Recht, das Leben berührt: Verena Hutter erforscht das Krankenanstaltenrecht

Rechtliche Fragen, die in der wissenschaftlichen Analyse ebenso spannend sind wie in der Praxis, und die auf beiden Ebenen viel bewirken können – diese interessieren die Juristin Verena Hutter besonders. Aktuell forscht sie im Rahmen ihrer Dissertation insbesondere zum Krankenanstaltenrecht, einem komplexen Feld, das im Spannungsfeld verschiedener Gesetzgeber für Verena Hutter bedeutsame Folgen für die Patienten und deren Versorgung hat.

„Das Gesetz ist immer unser erster Anhaltspunkt. Von diesen – oft wenigen – Zeilen ausgehend arbeiten wir in der Rechtswissenschaft an einer Interpretation bzw. Auslegung des Gesetzes. Für die Auslegung der Gesetze stehen uns verschiedene Methoden zur Verfügung. Stellt sich zum Beispiel die Frage, was der Gesetzgeber mit einer Regelung beabsichtigt hat, können für die Beantwortung etwa die Ausführungen in den Gesetzesmaterialien relevant sein“, erklärt Verena Hutter, Universitätsassistentin und Doktorandin am Institut für Rechtswissenschaften. Besonders spannend werde ihre wissenschaftliche Arbeit, wenn „unerforschte“ rechtliche Fragestellungen auftauchen.

Verena Hutter arbeitet am Institut für Rechtswissenschaften im Fachbereich Öffentliches Recht, der von Gerhard Baumgartner, Professor für Öffentliches Recht, geleitet wird. Dabei war sie zuletzt im Rahmen eines Forschungsprojekts zu Familienunternehmen tätig, wie sie erklärt: „In Österreich sind – je nachdem, welche Definition man zugrunde legt – rund zwei Drittel bis 90 Prozent aller Unternehmen Familienunternehmen. Ich habe im Rahmen des Projekts unter anderem untersucht, wie sich die ‚Nachhaltigkeitsgesetzgebung‘ auf Familienunternehmen auswirkt.“

Ihre Dissertation widmet Verena Hutter einem anderen Thema: dem Krankenanstaltenrecht. Wenn es um Krankenanstalten geht, wird das Recht schnell kompliziert, denn die Zuständigkeit zur Gesetzgebung ist auf Bund und Länder aufgeteilt. „Aus diesem Grund ist die rechtliche Lage schwer überschaubar und bringt auch immer wieder komplexe Denkaufgaben mit sich.“ Konkret fokussiert Verena Hutter auf die Medikamentenversorgung in Krankenanstalten. Dieser Themenbereich sei besonders interessant, weil rechtlich vorgesehen ist, dass grundsätzlich jede:r Patient:in eine Behandlung nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erhalten müsse. Der Einsatz von innovativen Medikamenten würde dennoch immer wieder Fragen aufwerfen. So stellt sich etwa die Frage, inwiefern finanzielle Erwägungen in die medizinische Behandlung mit einfließen dürfen? Verena Hutter erläutert dazu: „Das Thema ist im österreichischen Gesundheitswesen ein sehr aktuelles und viel diskutiertes. Schließlich hat man mit der jüngsten Gesundheitsreform auf Bundesebene ein Bewertungsboard geschaffen, das eine einheitliche Versorgung mit Medikamenten gewährleisten soll. Die Regelungen zum Bewertungsboard werfen einige spannende rechtliche Fragen auf, mit denen ich mich in meiner Forschung näher auseinandersetze.“

An dieser Aufgabe schätzt Verena Hutter besonders, dass das Recht in diesem Fall eine so unmittelbare und auch existenzielle Auswirkung auf das Leben von Menschen hat. Ihre Begeisterung für das Recht hat Verena Hutter schon während ihrer Schulzeit entdeckt: „Die Fächer Geschichte und Latein bildeten den Einstieg. Mich haben aber auch schon immer politische Diskussionen interessiert, die schließlich in konkrete rechtliche Regelungen münden und so das Zusammenleben strukturieren. Da es nach meinem Schulabschluss – anders als heute – noch keine Möglichkeit gab, in Klagenfurt Jus zu studieren, habe ich mich für ein Jus-Studium in Graz entschieden. Meine Studienwahl habe ich bis heute nicht bereut.“

Gefragt danach, welche Charakteristika man mitbringen müsse, um in den Rechtswissenschaften erfolgreich zu sein, erklärt Verena Hutter: „Die Sprache ist ein wichtiger Baustein. Sie schließt Sachverhalte aus und ein – dementsprechend sorgfältig müssen wir damit umgehen. Außerdem braucht man auch Durchhaltevermögen sowie Freude am systematischen Denken.“

Auf ein paar Worte mit … Verena Hutter



Wann haben Sie zuletzt mit jemandem außerhalb der Wissenschaft über Ihre Forschung gesprochen?
Zuletzt habe ich mich mit einer Freundin bei einer Tasse Kaffee darüber unterhalten, an welchen Themen ich derzeit arbeite und welche Fragen mich momentan beschäftigen. Aus diesen Gesprächen ergeben sich oftmals interessante Ansätze.

Was machen Sie im Büro morgens als Erstes?
Computer einschalten, E-Mails checken, kurz mit meiner Kollegin austauschen und dann mit den Arbeitsaufgaben beginnen.

Was bringt Sie in Rage?
Ungerechtigkeit, Unzuverlässigkeit und respektloses Verhalten.

Und was beruhigt Sie?
Ein Spaziergang in der Natur.

Wovor fürchten Sie sich?
Vor giftigen Tieren.

Worauf freuen Sie sich?
Auf die bevorstehende Weihnachtszeit und die gemütlichen Stunden mit Familie und Freunden.