Inflation in den 1920er und 2020er Jahren
FORSCHUNGSPROJEKT
Nachdem das Phänomen der Inflation (eines dauerhaft stark steigenden Preisniveaus) seit der Mitte der 1980er Jahre zumindest für Österreich und Deutschland kein größeres Problem darstellte, stieg die Inflationsrate im Anschluss an die COVID-19 Pandemie und insbesondere nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in den zweistelligen Bereich. Der neuerliche Krieg im Iran wird voraussichtlich ebenfalls zu einer höheren Inflationsrate in den europäischen Ländern und weltweit führen. Das Inflationsthema ist also brandaktuell geworden, und als Wirtschaftswissenschafter/innen stellen wir uns die Frage nach den Ursachen der Inflation und nach wirksamen Mitteln zu ihrer Bekämpfung.
Em. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Neck hat beim Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank ein Forschungsprojekt zu diesem Thema eingeworben, das er gemeinsam mit em. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider (Universität Linz), PD Dr. Klaus Weyerstraß (IHS Wien), Assoc.-Prof. Dr. Dmitri Blüschke und Dr. Ksenija Popovic (Universität Klagenfurt) in den nächsten drei Jahren bearbeiten wird. Dabei soll die gegenwärtige Inflation mit jener vor 100 Jahren, die in einer Hyperinflation und der Einführung der Schillingwährung mündete, verglichen werden. Schlussfolgerungen bezüglich der Ursachen und möglicher Gegenmaßnahmen der Wirtschaftspolitik sollen erarbeitet werden.
Einige der wichtigsten Forschungsfragen für dieses Projekt sind:
- Welche wirtschaftlichen, politischen und strukturellen Faktoren haben die Inflation in den 1920er und den 2020er Jahren verursacht? Wie weit können diese durch die ökonomischen Inflationstheorien (monetäre Inflationstheorie, Kostendruck- und Nachfragesoginflationstheorie, Theorie der internationalen Inflationsübertragung, fiskalische Theorie des Preisniveaus) erklärt werden?
- Was kann aus inflationären Episoden der Vergangenheit (in den 1920er und den 1970er und 1980er Jahren) und ihrer politischen Bewältigung für die Planung gegenwärtiger und künftiger Inflation in den 2020er Jahren gelernt werden?
- Können aus den Erfahrungen anderer europäischer Länder (z.B. Deutschland, Tschechien, Slowakei) Schlussfolgerungen über die unterschiedliche Inflationsdynamik in Währungsunionen und Ländern mit eigenen Währungen gezogen werden?
- Welchen Einfluss haben Maßnahmen einer diskretionären Budgetpolitik auf das Preisniveau und die Inflationsrate? Welchen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage liefert die (relativ neue) fiskalische Theorie des Preisniveaus?
- Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gestaltung der Budgetpolitik, insbesondere in Hinblick auf Zielkonflikte zwischen Inflationsbekämpfung und anderen gesamtwirtschaftlichen Zielen, wie Beschäftigungs-, Wachstums- und Verteilungspolitik?
- Welche Rolle spielen die Inflationserwartungen in inflationären Perioden und wie werden diese Erwartungen gebildet und beeinflusst?
- Wie wirken sich die Entwicklung von Geldangebot und Geldnachfrage sowie der Leitzinsen der Zentralbanken auf die Inflationsrate aus? Kann man daraus etwas zur (idealerweise: optimalen) Gestaltung der Geldpolitik lernen?
Durch die Beantwortung dieser und weiterer, im Projektverlauf entstehender Fragen soll das Projekt einen Beitrag zu einem tieferen Verständnis inflationärer Prozesse aufgrund unterschiedlicher Schocks leisten und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen für Länder in einer Währungsunion, insbesondere Österreich, erlauben.
Siehe auch den Beitrag über dieses Projekt bei den AAU-News: Forschungsprojekt vergleicht die Inflation in den 1920er Jahren und 2020er Jahren – Universität Klagenfurt










Daniel Waschnig

