ERSTIes Treffen

Das Institut für Philosophie und die Studienrichtung Philosophie möchte DICH zum ersten ERSTIes Treffen am Mittwoch, 11. März, um 18.00 Uhr im N.1.71 einladen.

Wir möchten EUCH helfen und unterstützen, damit Ihr einen Einblick in das Philosophie-Studium bekommt.

Also kommt, stellt Fragen, regt an – studiert und profitiert!

 

Euer Institut für Philosophie

Mittwochskolloquium: Vortrag von Frau Sivlia Benso: Vattimo’s Hermeneutic Realism as an Act of Political Resistance

Vortrag von Frau Dr. Sivlia Benso
Vattimo’s Hermeneutic Realism as an Act of Political Resistance
am Mittwoch, 22. Jänner 2020
um 18:00 Uhr
im N.1.71

 

How can hermeneutics be a form of ethical-political resistance on behalf of reality? In this presentation, I examine Italian philosopher Gianni Vattimo’s critique of the “temptation of realism” and his claim that hermeneutics, and not the so-called new realisms, constitutes the most realistic approach to reality. Vattimo’s hermeneutic position (known as “weak thought”) represents the realistic realization that weak thought is the condition to which the very history of philosophy has committed (or destined) us. Additionally, Vattimo’s ontology of actuality emerges as the realistic response to such a historical condition insofar as it is the hermeneutic formulation of a non-metaphysical ontology focused on a weakened form of reality that finds its manifestation in historical traces rather than in absolutes. Ultimately, I explore Vattimo’s philosophical position understood as hermeneutic resistance against metaphysical realism on behalf of the reality of the weak. This resistance invests hermeneutics with an ethical-political commitment that renders it more revolutionary than the conservativism of all realisms.

Silvia Benso is Professor of Philosophy at Rochester Institute of Technology, USA where she is also Director of the Women’s and Gender Studies Program. Among her areas of interest are ancient philosophy, contemporary European philosophy, the history of philosophy, ethics, and aesthetics. She is the author of Thinking After Auschwitz: Philosophical Ethics and Jewish Theodicy (1992, in Italian), The Face of Things: A Different Side of Ethics (2000), Viva Voce: Conversations with Italian Philosophers (2017), and the co-author of the volume Environmental Thinking: Between Philosophy and Ecology (2000, in Italian). She has also co-edited various volumes such as Contemporary Italian Philosophy: Between Ethics, Politics and Religion (2007), Levinas and the Ancients (2008), Between Nihilism and Politics: The Hermeneutics of Gianni Vattimo (2010), and Thinking the Inexhaustible: Art, Interpretation, and Freedom in the Philosophy of Luigi Pareyson (2018). During the past decade, she has devoted herself to the promotion of Italian philosophy; she is the general co-editor for the SUNY Press series on Contemporary Italian Philosophy and the co-director of SIP, the Society for Italian Philosophy.

Vortrag von Frau Waltraud Ernst: Erkenntnis als Begegnungs- und Bewegungsraum

Vortrag von

 Waltraud Ernst

Erkenntnis als Begegnungs- und Bewegungsraum

15. Jänner 2020,N.1.71, 18h c.t.

 

Wenn wissenschaftliche Wissensproduktion Teil einer sich ständig verschiebenden performativen Konstituierung von Wirklichkeit ist, wie Karen Barad in ihrem Ansatz des „agential realism“ (2007) darlegt, bedürfen folgende Fragen der systematischen Klärung: Was ist das Verständnis von Wirklichkeit, wenn sie nicht nur durch wissenschaftliche Erkenntnis beschrieben, sondern auch im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess hergestellt wird? Geht es um eine technisch hergestellte Wirklichkeit oder wird sie in sozialen Aushandlungsprozessen hergestellt? Wie kann untersucht werden, welche anderen sozialen Prozesse noch Teil an der Herstellung von Wirklichkeit haben? Welche(s) sind weitere Akteur*innen dieser Realitätsproduktion? Wie wird in diesem Ansatz menschliche Subjektivität und politische Veränderung gedacht?

Diese Fragen werden zunächst mit weiteren Ansätzen feministischer Epistemologie systematisch erörtert. Es werden verschiedene Perspektiven zu Methoden und Prozessen der Aushandlung von Erkenntnis abgewogen. Dabei wird vorgeschlagen, Erkenntnisprozesse als Bewegungsräume von Wirklichkeit sichtbar zu machen. Können neue epistemische, soziale und politische Begegnungsräume geschaffen werden?

 

Waltraud Ernst ist Philosophin. Seit 2010 ist sie Universitätsassistentin am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Johannes Kepler Universität Linz. 1990 Magistra Artium an der Universität Bielefeld. 1996 Dr. phil. an der Universität Wien (Betreuung: Prof. Herta Nagl-Docekal). 2001-2003 Hertha-Firnbergstelle am Institut für Philosophie der Universität Wien. 2004-2010 war sie Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterstudien an der HAWK und der Universität Hildesheim. 2016 erhielt sie den Käthe-Leichter-Preis für Frauen und Geschlechterforschung. 2018 war sie Gastprofessorin an der TU Dresden. Aktuelle Publikationen: Feministische Erkenntnistheorie, in: Martin Grajner / Guido Melchior (Hg.): Handbuch Erkenntnistheorie, J. B. Metzler, Stuttgart, 412-417, 2019. Emancipatory interferences with machines?, in: International Journal of Gender, Science and Technology, Vol. 9, Nr. 2, The Open University, 178-196, 2017. In connection: Feminist epistemology for the twenty-first century, in: Transcultural Studies – A Journal in Interdisciplinary Research, Vol. 12, Nr. 2, BRILL, 267-287, 2016.

Univ.-Prof.Dr. Alice Pechriggl: AFRIKA, ENTFESSELT!

Am Montag, 25. November, um 19:30 Uhr hält Frau Prof.Dr. Alice Pechriggl den Vortrag

AFRIKA, ENTFESSELT!

Im Kontext post- und neokolonialer Strukturen

im Musilhaus Klagenfurt (Bahnhofstraße 50)

 

Afrika entfesselt_Pechriggl

 

Info-Abend „Philosophie studieren?“

Das Institut für Philosophie und die ÖH-Studienrichtungsvertretung lädt zu folgender Veranstaltung ein:

 

Info-Abend

„Philosophie studieren?“

am Freitag, 15. November 2019, um 18:00 Uhr, im ÖH Besprechungsraum O.0.11 (neben Como)

 

Philo_Info_Abend

 

International Workshop: Esteem and Self-Esteem: Early Modern and Contemporary Issues

Department of Philosophy, Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Austria

Organized by PD Dr. Andreas Blank Funded by the Austrian Science Fund (FWF) in the framework of Lise-Meitner Project M-2097

5.-6. April 2019, Room N.1.71

Workshop_Programm

 

Philosophie-Olympiade Kärnten. Festveranstaltung 2019

Donnerstag, 14.03.2019 17:00 Uhr

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Stiftungssaal der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Gebäude neben der „Kärntner Sparkasse“ (Raum O.0.01)

Die Festveranstaltung zur Philosophie-Olympiade Kärnten findet jährlich im Vorfeld der jährlichen österreichweiten Philosophie-Olympiade statt. Jedes Jahr dürfen zwei SchülerInnen zur Internationalen Philosophieolympiade (IPO) fahren. Es wurden bereits mehrere österreichische TeilnehmerInnen ausgezeichnet. Die IPO 2019 wird in Rom, Italien, stattfinden. Es wurden im Jahr 2018 1645 SchülerInnen aus ganz Österreich angemeldet. Das ist ein hervorragendes Ergebnis! Im letzten Schuljahr waren es 1340 SchülerInnen. https://www.philolympics.at/

 

Bei der Festveranstaltung der Philosophie-Olympiade in Kärnten werden Jahr für Jahr die besten Essays, die von der Kärntner Jury, Richard Hölbling, Utta Isop und Bettina Schmidt ermittelt werden, bekanntgegeben, vorgetragen und die TeilnehmerInnen geehrt. Bildungsdirektor Dr. Robert Klinglmair wird die Eröffnungsworte sprechen. Studienprogrammleiter Univ.-Ass. Dr. Bernhard Ritter wird den Festvortrag „Trost oder Bescheid zum Tod“ halten. Studierende der Philosophie, Patrick Steiner und Anna Ackmann werden über das Studium informieren. Mag. Richard Hölbling wird einige Informationen über die Geschichte der Internationalen Philosophieolympiade geben. Mag. Franz Steiner wird mit dem M-Jazz-Ensemble des BRG Klagenfurt-Viktring für die musikalische Begleitung sorgen. MMag. Utta Isop und Julian Lachowitz moderieren den Abend.

 

Univ.-Ass. Dr. Bernhard Ritter „Trost oder Bescheid zum Tod“ – Maria von Herberts Briefe an Kant

Im August 1791 schreibt die 22-jährige Maria von Herbert aus Klagenfurt einen Brief an den renommiertesten Philosophen ihrer Zeit, Immanuel Kant, damals 67. Es ist ein ungewöhnlicher Brief, dieser erste Brief von dreien, die sie an Kant schreiben sollte. Er handelt von einer verlorenen Liebe, einer Lüge und von Selbstmord. Kant war ein unwilliger Briefe-Schreiber und mit Frauen pflegte er kaum zu korrespondieren. Dennoch antwortet er Maria von Herbert. Auf eine philosophische Herausforderung, die in ihren Briefen enthalten ist, geht er jedoch nicht ein. Worin besteht diese Herausforderung an Kants Ethik, wer war Maria von Herbert und warum schrieb sie an Kant?

 

Kontakt: MMag. Utta Isop

https://de.wikipedia.org/wiki/Utta_Isop

http://uttaisop.at/

http://wwwu.uni-klu.ac.at/uisop/wordpress/

utta [dot] isop [at] gmx [dot] net

Tel.:06769359791

 

Internationale Philosophie-Olympiade

Seit 1993 findet diese Olympiade bereits statt. Bisher haben mehr als 40 Länder daran teilgenommen, Österreich erstmals 2005. Die IPO2011 fand in Wien statt. Je zwei Schüler/innen aus jedem Land und zehn aus dem gastgebenden Land sind jedes Jahr mit dabei. Kooperiert wird mit der FISP (Fédération Internationale des Sociétés de Philosophie) und der UNESCO.

Das Ziel

  • Intellektueller Austausch über die nationalen Grenzen hinweg
  • Ermutigung zum kritischen und weltoffenen Denken …
  • … im Blick auf die Probleme der gegenwärtigen Welt

Weiterführende Informationen

IPO-Statut

 

10 Jahre Philosophieolympiade

2015 feierte die Österreichische Philosophieolympiade ihr 10-jähriges Jubiläum. Bereits 2005 gab es einen ersten Probelauf mit einer Handvoll Schülern aus nur zwei Schulen. David Himler aus der Popperschule in Wien konnte beim internationalen Bewerb bereits eine Bronzemedaille erreichen. Ab 2006 gab es jährliche österreichweite Wettbewerbe und 2007 gab es das erste Mal ein offizielles Philosophieolympiade-Plakat. 2008 wagte sich der Bundeswettbewerb das erste Mal aus Wien heraus und fand in Salzburg statt. International gab es in diesem Jahr auch die zweite Bronzemedaille. Im 4. Jahr, 2009, etablierte sich der Begriff „Philolympics“ als Synonym der Österreichischen Philosophieolympiade, dieser findet sich unter anderem in der Internetadresse wieder. 2010 fand der Bundeswettbewerb im schönen Bad Ischl statt und erhielt bei dieser Gelegenheit ein neues Design, das sich die nächsten Jahre fortsetzen sollte.

Das darauffolgende Jahr 2011 stand, neben dem erstmaligen Abhalten des Bundeswettbewerbs in Graz, ganz im Zeichen der in Wien ausgerichteten Internationalen Philosophieolympiade. 2012 kehrte der Bundeswettbewerb nach Salzburg zurück und im Jahr 2013 erhielt die Philosophieolympiade eine neue Webseite und präsentierte sich so mit Plakaten und Urkunden in einem einheitlichen Look. Bei der IPO in Dänemark gab es erstmals eine Silbermedaille. 2014 brachte den Bundeswettbewerb wieder nach Graz und Österreich bei der IPO eine weitere Bronzemedaille ein. Im Jubiläumsjahr 2015 wurde ein neuer Teilnehmerrekord erreicht, es nahmen erstmals mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler am philosophischen Essayschreiben teil. Und bei der IPO in Estland gab es die zweite Silbermedaille für Österreich.

10. DoktorandInnen-Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie

Das Institut für Philosophie und die Österreichische Gesellschaft für Philosophie veranstalten vom 6. – 8. Dezember 2018 an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt das

10. DoktorandInnen-Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie

 

Ziel des Symposiums ist eine möglichst umfassende Darstellung der deutschsprachigen Forschungslandschaft im Nachwuchsbereich. Es will eine Plattform für den Dialog verschiedener philosophischer Richtungen bieten. Fünfzehn Vortragende sind daher Dissertantinnen aller philosophischen Disziplinen in Österreich und auch darüber hinaus. Sie präsentieren über diverse Themen von der Leibphänomenologie bis zur Bedarfsgerechtigkeit. Die Veranstaltung ist öffentlich und auch von Interesse für (Doktorats-)Studierende anderer kulturwissenschaftlicher Richtungen. Der Plenarvortrag wird von Frau Professorin Andrea Kern aus Universität Leipzig gehalten, wer über die unterschiedlichen neo-aristotelischen Interpretationen des Formbegriffes vortragen wird.

Näheres entnehmen Sie bitte dem Programm_Diplomandinnensymposium2018

 

Vortrag: Andrea Kern „Menschliches Leben und Selbstbewusstsein. Eine Diskussion dreier Spielarten des Neo-Aristotelismus“

Vortrag von Frau Andrea Kern

„Menschliches Leben und Selbstbewusstsein. Eine Diskussion dreier Spielarten des Neo-Aristotelismus“

am Donnerstag, 6. Dezember, um 18.00 Uhr im Z.1.09.

 

Zeitgenössische Neo-Aristoteliker eint der Gedanke, dass der Unterschied zwischen Menschen und allen anderen Lebewesen nicht darin besteht, dass der Mensch eine weitere Fähigkeit hat, die zu jenen Fähigkeiten einfach hinzukommt, die er mit den anderen Lebewesen teilt, sondern darin, dass sein ganzes Leben eine andere „Form“ hat. Die anthropologische Differenz ist eine formale Differenz. Nennen wir das die Form-Differenz-These (FD). Ebenso eint alle Neo-Aristoteliker der Gedanke, dass kleine Kinder noch keine jener Tätigkeiten aufweisen, durch die wir verstehen, was es bedeutet, ein rationales, selbstbewusstes Wesen zu sein, nämlich Denken und Urteilen, das Sprechen einer Sprache, das Angeben und Fordern von Gründen. Nennen wir das die Kinder-Differenz-These (KD). Wie können wir beide Thesen miteinander vereinbaren?

In der zeitgenössischen Philosophie können wir zwischen drei Spielarten des Neo-Aristotelismus unterscheiden, die sich darin unterscheiden, in welcher Weise sie diese Frage beantworten: 1. Ein naiver Neo-Aristotelismus (u.a. Thompson, Foot), ein anspruchsvoller Neo-Aristotelismus (u.a. McDowell), und ein logischer Neo-Aristotelismus (Hegel). Wie wir sehen werden, gehen alle drei Spielarten des Neo-Aristotelismus mit einer jeweils unterschiedlichen Deutung des Gehalts sowohl von FD als auch KD einher. In meinem Vortrag werde ich diese Unterschiede herausarbeiten und dafür argumentieren, dass der logische Neo-Aristotelismus in der Lage ist, die Probleme aufzulösen, mit der die beiden anderen Spielarten konfrontiert sind, indem er die These einer formalen Differenz zu Ende denkt. Hegel stößt dabei auf den Gedanken, dass der Begriff der Erziehung und der Begriff des Selbstbewusstseins logisch aufeinander verweisen. Daraus folgt für Hegel, dass der Gehalt der Rede von Fähigkeiten, die ein Wesen „von Natur“ aus hat, logisch abhängig ist von der jeweiligen Lebensform, zu das fragliche Wesen gehört. Es bedeutet nach Hegel etwas anderes, von einem Tier zu sagen, es habe bestimmte Fähigkeiten von Natur aus, als von einem Mensch zu sagen, er oder sie habe natürliche Fähigkeiten.

TERMINVERSCHIEBUNG: Vortrag Prof. Oksana Bulgakowa: Das Fremde als Eigenes. Körperbilder und Körpergedächtnis in der Zeit der Bilderwanderung

ACHTUNG: TERMINVERSCHIEBUNG!!!
ATTENTION: NEW DATE!!!
Das Institut für Philosophie, in Kooperation mit dem AK Visuelle Kultur und dem Institut für Slawistik, Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt lädt ein zum

 

Vortrag von Prof. Oksana Bulgakowa

 Das Fremde als Eigenes. Körperbilder und Körpergedächtnis in der Zeit der Bilderwanderung

 Mittwoch, 28. November 2018, 18:00 Uhr, I.1.71

 

 

Früher wurde die Sprache der Gesten von Erwachsenen an Kinder, von Erziehern an Schüler weitergegeben, in Büchern über gutes Benehmen festgehalten, in Tanzstunden eingeübt. Was passiert mit dem Körpergedächtnis, wenn die nationale Tradition neu bewertet wird, weil die Menschen Filme, die sich über nationale und soziale Grenzen hinwegbewegen, in ihre Alltagserfahrung einschließen?

 

Der Film entwickelte sich rasch – nicht nur als erstes Medium, das Körpersprache, Gestik und Mimik in der Bewegung konservierte, sondern er modellierte erstmalig auch Körperbilder und be­einflusste die Veränderungen in der Körpersprache der Zuschauer, da er als Apparat für die Fixierung der Bewegung – so hatten es Physiologen, Psychologen, Psychoanalytiker, Anthropologen, Soziologen, Arbeitswissenschafter und Kulturphilosophen beobachtet – die Nachahmungsfähigkeiten der Zuschauer in Bezug auf die Motorik schärfte und trainierte. Das amerikanische Programm zur „re-education of Germany“ wurde von Psychologen, Anthropologen und Politikern ausgearbeitet, und Filme spielten nach dem Dritten Reich eine nicht unwichtige Rolle bei der Erziehung der Deutschen – diesmal zur Demokratie. Hollywood wollte sein Geschäft machen, Politiker verfolgten ihr ideologisches Programm und stützten sich dabei auf anthropologische Forschungen von Margaret Mead sowie auf Vorschläge von Psychiatern wie Richard Brickner. Amerikanische Unterhaltungsfilme wurden nicht im Rahmen dieses Programms gesehen, aber auch sie sollten die „Germans in the gestures, speech and affect of democratic sociality (schulen). Germans could develop a politically enlightened culture if they could learn to act like Americans or like actors portraying Americans“, wie der OWI-Fachmann für Deutschland formulierte. Die Veränderungen in der Körpersprache und im Verhal­ten, wie sie in ihrer medialen (italienischen, französischen, deutschen, sowjetischen) Dimension in den frühen 1950er-Jahren unter dem Einfluss fremder medialer Bilder ausprobiert wurden, führten nur ein Jahrzehnt später zu realen Auswirkungen: zur Destabilisierung der Hierarchien – in alternativen Lebensweisen, neuen politischen Parteien und Erziehungsmodellen.

 

Oksana Bulgakowa ist Professorin für Filmwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Sie studierte an der Moskauer Filmhochschule und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie hat zahlreiche Bücher über das russische und deutsche Kino verfasst und herausgegeben, bei Filmen Regie geführt, Ausstellungen kuratiert und Multimediaprojekte entwickelt (oft zusammen mit Dietmar Hochmuth). Derzeit ist sie IFK_Senior Fellow und arbeitet an einem Buch über die Lesbarkeit der Körpersprache im Film.

Publikationen (u. a.): gem. mit Dietmar Hochmuth (Hg.), Sergej Eisenstein. Das Ur-Phänomen: Kunst, Berlin 2016, engl. 2017; Das sowjetische Hörauge, Moskau 2010; Stimme als kulturelles Phänomen, Moskau 2015; Die Sinn-Fabrik/Fabrik der Sinne, Berlin 2015; (Hg.), Eisenstein. Metod/Methode, 4 Bd., Berlin 2009; Fabrik der Gesten, Moskau 2005; Sergej Eisenstein. Eine Biographie, Berlin 1998, engl. 2002, russ. 2017; Sergej Eisenstein: drei Utopien. Architekturentwürfe zur Filmtheorie, Berlin 1996; (Hg.), Die ungewöhnlichen Abenteuer des Dr. Mabuse im Lande der Bolschewiki, Berlin 1995.