„Eine Schule kann sich immer entwickeln.”

Wenn ein Unternehmen vor einer neuen Herausforderung steht, ruft es in der Regel nach einer Unternehmensberater:in. Eine ähnliche Unterstützung können in Österreich auch Schulen abrufen: Über die Pädagogischen Hochschulen werden Schulentwicklungsberater:innen vermittelt, die bei einer Vielzahl von Fragen unterstützen. Kristina Braun ist Doktorandin im kooperativen Doktoratsprogramm “Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung” und erforscht die Tätigkeitsbereiche der Schulentwicklungsberater:innen.

„Wenn ich mit anderen über Schulentwicklungsberatung spreche, sehe ich oft große Fragezeichen in den Augen meines Gegenübers. Selbst viele aus dem Schulbereich wissen nicht, dass es dieses Angebot gibt“, erklärt Kristina Braun, die als Universitätsassistentin am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung an ihrer Dissertation arbeitet. Dabei habe die Schulentwicklungsberatung viel Potenzial, Schulen bei einer Vielzahl an Herausforderungen zu unterstützen. Kristina Braun bringt dafür einige Beispiele: „Die Politik beschließt ein Handyverbot in Schulen – und für viele Schulen ist unklar, wie das an ihrer Institution umzusetzen ist. Ähnlich verhält es sich auch mit den neuen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz: Auch hier stehen die Schulen vor der Herausforderung, ihren Unterricht an die Chancen, aber auch Konsequenzen, die aus der neuen Technologie hervorgehen, anzupassen.“ Schulentwicklungsberater:innen seien Expert:innen für bestimmte Felder, die von der Schulpsychologie bis hin zu rechtlichen Fragen reichen können. Sie werden in der Regel durch die Schulleitung über die Pädagogische Hochschule angefordert, kommen an die Schule und erarbeiten dann in Absprache mit der Direktion einen Fahrplan, wie sich die Schule weiterentwickeln kann. „In meinen Beobachtungen hat sich gezeigt, dass die Beratung meist sehr hilfreich ist, selbst wenn die Kollegien in den Schulen manchmal zu Beginn skeptisch sind. Die Schulentwicklungsberater:innen sind eine neutrale Instanz, die von außen kommt, aber keinen kontrollierenden Blick einnimmt, sondern helfen und beraten möchte.“

Wir fragen nach, wer sich für dieses Berufsfeld entscheidet. Kristina Braun führt aus: „Ganz unterschiedliche Expert:innen arbeiten in diesen Bereichen. Manchmal haben sie in ihrer Biographie weniger Berührungspunkte mit dem Bildungssystem, manchmal mehr. Fast alle Pädagogischen Hochschulen bilden Ausbildungen zur Schulentwicklungsberater:in an.“

Um den Tätigkeitsbereich der Schulentwicklungsberater:innen zu untersuchen, war Kristina Braun im letzten Jahr viel unterwegs: Mit der qualitativen Forschungsmethode des shadowing war sie der Schatten von Berater:innen in Kärnten. So gewann sie Einblicke in alle Tätigkeitsfelder – von einem normalen Bürotag bis zur intensiven Beratung in Schulen, von der Vorbereitung der Beratung bis hin zu den Meetings an den Pädagogischen Hochschulen. „Sogar die gemeinsamen Fahrten hin zu den Schulen boten mir interessante Erkenntnisse“, so Kristina Braun. Ihre Untersuchungen trugen auch schon (wissenschaftliche) Früchte: Demnächst wird ihr erstes Paper erscheinen. Im September präsentiert sie ihre Erkenntnisse auch bei der ECER in Belgrad – einer internationalen Tagung.

Intensive Unterstützung erfährt Kristina Braun durch ihren Betreuer Stefan Brauckmann-Sajkiewicz am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Universität Klagenfurt. Er verantwortet gemeinsam mit Kolleg:innen der Johannes Kepler Universität Linz sowie den Pädagogischen Hochschulen Oberösterreich und Vorarlberg das Konsortium „Gut beraten? Zur Rolle der Schulentwicklungsberatung im schulischen Unterstützungssystem“, eines von neun Konsortien im Doktoratsprogramm „Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung“, das vom Bildungsministerium initiiert und umfassend gefördert wird.

Für ihre Stelle als Universitätsassistentin an der Universität Klagenfurt nahm Kristina Braun einen weiten Weg auf sich: Sie war gerade als Lehrerin an der German International School in Boston (USA) tätig, als sie bei Recherchen zu Schulentwicklungsberatung in Österreich auf einige Arbeiten von Stefan Brauckmann-Sajkiewicz stieß. Sie nahm mit ihm Kontakt auf, und er verwies sie auf die Stellenausschreibung, die Kristina Braun nach über zwei Jahren in den USA wieder zurück nach Österreich brachte. „Ich war sieben Jahre lang als Grundschullehrerin tätig. In dieser Zeit habe ich ganz unterschiedliche Herausforderungen kennengelernt, vor denen Schulen stehen können“, führt sie aus. Schulentwicklungsberatung sei extrem kontextabhängig und komplex, so eine ihrer bisherigen Erkenntnisse aus ihrer Forschung: „Das habe ich auch selbst erlebt. Eine Privatschule in den USA steht vor anderen Fragen als eine Volksschule am Stadtrand von Wien.“ Dementsprechend flexibel habe sie auch die Arbeit von Schulentwicklungsberater:innen erlebt: „Ob am Land oder in der Stadt, in einer Kleinschule oder in einer großen Schule – eine Schule kann sich immer entwickeln.“

Auf ein paar Worte mit … Kristina Braun



Wann haben Sie zuletzt mit jemandem außerhalb der Wissenschaft über Ihre Forschung gesprochen?
Ich war vor kurzem auf Wanderurlaub in den Dolomiten und habe jemanden aus Mexiko kennengelernt, der beruflich etwas ganz anderes macht und meinte das würde so wichtig klingen 😊

Was machen Sie im Büro morgens als Erstes?
Eigentlich direkt an den Schreibtisch setzen, denn die gemeinsame Kaffeepause ist erst später.

Wer ist für Sie die größte Wissenschaftler:in der Geschichte und warum?
Das wäre dann wohl Donna Haraway, welche anregt, Bildung feministisch zu denken – weg von starren Rollen und Grenzen.

Was bringt Sie in Rage?
Wenn Menschen andere be- oder verurteilen; ich wünsche mir, dass man immer so sein kann, wie man möchte und dafür akzeptiert wird.

Und was beruhigt Sie?
Zeit mit Freund:innen, meiner Hündin, Sport und die Natur, aber am besten alle diese Dinge in Kombination.

Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an Ihre Arbeit zu denken?
Ist schon schwierig, denn arbeiten könnte ich ja theoretisch immer und von überall, aber ich war vor kurzem ohne Empfang beim Camping in den Bergen, da konnte ich dann schon sehr gut abschalten.

Wovor fürchten Sie sich?
Schlangen, und dass mir der Kaffee ausgeht!

Worauf freuen Sie sich?
Beruflich erstmal auf die Summer School und dann die Konferenz in Belgrad im September. Privat freue ich mich immer auf die nächste Wanderung, die nächste Trainingseinheit und den nächsten Urlaub.