Altwerden | Foto: Halfpoint/Fotolia.com

Technik unterstützt Altwerden zuhause

Alt werden zuhause, das ist der Wunsch vieler. Verbunden ist der Wunsch häufig mit Herausforderungen in Bezug auf Sicherheit, Komfort und Kommunikation. Hier setzen Ambient-Assisted-Living-Technologien (AAL) an. An der AAU wurde dazu zuletzt das Projekt „Casa Vecchia“ abgeschlossen; neue Ideen werden nun konzipiert.

 

Am 1. Oktober ist der „UN-Welttag der älteren Generation“. Durch die demographische Entwicklung leben heute mehr denn je ältere Menschen – insbesondere am Land – alleine. Technische Mittel könnten die Seniorinnen und Senioren dabei unterstützen, zuhause alt werden und dabei trotzdem sicher und kommunikativ vernetzt mit den Verwandten leben zu können. Dazu wurde zuletzt am Institut für Informatik-Systeme das Projekt „Casa Vecchia“ umgesetzt.

In 23 unterschiedlichen Wohnumgebungen von allein oder als Paar lebenden SeniorInnen ist das System nun installiert und an die Bedürfnisse der BewohnerInnen angepasst. Eine der wichtigsten AAL-Funktionen ist für die ForscherInnen rund um Projektleiter Gerhard Leiter die Erhöhung der Sicherheit für Leib und Leben durch Aktivitätsanalyse bzw. die Analyse signifikanter Aktivitäts-Abweichungen. Im Alltag der Seniorinnen und Senioren bedeutet dies, dass in den teilnehmenden Haushalten pro Haushalt ca. acht Komponenten verbaut wurden, die über vier Jahre hinweg insgesamt rund 2,5 Millionen Aktivitätsdaten gesammelt haben. Das sind unter anderem das Einschalten des Herdes, das Vorbeigehen an einem Bewegungsmelder oder das Öffnen einer Tür. Leitner erklärt dazu: „Dies ergibt eine durchschnittliche Anzahl von vier Ereignissen pro Stunde. Wenn nun ein Bewohner nicht zur üblichen Zeit seinen Kaffee kocht, wird das System ‚hellhörig‘, schlägt bei weiteren Abweichungen Alarm und informiert die Angehörigen.“ Damit das System auch adäquat reagiert, werden entsprechende Auswertungsalgorithmen eingesetzt, die zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit einer Aktivität hinsichtlich Regelmäßigkeit, Tageszeit, gemeinsamen Auftretens mit anderen Ereignissen und Ähnliches analysieren. „Es braucht durch ein solches System aber niemand die Angst zu haben, permanent überwacht zu werden oder gewohnte Abläufe ändern zu müssen. Das System läuft gänzlich im Hintergrund, die Daten sind anonymisiert, verschlüsselt und nur einem eingeschränkten Personenkreis zugänglich“, so Leitner. Zeitungsmeldungen wie „Frau mehrere Tage hilflos in ihrer Wohnung“ könnten durch solche Systeme aber deutlich reduziert werden. Leitner hat seine Erkenntnisse unter anderem für die Entwicklung des Konzepts eines „Wise Home“ genutzt: Dieses Haus soll mit Weisheit agieren und die smarten bzw. intelligenten Technologien, die meist nicht wirklich „intelligent“ sind, ersetzen. Mitte Oktober erscheint dazu sein Buch mit dem Titel „The Future Home is Wise, Not Smart: A Human-Centric Perspective on Next Generation Domestic Technologies“ bei Springer.
In Casa Vecchia ging es unter anderem auch darum zu eruieren, ob eine Nachrüstung von Smart-Home-Komponenten in unterschiedlichen Wohnsituationen überhaupt möglich ist und ob diese sinnvoll eingesetzt werden können. „Diese Frage kann man eindeutig mit ‚ja‘ beantworten“, so Leitner. Dennoch bleibt es relativ aufwändig, solche Technologien nachzurüsten. „Die Technik muss auch besonders sensibel zum Einsatz gebracht werden, damit gewohnte Abläufe nicht verändert oder gestört werden.“ In diesem Sinne verfolgen die Forscherinnen und Forscher nun die Idee, die in den nächsten Jahren flächendeckend zum Einsatz kommenden „Smart Meter“ dafür nutzbar zu machen: „Intelligente Stromzähler sind quasi automatische ‚Aufzeichner‘ von Aktivität“, so Leitner. Damit könnte eine Technologie, die bei vielen Bedenken und Fragen der Sinnhaftigkeit auslöst, einen echten Mehrwert für ältere Menschen und deren Verwandte bzw. Versorger bringen.