Juliana Perschy erhielt Würdigungspreis des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung 2025

Die Preisverleihung erfolgte am 9. Dezember 2025 in der Aula der Wissenschaften in Wien. Den Preis erhielt Juliana Perschy für ihre Masterarbeit für das Studium Germanistik im interkulturellen Kontext / Laurea Specialistica in Letteratura e Cultura Austriaca, ein gemeinsames Studienprogramm (Double Degree) mit der Universität Udine. 

Juliana Perschy beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit der Entwicklung einer Figurentopologie zwischen Hugo von Hofmannsthals Dramenfigur Jedermann, die bisweilen als literarischer Topos gehandelt wurde, Darstellungen von Leutnantsfiguren in der Prosa der österreichischen Jahrhundertwende und Robert Musils Ulrich, dem Protagonisten des Romans Der Mann ohne Eigenschaften, der ebenfalls topoihaft erscheint. „Konkret richtet sich die Forschungsfrage danach, ob sich die beiden Einzelfiguren gemeinsam mit den vielzählig ausgeprägten Leutnantsfiguren vor dem soziopolitischen Hintergrund der Zeit um den Ersten Weltkrieg, die mit dem Ende der k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn zusammenfällt, in einer Kontiguität befinden“, erklärt Juliana Perschy dazu.

Zur ihren Erkenntnissen führt sie aus: „Aus der Kontrastierung der aufgezählten literarischen Figuren, unter Rekurs auf die spezifische thematische Disposition des österreichischen Fin de Siècle, ergibt sich, dass diese tatsächlich über eine Parallelität in ihrer Ausprägung verfügen, die sich mit einem Mangel an Individualität beziehungsweise eigenständiger Identität benennen lässt. Dieser steht nicht nur mit der Krise des Individuums der Moderne in Verbindung, sondern resultiert unmittelbar aus dem Kollaps des Staatssystems der Monarchie und den militärischen Ereignissen des Ersten Weltkriegs, die dem Bestehen individueller Ichinstanzen, besonders innerhalb des habsburgischen Heeres, zuwiderlaufen.“ Neben den Figurenanalysen beleuchtet die Arbeit also auch das Ende Österreich-Ungarns aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive, wobei historisch wirksame, interkulturelle Aspekte, berücksichtigt werden.

Jedermann, Ulrich und der Typus des Leutnants seien demnach nicht nur als alleinstehende Topoi zu betrachten, sondern können in einem gemeinsamen Paradigma mit Aussagekraft über den Zerfall der Monarchie betrachtet werden.

Juliana Perschy besuchte das BG/BRG St. Martin in Villach. In der Folge schloss sie an der Universität Klagenfurt sowohl das Bachelorstudium Germanistik als auch das Bachelorstudium Philosophie und daran anschließend das Masterstudium Germanistik im interkulturellen Kontext ab. Dazu studierte sie zwei Semester an der Universität Udine. Insgesamt hat sie ihre drei Studien in 12 Semestern absolviert.

Mit dem Würdigungspreis des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung werden jährlich die 55 besten Diplom- und Masterabschlüsse an allen österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen ausgezeichnet. Der Würdigungspreis wurde erstmals 1990 vergeben.