Interesse des ganzen Landes ist in Bildung, Forschung und Wissenschaft zu investieren, “ postulierte er deutlich und ergänzte aus aktuellem Anlass, dass über die Vorkommnisse während und nach dem 2. Weltkrieg Klarheit herrsche und gegen Leugnungen der Verbrechen des Nationalsozialismus   „eine Feuermauer zu errichten sei und nicht gesagt werden darf, ich weiß nichts darüber.“ Am so genannten Verbotsgesetz sei nicht zu rütteln, dieses sei klarer Teil des Grundkonsenses der 2. Republik.

Für Rektor Heinrich C. Mayr, der die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt als einen Ort von Bildung, Forschung, Service und politischen Diskurs  sieht, reiht sich diese Sub-auspiciis-Promotion ein in einen wahren Preisregen auf Klagenfurter WissenschaftlerInnen in jüngster Zeit. Er gratulierte dem Promovenden zu seiner exzellenten Leistung, zu der nicht nur erstklassige Noten, sondern auch der – erfolgte – Nachweis der guten Lebensführung gehöre.

Promotionen sub auspiciis Praesidentis
Doktortitelverleihungen in Anwesenheit des Bundespräsidenten sind eine österreichische Spezialität und stehen in der Tradition der in der Monarchie geübten Praxis der Auszeichnung der besten Studierenden im Beisein des Kaisers. Dieser eigene Festakt wird heute Studierenden zuteil, die all ihre Schul- und Studienabschlüsse mit Auszeichnung bzw. ausgezeichnetem Erfolg absolviert haben. In Österreich promovieren jährlich durchschnittlich 10 bis 15 Studierende „sub auspiciis“, rund 0,05 Prozent aller Promovenden. Fünf Personen ist es seit 1952 sogar gelungen, in jeweils zwei Fächern „sub auspiciis“ zu promovieren, eine davon ist Vera Hofer, die 2008 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ihren zweiten Ehrenring aus der Hand des Präsidenten in Empfang nehmen konnte.

 

Auskünfte:

Mag. Barbara Maier
Vizerektorat Forschung — Wissenstransfer
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