IfEB-Spotlight Jänner 26: Claudia Bujar „`Therapie statt Strafe´ bei Heroinsucht“

Welches Thema bearbeitest du und was bedeutet es für dich?

„Therapie statt Strafe“ bei Heroinsucht- Eine Chance für suchtkranke Menschen? Oder die einzige Lösung?

In meiner Masterarbeit befasse ich mich mit der Maßnahme „Therapie statt Strafe“ im Kontext von Heroinsucht und untersuche, inwiefern therapeutische statt strafrechtlicher Interventionen zur Verbesserung der Lebenssituation, der Therapie-Compliance und der Selbstautonomie Betroffener beitragen können.

Dieses Thema hat für mich eine besondere persönliche Bedeutung, da ich in meinem beruflichen Umfeld mit den Auswirkungen von Heroinsucht konfrontiert war. Die damit verbundene Ohnmacht – sowohl bei den Betroffenen als auch bei ihren Angehörigen – war bereits Ausgangspunkt meiner Bachelorarbeit und begleitet mich seither fachlich wie menschlich. Mit dieser Arbeit möchte ich einen Beitrag leisten, Suchterkrankungen differenzierter zu verstehen und Wege aufzuzeigen, die nachhaltige Veränderung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Wie ist dieses Thema mit deinem Studium verbunden?

Das Thema ist eng mit meinem sozialpädagogischen Studium verbunden, da es zentrale Inhalte wie Lebensweltorientierung, soziale Gerechtigkeit, Resozialisierung und professionelle Beziehungsgestaltung aufgreift. Die Arbeit verknüpft sozialpädagogische Theorie mit suchttherapeutischen, gesundheitspolitischen und rechtlichen Fragestellungen und reflektiert den professionellen Auftrag Sozialer Arbeit im Spannungsfeld von Hilfe, Kontrolle und gesellschaftlicher Verantwortung. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie Soziale Arbeit zur Förderung von Autonomie, Compliance und sozialer Integration beitragen kann.

Wie gehst du im Forschungsprozess vor?

Ich arbeite mit einem qualitativen, hypothesengenerierenden Forschungsdesign. Zentrale Methode sind narrative Interviews mit heroinabhängigen Personen, die mir ermöglichen, subjektive Erfahrungen, biografische Verläufe und individuelle Bedeutungszuschreibungen zu rekonstruieren. Die Auswertung erfolgt hermeneutisch mittels Systemanalyse nach Froschauer/Lueger. Auf dieser Grundlage werden Hypothesen entwickelt und mit aktueller Fachliteratur in Beziehung gesetzt. Abschließend werden die Ergebnisse in einer SWOT-Analyse verdichtet, um praxisnahe Handlungsempfehlungen für Therapie, Soziale Arbeit und Suchtpolitik abzuleiten.

Was möchtest du Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Ich würde Studierenden empfehlen, ein Thema zu wählen, das sie wirklich interessiert und berührt – denn das trägt durch alle Höhen und Tiefen des Forschungsprozesses. Gleichzeitig ist es wichtig, persönliche Betroffenheit reflektiert und professionell einzuordnen. Qualitative Forschung erfordert Zeit, Offenheit und Selbstkritik, bietet aber die Chance, Menschen wirklich zuzuhören und komplexe Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Mein wichtigster Tipp: früh mit der Struktur beginnen, sich Unterstützung holen und Vertrauen in den eigenen Forschungsweg entwickeln.

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