Psychotherapie | Foto: photographee.eu/Fotolia.com

Neues Forschungsprojekt: Was passiert zwischen den Psychotherapiestunden?

Eine Psychotherapiestunde dauert in der Regel 50 Minuten und findet häufig einmal in der Woche statt. Die Psychotherapieforschung vermutet, dass zwischen den Therapiesitzungen relevante Prozesse ablaufen. Diese möchte nun ein Forschungsteam rund um Professorin Sylke Andreas und Doktorand Thorsten-Christian Gablonski, gefördert vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, untersuchen und darauf basierend eine App entwickeln, die die so genannten Intersession-Prozesse erhebt, kontrolliert und fördert.

„Rechnet man die tatsächliche Therapiezeit gegen die durchschnittliche Wachzeit auf, so zeigt sich, dass die Therapiezeit nur einen sehr geringen Anteil hat“, so Projektleiterin Sylke Andreas (Institut für Psychologie). Aktuelle Forschungen zu den sogenannten „Intersessions-Prozessen“ lassen vermuten, dass sich eine intensivere Beschäftigung mit der Zeit zwischen den Psychotherapiestunden lohnen könnte. Der Begriff wurde von den Psychotherapieforschern David E. Orlinsky und Jesse D. Geller geprägt und beschreibt die Verarbeitung der Therapie und deren Inhalten zwischen den einzelnen Therapiesitzungen sowie alle spontanen und intentionalen Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Phantasien über die Therapie und den oder die TherapeutIn.

Diese „Zwischensitzungsprozesse“ sind, so zeigen bisherige Studien, mit dem Behandlungserfolg und der therapeutischen Beziehung assoziiert. Sylke Andreas führt zu den Zielen des nun startenden Projekts aus: „Wir wollen zunächst den genauen Zusammenhang zwischen den in der Therapiestunde ablaufenden Prozessen und den darauffolgenden Intersession-Prozessen untersuchen, um Interaktions-Muster zu identifizieren, die Hinweise auf die Förderung bzw. Hemmung der Intersession-Prozesse geben können.“

Aufbauend darauf will das Team eine App entwickeln, welche die Intersession-Prozesse der Patientinnen und Patienten erhebt, kontrolliert und fördert. Thorsten-Christian Gablonski stellt in Aussicht: „Die App soll auch als Mentoring-Funktion für die Therapeutinnen und Therapeuten verwendet werden können. Mit ihrer Hilfe soll es gelingen, die Intersession-Prozesse ökonomisch und einfach im psychotherapeutischen Prozess einzubinden, um so die Therapie und vor allem das Behandlungsergebnis zu optimieren.“ Da das Projekt eine Laufzeit von 3 Jahren beansprucht, kann ab 2019 mit den ersten Ergebnissen gerechnet werden.