Kulturmetropole Wien in der Zwischenkriegszeit: Rund 300 Portraits fast vergessener Stars in Online-Lexikon

Zwanzig Jahre liegen zwischen 1918 und 1938: Für Wien, das plötzlich nicht mehr Hauptstadt eines Kaiserreichs war, aber im Zentrum Europas ein Anziehungspunkt für Intellektuelle blieb, war diese Zeit trotz einschneidender politisch-sozialer Krisen kulturell und künstlerisch spektakulär und fruchtbar. In Kunst, Tanz, Literatur, Journalismus und Theater war man mit Berlin in einem beflügelnden Konkurrenzverhältnis und prägte so die zeitgenössische Moderne und Avantgarde entscheidend mit. Ein Team rund um Primus-Heinz Kucher möchte das Wirken der Protagonistinnen und Protagonisten dieser Zeit – gefördert vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF – erhalten. Aktuelle Ergebnisse sind die nunmehr dritte große Publikation sowie ein umfassendes Online-Lexikon.

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INGEBORG BACHMANN – HANS MAGNUS ENZENSBERGER: „schreib alles auf was wahr ist“ Der Briefwechsel

Es sollte ein luftiges und mit Wärme betriebenes gemeinsames Projekt werden, was Enzensberger in seinem ersten Brief der Dichterin vorschlug: ein Buch wie eine Montgolfière.

Ingeborg Bachmann war jedoch in jenen Monaten des Jahres 1957 anderweitig engagiert. Die Liebe zu Paul Celan war neu aufgeflammt, ein halbes Jahr später kommt es zur Begegnung mit Max Frisch in Paris. Nach einer gemeinsamen Romreise und dem Aufenthalt der Bachmann bei Enzensbergers in Lanuvio bei Rom stabilisiert Enzensberger ihre inzwischen freundschaftliche Beziehung auf einem anderen Vehikel, einem Floß der Freundlichkeit: „wohin es führt: lassen wir’s offen. denn es ist kein ende, auch dann nicht, wenn unser geheimer pakt nie mehr besiegelt würde. er ist es längst.“ Jahrelang muss er dennoch um Beiträge für sein Kursbuch betteln, und als sie nach langem Zögern Gedichte schickt, darunter ihr liebstes, Böhmen liegt am Meer, ist er zu ihrer Enttäuschung nicht mehr zuständig, er ist „zu Schiff nach Cuba“, wie sie im Herbst 1968 resigniert feststellt.

Der Briefwechsel zwischen den vielleicht bedeutendsten Lyrikern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist – über alles Persönliche hinaus – ein Dokument des literarischen Lebens jener Zeit. Herausgeber Hubert Lengauer stellt im Gespräch mit Doris Moser den Briefwechsel vor, ausgewählte Briefe lesen Katrin Ackerl Konstanstin und Erik Rippmann.

Ort: Robert-Musil-Institut

Zeit: Freitag, 28. Juni, 19.30 Uhr

Workshop: Mittelalterliche Buchmalerei

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Virtuelle benediktinische Bibliothek Millstatt“ findet ein Workshop zum Thema „Mittelalterliche Buchmalerei“ mit der Künstlerin Juliet Venter statt.

Termin: Montag, 13. Mai 2019 von 10.00 – 17.00 Uhr / UB Klagenfurt

Juliet Venter stammt aus Großbritannien und studierte Englische Literatur am St. John’s College in Cambridge. Seit 2009 beschäftigt sie sich hauptberuflich mit mittelalterlicher Ikonen- und Buchmalerei unter Verwendung authentischer Materialien wie Ei-Tempera, Blattgold, Erd- und Mineralpigmenten auf Papier und Pergament. Ihr Werk steht in der mittelalterlichen Tradition mit modernen Einschlägen, wobei ihr Hauptaugenmerk auf kleinformatigen Arbeiten liegt.

Der Workshop beinhaltet eine Einführung in die Techniken der mittelalterlichen Buchmalerei, die Verwendung traditioneller Künstlerpigmente und die verschiedenen Farbzusammensetzungen sowie die Fertigung eines eigenen Miniaturmotivs.

Weitere Informationen: sabine [dot] seelbach [at] aau [dot] at

Literarisches Verstehen: Eine mess- und steigerbare Kompetenz?

Gastvortrag von Univ.-Prof. Dr. Johannes Odendahl (Universität Innsbruck)

Spätestens seit der ersten PISA-Studie sieht sich die Deutschdidaktik mit der Frage nach mess- und operationalisierbaren Kompetenzen literarischen Verstehens konfrontiert. In seinem Vortrag (mit anschließender Diskussion) beschäftigt sich Johannes Odendahl mit der Frage, ob und inwiefern eine solche Konzeption von Literarizität überhaupt möglich sein kann – oder ob Literatur und dessen Rezeption grundsätzlich Gegenwelten eröffnen, die sich einer Vermessung und systematischen Steigerung verweigern.

Dr. Johannes Odendahl ist Universitätsprofessor für Didaktik des Unterrichtsfachs Deutsch an der Universität Innsbruck. Sein besonderes Forschungsinteresse gilt dem ästhetischen Verstehen, speziell auch bei der intermedialen Begegnung von Musik und Literatur.

  1. Mai 2019 | Raum B01.0.203 | 16:00 Uhr

Kontakt: Iris [dot] Fischer [at] aau [dot] at (Administration)

 

Sendung über Christine Lavant mit Doris Moser als Gesprächspartnerin

Doris Moser, Mitherausgeberin der Werke Christine Lavants, im Deutschlandfunk, Köln, über Christine Lavant und die Religion:

https://www.deutschlandfunk.de/die-dichterin-christine-lavant-zweifeln-laestern-klagen.2540.de.html?dram:article_id=444051

Erinnerungsarbeit: Geschichten erzählen Geschichte

Weder in Ungarn noch anderswo in der Welt gäbe es einen zweiten Thomas Bernhard, erzählt uns Hajnalka Nagy im Interview. Sie beschäftigt sich mit österreichischen Erinnerungskulturen und fragt sich dabei: Welche „Geschichten“ bauen wir als Gesellschaft aus historischen Ereignissen wie der Waldheim-Affäre? Wie erzählen wir diese Geschichten im öffentlichen Diskurs, aber auch in der österreichischen Literatur? Und wie betreiben wir Erinnerungsarbeit mit unseren Jüngsten in der Schule, insbesondere im Literaturunterricht?

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Tagung „Deutschunterricht im Zeichen der Digitalisierung“

Veranstalter: Österreichisches Forum Deutschdidaktik (ÖFDD), 28.02.-02.03. 2019, Universität Salzburg

Digitale Medien bestimmen maßgeblich den Alltag von Schüler/innen und Lehrpersonen. Sie stellen die Schule vor neue Herausforderungen, bieten aber auch Chancen zur Initiierung von schulischen Lernprozessen. Aus didaktischer Perspektive ergeben sich dabei vielfältige Fragen, die fachspezifische Konzepte im Umgang mit digitalen Medien ebenso betreffen wie domänenübergreifende Prinzipien (u. a. Medienbildung, politische Bildung). Für die Deutschdidaktik ist diesbezüglich bedeutsam, wie sich Produktion, Rezeption und Distribution sprachlicher und literarischer Texte unter dem Einfluss digitaler Medien verändern und welche neuen Kompetenzen der Umgang mit Sprache und Literatur vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erfordert.

Hier setzt die erste Tagung des 2012 gegründeten Österreichischen Forums Deutschdidaktik (ÖFDD) an, wenn sie nach den Chancen und Herausforderungen fragt, die dem Deutschunterricht aus der Digitalisierung erwachsen.

Die Beiträge der Tagung werden sich damit befassen, welche Konsequenzen die „Digitalisierung der Schulen“, wie sie in jüngster Zeit von Seiten der Politik gefordert und auch finanziell unterstützt wird, für den Deutschunterricht hat und welche Wege dieser (u.U. in Kooperation mit anderen Schulfächern oder außerschulischen Bildungsinstitutionen) beschreiten kann, um Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien zu fördern.

Ein weiterer Ausgangspunkt der fachdidaktischen Reflexion sind die digitalen Medien selbst: Welche Rolle sollen im Deutschunterricht beispielsweise Youtube-Videos, Online-Plattformen oder Computerspiele haben? Und welche sinnvollen Einsatzmöglichkeiten bestehen etwa für interaktive Whiteboards, Tablets, Reading Pens, Smartphones, digitale Lernspiele, digitale Zusatzangebote von Schulbüchern?

Programm OEFDD-Tagung Salzburg 2019

Else Lasker-Schüler zum 150. Geburtstag

Vor 150 Jahren ist die Künstlerin Else Lasker-Schüler geboren – und wurde zur zentralen jüdischen Dichterin gerade während der Emigration in der Schweiz.

Der Link zum Artikel von Andreas Kilcher (Universität Zürich) – Prinz Jussuf von Theben, die Dichterin aus Wuppertal:

https://www.tachles.ch/artikel/kultur/prinz-jussuf-von-theben-die-dichterin-aus-wuppertal

Gastvortrag – Postkolonialismus: Theorie und Anwendung

Referent: Prof. Dr. Florian Krobb

Datum: Mittwoch, 23.01.2019 von 10:00 – 11:00 Uhr, N.1.43

 

Abstract:

Nach einer kurzen Einführung in die Grundpositionen und Grundkonzepte dessen, was man sich als ‚postkoloniale Theorie‘ zu bezeichnen angewöhnt hat, soll an zwei zeitnahen themenverwandten, doch in ihrer Behandlung kolonialer Problematiken entgegengesetzten Beispielen das analytische Potential dieses Ansatzes demonstriert werden, nämlich an Karl Mays afrikanischen ‚Reiseerzählungen‘ („Der Mahdi“ und „Die Sklavenkarawane“) und Wilhelm Raabes vieldiskutierten Romanen „Abu Telfan“ und „Stopfkuchen“. Bei der Skizzierung des diskursiven Umfeldes kommen auch die Beiträge zweier österreichischer Reiseschriftsteller zur Sprache (Ernst Marno, Emil Holub).

Kontakt:
Sabine Seelbach (sabine [dot] seelbach [at] aau [dot] at)

Interessenten sind herzlich eingeladen.

Lesung: Mehrsprachigkeit(en) in der Literatur

Referenten: Clara Felis und Dominik Srienc

Termin: Freitag, 18.01.2019, 14.00 – 17.00 Uhr, Raum: N.1.43

Bei Nachfragen wenden Sie sich an peter [dot] clar [at] aau [dot] at

 

Abstract:

Die Frage nach der Mehrsprachigkeit ist ein Thema, dass die Menschheit seit jeher begleitet und auch in heutigen Zeiten nichts von seiner Aktualität verloren hat – im Gegenteil. Viele Schriftsteller_innen setzen sich, auf unterschiedlichsten Ebenen, mit der Frage nach der Mehrsprachigkeit auseinander, seien es Autor_innen mit ‚Migrationshintergrund‘ (ein schwieriger und sehr heterogen verwendeter Begriff), seien es Autor_innen, die einer autochthonen Minderheit angehören aber auch Autor_innen, die in keine der beiden Gruppen fallen. Denn die Auseinandersetzung mit fremden Sprachen und damit vermeintlich fremden Identitäten ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache und damit der eigenen Identität, wie das Fremde ein Teil des Eigenen ist, ist das Eigene Teil des Fremden. Zudem birgt das Spiel mit anderen sprachlichen Strukturen ein schier unerschöpfliches Reservoir an Inspiration, erweitert eigene Denk- und Schreibmuster, führt zu neuen kreativen Prozessen.

Zwei junge österreichische Autor_innen, die sich beide aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema ‚Mehrsprachigkeit‘ beschäftigen werden am 18.1.2019 an der Universität Klagenfurt zu Gast sein und nicht nur aus ihren Texten lesen, sondern auch für eine anschließende Diskussion zum Thema zu Verfügung stehen. Clara Felis 1985 geboren, lebt in Wien und ist seit Jahren Teil der österreichischen Poetry-Slam-Szene. Neben zahlreichen Auftritten und Veröffentlichungen als Slammerin (zuletzt etwa in der Anthologie Slam Oida, hg. von Mieze Medusa und Markus Köhle) beschäftigt sie sich auch wissenschaftlich mit der Frage des Poetry Slams/der Slam Poetry (u. a in dem 2013 erschienenen Auf den Spuren der Lyrik beim Poetry Slam: Ein Vergleich der US-amerikanischen und der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szenen). In ihrem Projekt dichtongue nähert sie sich spielerisch dem Thema Mehrsprachigkeit, indem sie verschiedene Sprachen miteinander vermischt, mit Klanglichkeit und Schriftbild experimentiert und somit Mehrsprachigkeit als kreativen Prozess erlebbar werden lässt. Auch Dominik Srienc, geboren 1984 in Bach (Kärnten), nähert sich der Literatur und der Mehrsprachigkeit von mehreren Seiten. Er ist Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, studierte Deutsche Philologie und Slawistik in Wien und Olomouc, war zwei Jahre als Lektor in Kirgistan und Armenien, tätig und arbeitet momentan am RobertMusil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt u.a. die Kärntner slowenische Literatur. 2014 erschien sein erster Lyrikband im Verlag Drava unter dem Titel Tu je konec · Hier ist Schluss.

Interessenten sind herzlich eingeladen!