Stellungnahme zum Polizeieinsatz am Peršmanhof am 27. Juli 2025
Stellungnahme zum Polizeieinsatz am Peršmanhof am 27. Juli 2025
Angehörige der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Vom 24. bis zum 29. Juli 2025 fand das zweite Antifaschistische Jugendcamp am Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla in Kärnten/Koroška statt, das vom KSŠŠD (Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju / Klub slowenischer Student*innen in Wien) mit Unterstützung des Muzej/Museum Peršman ausgerichtet wurde. Thema des Bildungscamps waren autoritäre Regime und die damit verbundenen Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse. Die Organisator*innen waren laut Homepage bemüht, „das Camp zu einem sicheren Ort zu machen, an dem sich jede*r, unabhängig von Gender, Sexualität, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Fähigkeiten, wohl willkommen und respektiert fühlen kann.“ Insgesamt trafen sich rund 60 Personen am Peršmanhof in Koprein-Petzen/Koprivna-Peca, um während der sechs Tage vor Ort miteinander zu lernen und diskutieren. Das Camp konnte im Jahr 2024 erstmals durchgeführt werden und es wurden keine Auffälligkeiten gemeldet.
Der Peršmanhof eignet sich besonders gut, da sich mit dem Muzej/Museum Peršman ein Gedenk- und Lernort auf dem Gelände befindet, der sich mit der Tragödie eines der letzten nationalsozialistischen Kriegsverbrechen auseinandersetzt und darüber hinaus aktuellen Bildungsfragen und Möglichkeiten eines demokratischen Miteinanders widmet. Der Peršmanhof ist ein Gedenkort an die nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung von Angehörigen der kärntner-slowenischen Bevölkerung und den Partisan*innenwiderstand gegen die NS-Herrschaft und zugleich ein Lernort für aktive historisch-politische Bildungsarbeit.
Laut Aussendung der Landespolizeidirektion kontrollierten am 27. Juli drei Polizeistreifen die Teilnehmer*innen, da der Verdacht auf verschiedene Verwaltungsübertretungen bestand. Diese Kontrolle wurde von Vertreter*innen der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt und des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl begleitet. Welche Verdachtsmomente für den eigentlichen Einsatz vorlagen und warum die Kontrolle begleitet wurde, gibt die LPD Kärnten nicht bekannt. Da eine Identitätsfeststellung von Teilnehmer*innen (nicht jedoch von den Organisator*innen) zunächst verweigert wurde, „wurden vorsorglich weitere Polizeikräfte zur Unterstützung angefordert“ (vgl. Presseaussendung der Polizei Kärnten). Betroffene Teilnehmer*innen berichteten der Kleinen Zeitung, dass beim Polizeieinsatz über 30 – teils schwer bewaffnete – Polizeikräfte, die Sondereinheit Cobra, eine Polizeihundestaffel, ein Hubschrauber sowie Drohnen im Einsatz gewesen seien, die das Gebiet überflogen.
Als Angehörige der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt schließen wir uns den bereits veröffentlichten Stellungnahmen zivilgesellschaftlicher, erinnerungskultureller und wissenschaftlicher Organisationen ausdrücklich an und unterstützen die darin geäußerte Kritik am Polizeieinsatz vom 27. Juli 2025.
Der Einsatz gegen das antifaschistische Jugendcamp am Peršmanhof wirft grundlegende Fragen auf, die über das unmittelbare Verwaltungshandeln hinausreichen. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Autorität und zivilgesellschaftlichem Engagement – insbesondere im Kontext historischer Verantwortung und demokratischer Erinnerungskultur.
Dass dieser Ort Ziel eines massiven Polizeieinsatzes wurde, zeugt von mangelnder historischer Sensibilität und grober Unverhältnismäßigkeit: Es ist „unverhältnismäßig, respektlos und retraumatisierend“ (Bernard Sadovnik). Wie die Mitorganisatorin des Bildungscamps, Meta Vouk, betonte, ist ein solch unsensibles Vorgehen gerade vor diesem Hintergrund eine generationsübergreifende Retraumatisierung für die Anwesenden vor Ort bzw. die Nachkommen des Massakers sowie von Deportierten in Kärnten/Koroška.
Alina Zeichen, UNIKUM: „Als Enkelin einer deportierten Kärntner Slowenin bin ich zutiefst entsetzt. Wenn nicht mal mehr der Peršmanhof ein sicherer Ort ist und in der Art Staatsgewalt ausgeübt werden kann, dann frag ich mich, ob die Bemühungen zur Versöhnung von Seiten des Landes nur noch Lippenbekenntnisse sind.“
Wir solidarisieren uns vollumfänglich mit dem Društvo/Verein Peršman, dem KSŠŠD – Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju/ Klub slowenischer Student*innen in Wien –, dem Verband der Kärntner Partisanen / Zveza koroških partizanov sowie allen Teilnehmenden des Camps. Diese Gedenkstätte ist ein Ort der Erinnerung, der Forschung sowie der antifaschistischen und historisch-politischen Bildungsarbeit.
Wir fordern daher eine umfassende rechtliche und politische Aufarbeitung des Einsatzes vom 27.07.2025 am Peršmanhof und eine öffentlich geführte Auseinandersetzung über die Rolle und Vorgehensweise der Exekutive in erinnerungskulturellen Bildungskontexten. Dies ist insbesondere auch wichtig, um Spekulationen und einer Mythenbildung entgegenzuwirken. Staatliches Handeln in einer pluralen Demokratie bemisst sich nicht allein an formaler Legalität, sondern auch an historischer Verantwortung und dem sensiblen Umgang mit Erinnerungsorten, die die NS-Zeit kritisch beleuchten und aufarbeiten.
Erstunterzeichner*innen in alphabetischer Reihenfolge (Stand: 29.07.2025):
Lukas Baumann, Cristina Beretta, Sara Blumenthal, Reinhard Bodner, Anke Bosse, Priska Buchner, Claudia Brunner, Irene Cennamo, Jasmin Donlic, Jasmina Deljanin-Hudelist, Ursula Doleschal, Brigitte Entner, Angela Fabris, Tamás Jules Fütty, Jennifer Gabel de Aguirre, Patricia Geier, Anna Gliesche, Judith Glück, Konstantin Hitz, Martin Hitz, Ute Holfelder, Andreas Hudelist, Monika Kastner, Ernst Kočnik, Nadja Kramer, Ulrike Krieg-Holz, Armin Lippitz, Martina Meidl, Kirstin Mertlitsch, Ingrid Müller-Brazell, Hajnalka Nagy, Jörg-Uwe Nieland, Klaus Ottomeyer, Alice Pechriggl, Ada Pellert, Hans Karl Peterlini, Marika Pierdicca, Peter Pirker, Viktorija Ratković, Gudrun Ratzinger, René Reinhold Schallegger, Janine Schemmer, Rosemarie Schöffmann, Klaus Schönberger, Erich Schwarz, Alexandra Schwell, Blake Shedd, Marion Sigot, Georg Streißgürtl, Dominik Srienc, Peter Svetina, Michaela Szölgyenyi, Nadine Thaler, Guido Tiemann, Martina Tritthart, Agnes Turner, Oliver Vitouch, Martin G. Weiß, Angelika Wiegele, Matthias Wieser, Werner Wintersteiner, Alina Zeichen, Lydia Zellacher
Weitere Unterzeichner*innen (ab dem 30.07.2025), in alphabetischer Reihenfolge:
Klaus Amann, Sylke Andreas, Eva Beichler, Matthias Beitl, Gertraud Benke, Marie Biedermann, Artur R. Boelderl, Marta Degani, Yvonne Deana, Christian Dayé, Katja Čičigoj, Johann Eder, Marion Eichberger, Wilfried Elmenreich, Vanessa Erat, Mareike Ernst, Ursula Esterl, Wolfgang Faber, Janko Ferk, August Fenk, Gertraud Fenk-Oczlon, Karoline Feyertag, Pia Floredo, Elisabeth Frei, Christian Fritz, Cristina Gavagnin, Raphaela Gischa, Michaela Gindl, Georg Gombos, Sonja Grabner-Kräuter, Eva-Maria Graf, Helmut Guggenberger, Greta Gutweniger, Maja Haderlap, Thomas Hainscho, Ulrich Peter Hagg, Markus Hayden, Doris Hattenberger, Robin Enua Hauser, Bernhard Hemetsberger, Christian Herzog, Petra Hesse, Brigitte Hipfl, Nina Hofbauer, Michael Hofbaur, Christoph Hubatschke, Veronika Hyden-Hanscho, Utta Isop, Daria Jadreškić, Monika Jaritz, Andreas Jeitler, Barbara Kaltenbacher, Matthias Karmasin, Jasamin Kashanipour, Nicole Kilzer, Katharina Kinder-Kurlanda, Helge Kminek, David Kollosche, Nina Kompein, Nina Korff, Konrad Krainer, Ewald Krainz, Karl-Hannes Krenner, Juliana Krohn, Jakob Kräftner, Primus-Heinz Kucher, Julius Köpke, Verena Kumpusch, Felicitas Kübler, Victoria Lammer, Dietmar Larcher, Daniela Lehner, Barbara Lechner, Gerhard Leitner, Elmar Lenhart, Ruth Lerchster, Margot Leruste, Monia Letizia, Tina Lengar Verovnik, Julia Malik, Markus Maier, Cornelia Malojer, Milica Marković, Luca Melchior, Martina Merz, Carmen Mertlitsch, Marco Messier, Willi More, Raffaela Mori, Doris Moser, Ricarda Motschilnig, Miriam Mölčnik, Regina Mörtl, Magdalena Mühlböck, Katarina Nebelin, Irene Nierhaus, Thomas Neumann, Herwig Oberlerchner, Bernhard Oberegger, Alexander Onysko, Stephanie Ottitsch, Jasmin Otto, Nataša Ottowitz, Samuel Paul, Roland Peball, Werner Peschek, Leonie Pöhlchen, Sandra Pretis, David Rackl, Gioul Rabaeva, Helga Rabenstein, Franz Rauch, Katharina Richter-Kovarik, Lisa Rieger, Klaus Georg Riepan, Roswitha Rissner, Xenia Julia Rohrbach, Ingrid Salem, Christoph Sagmeister, Waltraud Sawczak, Karoline Schandl Ramalho, Angelika Schneider, Patricia Schober, Isabella Schlehaider, Andreas Scherpf, Tom Schmid, Viktoria Schwab, Helene Sorgner, Stephan Sting, Christian Stadelmann, Jan Steinbrener, Koboltsching Stefanie, Jürgen Struger, Eva-Maria Trinkaus, Tamara Urach, Monika Volc, Vladimir Wakounig, Ulrike Wallenko, Heimo Wallenko, Jasmin Weiss-Urank, Malgorzata Anna Wdowiak, Michael Wieser, Alexandra Wissiak, Rudolf Winkler, Felicia Winter, Rainer Winter, Cindy Wrann, Corinna Zaminer










Daniel Waschnig

