Playmobil Schule | Foto: aau/Tischler-Banfield

Schulcluster: Ressourcen gemeinsam nutzen

Ein gerechtes und leistungsfähiges Bildungssystem muss Infrastrukturen entwickeln und aufrechterhalten, die sowohl am Land als auch in der Stadt allen SchülerInnen ein ausreichendes Angebot und Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglichen. Das österreichische Bildungswesen bietet seit kurzem die Möglichkeit zur Clusterbildung. Vorgesehen ist die Förderung der zumeist freiwilligen Zusammenarbeit und der Ressourcenteilung von Anbietern vorwiegend kleinerer Bildungsinstitutionen, ohne dabei die Anzahl und Größe der beteiligten Schuleinrichtungen zu verringern.

Im Bildungsreformpaket 2017 wurde der Begriff der Schulcluster eingeführt, der die Zusammenführung von zwei bis maximal acht Schulen in benachbarter Lage zu Pflichtschul-, Bundesschul- oder Mischclustern vorsieht. Die Gesamtschülerzahl soll zwischen 200 und 2.500 liegen. Ein Kapitel im heute vorgestellten Nationalen Bildungsbericht beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken der Schulcluster als einer Alternative zur mitunter praktizierten Schließung von Schulen. Chancen bietet die Einrichtung von Schulclustern im Sinne der Erweiterung eines höherwertigen wie umfassenderen Lernangebots für SchülerInnen, die neben einer gemeinsamen Nutzung von Lernmaterialien, Räumlichkeiten (Chemielabor, Turnhalle), auch den Rückgriff auf die besondere fachdidaktische Expertise einzelner Lehrkräfte beinhaltet, die künftig mehreren Schulen zugutekommen soll. Hierzu laufen seit Kurzem erste Pilotversuche.

Stefan Brauckmann, Lorenz Lassnigg, Herbert Altrichter, Markus Juranek und Dana Tegge haben für den Nationalen Bildungsbericht, der heute vorgestellt wird, diese neuen strukturellen Möglichkeiten unter die Lupe genommen und mit SchulleiterInnen sowie Personen aus der Schulaufsicht Interviews geführt. Stefan Brauckmann (Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung) sieht vor allem Herausforderungen in der Leitung solcher Schulcluster: „Das Management solcher Zusammenschlüsse von Schulen unter einer Clusterleitung macht neue Anforderungsprofile für das pädagogische und administrative Führungspersonal erforderlich.“ Für Brauckmann brauche es hier einen Perspektivenwechselwechsel, damit eine faire wie transparente Verteilung der Mittel zum Wohle aller SchülerInnen in den Clusterschulen erzielt werden kann und daher auch alle profitieren: „Nicht ich und mein Schule, sondern wir und unser Schulcluster.“

„Eine besondere Bedeutung kommt bei dieser Neuverteilung pädagogisch/administrativer Verantwortung der Auswahl und Vorbereitung der Clusterleitung zu, bildet sie doch die strategische Führungsspitze der Schulcluster, muss dabei neben einer reibungslosen Informationsvermittlung um den Ausgleich von zentralen und einzelschulischen Interessenslagen bemüht sein und ferner für die bestmögliche schulübergreifende Kombination von Lern- wie Lehrkapazitäten sorgen“, erläutert Stefan Brauckmann.

„Bei dieser umfassenden Reorganisation und damit einhergehenden, gestiegenen Führungsverantwortung bedarf es der Unterstützung der Clusterleitungen durch die Kommunen. Dies betrifft etwa Fragen der Mobilität(sbereitschaft) von SchülerInnen und LehrerInnen zwischen den Standorten und die damit etwaige verbundene zeitliche Mehrbelastung. Ebenso müssen die Eltern frühzeitig einbezogen werden, denen der pädagogische Mehrwert eines Schulclusters im Vorfeld einsichtig sein muss“, führt Stefan Brauckmann aus.

Viel hänge nun davon ab, wie die Vorbereitungsarbeiten für die Ausrollung des Konzepts der Schulcluster laufen, denn, so Brauckmann weiter: „Für die Einrichtung der Schulcluster braucht es eine klare Vision und Kriterien, die nachvollziehbar machen, warum sich Schulen zu einem Cluster gruppieren.“

Brauckmann, S., Lassnigg, L., Altrichter, H., Juranek, M. & Tegge, D. (2019). Zur Einführung von Schulclustern im österreichischen Bildungssystem – theoretische und praktische Implikationen. In S. Breit, F. Eder, K. Krainer, C. Schreiner, A. Seel & C. Spiel (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2018, Band 2: Fokussierte Analysen und Zukunftsperspektiven für das Bildungswesen (S. 363–402). Graz: Leykam. http://doi.org/10.17888/nbb2018-2-9 (Der Nationale Bildungsbericht ist online unter https://www.bifie.at/nbb2018/)