Mit Begeisterung in der Steuerlehre
Stefanie Werkl hat schon früh in ihrem Studium bemerkt, dass es ihr Freude bereitet, in die komplexe Welt der Steuerlehre einzutauchen. Als Postdoc-Forschende beschäftigt sie sich derzeit mit den aktuellen steuerlichen Entwicklungen im Umfeld von Digitalisierung und Internationalisierung.
„Steuern sind allgegenwärtig. Jede und jeder ist tagtäglich mit Steuern konfrontiert“, startet Stefanie Werkl, Postdoc-Assistentin an der Abteilung für Betriebliches Finanz- und Steuerwesen ins Gespräch. Es sei dementsprechend gar nicht so schwierig, ihr Fachgebiet außerhalb der Community in Forschung und Praxis in den Grundzügen näher zu bringen. Danach gefragt, ob sie aber nachvollziehen kann, dass das Steuerrecht für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, erklärt sie: „Es ist verständlich, dass die Komplexität, die dieses Thema mit sich bringt, Menschen, die mit diesem Bereich wenig zu tun haben, überfordern kann. Sie ist aber meist unumgänglich, weil hier mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden: Der Staat will einerseits Einnahmen sichern, andererseits aber auch das Verhalten lenken und soziale Gerechtigkeit wahren. Dass das Steuerrecht – wie in politischen Debatten gerne postuliert – so einfach gestaltet werden könne bzw. müsse, dass es „auf eine Serviette passt“, hält Stefanie Werkl für nicht ganz ernst zu nehmendes Wunschdenken: „Alleine die Entwicklung der letzten 200 Jahre – das Einsetzen des Welthandels, das Wachsen der Weltwirtschaft, die Globalisierung usw. – haben wie ein „Turbo“ für die Weiterentwicklung des Steuerwesens gewirkt. Heute befinden wir uns im digitalen Zeitalter – neue Geschäftsmodelle, oft auch mit internationalem Kontext, boomen und haben die Komplexität steuerrechtlicher Fragen enorm angehoben. Eine Vereinfachung oder Reduzierung steuerrechtlicher Regelungen wäre in Anbetracht der historischen Erfahrungen und der rasanten Entwicklung in diesem Bereich eher unwahrscheinlich.“
Stefanie Werkl selbst interessierte sich schon während ihrer Schulzeit in der Handelsakademie Völkermarkt dafür, wie Geschäftsfälle strukturiert und systematisch im Rechnungswesen dargestellt werden können. Auf diese Faszination konnte sie dann im Studium aufbauen: „Besonders beeindruckt hat mich die Fähigkeit meiner damaligen Professorin, in deren Team ich nun mitarbeite, Institutsvorständin Sabine Kanduth-Kristen, hoch komplexe steuerliche Zusammenhänge verständlich und mit einer gewinnenden Leichtigkeit den Studierenden in den Lehrveranstaltungen näherzubringen.“ Als sich dann nach dem Studienabschluss an der AAU die Gelegenheit auftat, an der Universität im wissenschaftlichen Bereich – noch dazu bei Sabine Kanduth-Kristen – zu arbeiten, packte Stefanie Werkl diese beim Schopf: „Ich wusste damals sofort, diese Chance würde sich mir nur einmal bieten und ich würde es mir später nicht verzeihen können, sie nicht ergriffen zu haben. Deshalb habe ich mich mit Überzeugung dafür entschieden. Ob ich zu einem späteren Zeitpunkt noch die Ausbildung zur Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin abschließe und wieder zurück in die Praxis kehre, lasse ich mir offen.“
An der Abteilung für Betriebliches Finanz- und Steuerwesen stehen die Wirkungen von Steuern auf das betriebliche Geschehen im Zentrum. Konkret arbeiten Stefanie Werkl und ihre Kolleg:innen häufig mit aktuellen Gesetzesentwürfen oder Regierungsvorlagen, unter anderem im Rahmen von Begutachtungen, und versuchen – oft unter Zeitdruck – kritisch zu analysieren, welche Vor- und Nachteile sich aus geplanten gesetzlichen Änderungen ergeben und wie sich diese auf Betriebe auswirken würden: „Unsere Anregungen basieren häufig auf rechnerischen Vorteilhaftigkeitsüberlegungen, die aufzeigen sollen, was die gesetzlichen Änderungen für Betriebe konkret bedeuten würden.“ Im Idealfall sei es nämlich so, dass Unternehmen nicht erst nach Ablauf des Steuerjahres nach dem Optimum des Machbaren suchen, sondern bereits im Vorfeld steuerlich sinnvolle Entscheidungen treffen können.
Die hohe Zahl von Neuerungen, die es alljährlich im Steuerwesen gibt, prägt auch die Lehrtätigkeit von Stefanie Werkl: „Wir haben einen hohen Aufwand bei der Vorbereitung unserer Lehrveranstaltungen, weil wir unsere Inhalte jedes Jahr aktuell halten und anpassen müssen. Das tagespolitische Geschehen beeinflusst die Gesetzgebung – und in der Folge auch, was wir unseren Studierenden lehren.“ Ein Großteil der Arbeitszeit fließt derzeit in ihre Lehrveranstaltungen; für die Forschung bleibt für ihren Geschmack oft zu wenig Zeit. Da Stefanie Werkl als Mutter dreier kleiner Kinder sich dafür entschieden hat, in Teilzeit zu arbeiten, ist ihr Terminkalender eng getaktet: „Die Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Aufgaben ist zusätzlich eine große Herausforderung. Ich bin aber sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe, diese Stelle in Teilzeit auszuführen. Es ist mir besonders wichtig, meinen Kindern – insbesondere meinen Töchtern – zu zeigen: Es ist eines der schönsten Dinge im Leben, Mutter zu sein und eine Familie zu haben, und man muss deshalb dennoch nicht ganz auf seine berufliche Weiterentwicklung, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit verzichten – ich empfinde es als Privileg, welches insbesondere Frauen aus vorangegangenen Generationen im Regelfall nicht hatten.“
Auf ein paar Worte mit … Stefanie Werkl
Wann haben Sie zuletzt mit jemandem außerhalb der Wissenschaft über Ihre Forschung gesprochen?
Heute Morgen mit meinem Mann.
Was machen Sie im Büro morgens als Erstes?
Ganz ehrlich – ich hole mir einen Kaffee.
Wer ist für Sie die größte Wissenschaftler:in der Geschichte und warum?
„Die“ Wissenschaft teilt sich bekanntlich in unterschiedliche Bereiche und jeder Teilbereich hat im Laufe der Geschichte Höhepunkte und Meilensteine, bahnbrechende Erfindungen und revolutionäre Errungenschaft hervorgebracht, hinter denen regelmäßig großartige Menschen gestanden sind. Diese Leistungen gegeneinander aufzuwiegen wäre aus meiner Sicht unpassend.
Was bringt Sie in Rage?
Fehlende Wertschätzung und Respektlosigkeit im Umgang mit anderen.
Und was beruhigt Sie?
Es verschafft mir innere Ruhe, wenn ich bei meinen Aufgaben im Zeitplan bin 😊.
Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an Ihre Arbeit zu denken?
Selten, aber es kommt vor.
Wovor fürchten Sie sich?
Große Spinnen.
Worauf freuen Sie sich?
Auf die kommende Weihnachtszeit mit meiner Familie.










KK

