Symposium „Selbstbestimmung als Utopie?“ vergleicht europäische Volksabstimmungen nach 1918

Wie ordnet man Staatsgrenzen nach einem Weltkrieg neu? Referenden über die künftige staatliche Zugehörigkeit in genau festgelegten Abstimmungsgebieten fanden 1920 nicht nur im Süden Kärntens statt (10. Oktober), sondern auch in Schleswig (Februar/März), in West- und Ostpreußen (Juli) sowie, im März 1921, in Oberschlesien. Das Symposium „Selbstbestimmung als Utopie?“ stellt am 7. Oktober 2020 einen europäischen Vergleich dieser Volksabstimmungen an.

Symposium
9:00 – 16:45 Uhr
Hörsaal 1
mit einer Opening Keynote
von Oliver Jens Schmitt (Präsident der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW)

Keynote und Podiumsdiskussion
18:00 – 20:30 Uhr
Hörsaal 1
Eröffnung: Landeshauptmann Peter Kaiser
Jörn Leonhard (Universität Freiburg im Breisgau)
„Der überforderte Frieden: Selbstbestimmung zwischen Erwartung und Erfahrung nach 1918“
darüber hinaus am Podium:
Jana Osterkamp (Universität München), Dieter Pohl (Universität Klagenfurt), Oliver Jens Schmitt (ÖAW und Universität Wien), Hellwig Valentin (Universität Graz), Moderation: Reinhard Stauber (Universität Klagenfurt)

„Wir wollen die Abstimmungen in das komplexe Panorama europäischer Staatsbildungsprozesse in der kritischen Nachkriegsphase von 1918/20 einordnen“, erklärt Reinhard Stauber, Professor am Institut für Geschichte und Kurator des Symposiums. Darüber hinaus sollen in Keynotes und Diskussionen weiter gespannte Problemlagen erörtert werden, die zur Entwicklung zu einem „Langen Ersten Weltkrieg“ beitrugen. Dazu gehört, im globalen Kontext, die Bedeutung des „Wilsonian Moment“, der als Entwurf für eine neue Weltordnung auf Basis des Selbstbestimmungsrechts der Völker verstanden werden konnte. Die Forderungen kolonialer Gebiete nach politischer Souveränität im selbstbestimmten Nationalstaat aber scheiterten nicht nur, sondern die imperialen Mächte Großbritannien und Frankreich vergrößerten ihre Einflusszonen über die so genannten „Mandatsgebiete“ des Völkerbundes nochmals beträchtlich.

Reinhard Stauber zieht das Fazit: „So blieb das Recht freier Selbstbestimmung für alle Völker letztlich eine Utopie – in Europa selbst wie auch im Machtbereich der europäischen Siegermächte. Der Friede von 1919 erwies sich binnen kurzem als ‚überfordert‘ (Jörn Leonhard), als ein Kompromiss, mit dem bald alle haderten. Statt einer neuen, friedlichen Weltordnung entstanden Instabilität und Konflikträume, die bis heute nachwirken.“

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe Utopia! Ist die Welt aus den Fugen? Beiträge zur Kunst der Aufklärung (veranstaltet von der Universität Klagenfurt gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften). Sie wird unterstützt von „CARINTHIja2020. 100 Jahre Kärntner Volksabstimmung. Ein Land in Zeitreisen und Perspektiven“.

Das aktuelle Programm ist unter www.aau.at/selbstbestimmung-als-utopie abrufbar. Die Anmeldung zur Veranstaltung (unter diesem Link) ist unbedingt erforderlich, da durch die gültigen Abstandsregeln nur begrenzte Kapazitäten im Hörsaal bereitgestellt werden können.

Teile der Veranstaltung werden aufgezeichnet und danach unter www.aau.at/selbstbestimmung-als-utopie veröffentlicht.