16.10.: Gerhard Rühm: WORT UND BILD. Eröffnung und Sprechkonzert

WORT UND BILD

Werkschau Gerhard Rühm

Eröffnung/Sprechkonzert: Freitag, 16. 10. 2020, 19.30 Uhr (Anmeldung erforderlich)

Ausstellungsdauer: 19. 10. 2020 – 15. 01. 2021

Öffnungszeiten: Mo–Fr 09.00-16.00 Uhr (um vorherige Anmeldung wird gebeten)

Anmeldung für Sprechkonzert/Eröffnung: musil-institut [at] aau [dot] at oder 0463 27002914

 

Weitere Termine:

Samstag, 17.10.2020, 15 Uhr: Künstlergespräch / Kuratorenführung in der Ausstellung WORT UND BILD mit Gerhard Rühm und Erec Gellautz

Mittwoch, 18.11.2020, 17 Uhr: Kuratorenführung durch die Ausstellung Gerhard Rühm – WORT UND BILD mit Erec Gellautz und Michaela Mak

 

 

Eine Ausstellung im 1. Stock des Musil-Instituts zeigt eine kleine Werkschau des Universalkünstlers Gerhard Rühm zu visueller und auditiver Poesie und Musik. Präsentiert werden u.a. Collagen, Buch- und Textobjekte sowie experimentelle Videoarbeiten aus der Co-Produktion mit Hubert Sielecki.

Rühms Werkkosmos situiert sich durch vielfältige Bezüge von Musikalität, Sprachpoesie und bildnerischem Ausdruck in den Grenzbereichen zwischen den Künsten und Gattungen. Durch kompositorische Strenge oder das Zufallsprinzip, mittels Reduktion und Rhythmisierung erschließen seine Arbeiten neue mediale Codierungsformen und erweitern damit das Spektrum des ästhetischen Ausdrucks und seiner Sinnzusammenhänge.
Vergleichbar mit den Ansätzen von Arnulf Rainer oder John Cage betreibt Rühm eine radikale Reduktion der Mittel wie Klang, Bild und Text, was ihn u.a. zur Collage von „Einworttafeln“ oder zur Komposition von „Eintonstücken“ führte.
Seine Werkgruppe der Visuellen Musik umfasst zahlreiche Arbeiten, die nicht mehr für die Aufführung, sondern nur zum Anschauen für das „innere Ohr“ der Betrachter*innen gedacht sind.

Das Medium Buch mit seinem fortlaufenden Satzspiegel regte Rühm schon Anfang der 1960er Jahre zu Übermalungen (in seinen Worten „Vertuschungen“) und zu Cut-outs ganzer Passagen an. Zahlreiche der so entstandenen Künstlerbücher werden in der Ausstellung präsentiert. Seit über sechs Jahrzehnten entwickelt Gerhard Rühm eines der vielgestaltigsten Werke der Gegenwartskunst und agiert mit unverkennbarem Stil als Dichter, Komponist und Performer seiner eigenen Werke.

Das Musil-Institut freut sich sehr, dass Rühm am Eröffnungstag der Ausstellung gemeinsam mit Monika Lichtenfeld eines seiner Sprechkonzerte geben wird, die von seiner Fangemeinde, zu der auch Falco zählte, enthusiastisch aufgenommen wird.

 

Gerhard Rühm
Geboren 1930 in Wien. Autor, Komponist und bildender Künstler, lebt in Köln und Wien. Er studierte Klavier und Komposition in Wien. Im Rahmen der „Wiener Gruppe“ arbeitete er mit F. Achleitner, H.C. Artmann, K. Bayer und O. Wiener zusammen und wurde zu einem der wichtigsten Anreger der österreichischen Literatur nach 1945. Von 1972 bis 1996 war er Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und von 1978 bis 1982 Präsident der Grazer Autorenversammlung. Rühms Arbeiten sind im Grenzbereich von Musik, Sprache, Gestik und Visuellem angesiedelt. Seine Hör-Produktionen sind herausragende Beispiele für das Neue Hörspiel und die Akustische Kunst. Außerdem verfasste er zahlreiche Werke der experimentellen Poesie für zwei Stimmen, die er gemeinsam mit seiner Frau Monika Lichtenfeld vorträgt. Viele seiner Publikationen erschienen im Klagenfurter Ritterverlag.

 

Organisation der Ausstellung
Robert-Musil-Institut für Literaturforschung und Abt. Visuelle Kultur der Universität Klagenfurt

Kuratorisches Team
Erec Gellautz mit Michaela Mak

Covid-19-Hinweise für Sprechkonzert und Eröffnung
Die Veranstaltung findet unter den derzeit geltenden Bestimmungen statt, dazu zählen Contact Tracing (namentliche Registrierung mit Telefonnummer und E-Mail vor Ort), Mitnahme und Verwendung eines eigenen Mund-Nasen-Schutzes während der gesamten Veranstaltung, Einhaltung des 1-Meter-Abstands zu allen nicht im gleichen Haushalt lebenden Personen. Einlass und Auslass
in möglichster Ordnung und unter Einhaltung des Mindestabstandes von einem Meter. Händedesinfektionsmittel wird in bestimmten Bereichen (Sanitäranlagen, Eingang/Ausgang) bereitgestellt.

 

 

13.10.: Simone SCHÖNETT – Das PI der Piratin, Lesung

Simone Schönett
Das Pi der Piratin

Lesung 19.30 Uhr

 

Können Frauen in der männlich gefärbten Sprachwelt ihre eigene, die weibliche Begierde zum Ausdruck bringen? Die Ich-Erzählerin in Simone Schönetts rasanter Prosa begibt sich auf die Suche nach einer weiblichen Sprache der Lust. Sie will ihrer Libido Ausdruck verleihen, forscht nach den ihr gerechten Worten, merkt aber bald, dass es nicht genügt, nur aus dem Fundus der Männer Ausdrücke für das zu nehmen, worum es eigentlich geht. Etwas Neues muss entstehen. Denn solange das Wort einer Frau nicht gilt, bleibt die mögliche Eintracht zwischen den Geschlechtern immer nur Utopie …

Eine lustvolle Revolution der weiblichen Sprache, die uns über die Grenzen der gängigen Ausdrucksweise hinausführt.

 

Simone Schönett, 1972 in Villach in eine jenische Familie geboren, studierte Romanistik, Pädagogik und Medienkommunikation. Längere Aufenthalte in Italien, Israel, Australien. Seit 2001 arbeitet sie als freie Schriftstellerin.
Mitbegründerin von ‚Wort-Werk‘ und Mitveranstalterin von ‚Die Nacht der schlechten Texte‘. Zuletzt erschien der Roman Andere Akkorde (Edition Meerauge, 2018).

Moderation: Michaela Monschein

06.10.: Eva Schörkhuber – author@musil

Eva Schörkhuber

author@musil

Nachricht an den großen Bären

Lesung

19.30 Uhr            

 

Eva Schörkhuber ist nach Mladen Savić die zweite Autorin, die auf Einladung des RMI/KLA in Klagenfurt sein wird. An diesem Abend liest sie aus ihrem Roman Nachricht an den Großen Bären, der sich mit Mechanismen der Angst und Formen des Widerstandes beschäftigt und von Verzweiflung und der Hoffnung auf eine bessere Welt erzählt.

Nachricht an den Großen Bären
Geheime Papiere gegen den Faschismus. In naher Zukunft: Die Rechtspopulisten haben die Macht ergriffen, Europa ist in Zonen aufgeteilt, die Menschen sind angesichts des neuen faschistischen Regimes verängstigt. Während Claire hinter Barrikaden kämpft, sitzt ihre Freundin Su mit geheimen Papieren im Zug. Wenn es ihr gelingt, damit unbemerkt die Grenze zu passieren, ist es vielleicht noch nicht zu spät.

Eva Schörkhuber, 1982 in St. Pölten geboren, aufgewachsen in Oberösterreich. Literaturwissenschaftliche Promotion über Archiv- und Gedächtnistheorien. Lebt und arbeitet in Wien. Konzeption und Durchführung der Wiener Soundspaziergänge. Redaktionsmitglied bei PS – Politisch Schreiben / Anmerkungen zum Literaturbetrieb. exil-Literaturpreis 2012, Theodor-Körner-Preis 2013, Buchprämie der Stadt Wien 2015, author@musil in Klagenfurt 2020.
Zuletzt erschien ihr Roman Nachricht an den Großen Bären (2017), der Sammelband Warum feiern – Beiträge zu 100 Jahre Frauenwahlrecht (Hg. gemeinsam mit Elena Messner und Petra Sturm, 2018) sowie die Monografie Akte(n) der Verwahrung. Zugänge zu einem Archiv der Literatur (2019). Ihr neuer Roman wird im Frühling 2021 in der Edition Atelier erscheinen.

 

 

author@musil: Das RMI / KLA lädt Autor/innen ein, für einen Zeitraum von drei oder vier Monaten Gast-Mitarbeiter/in am Institut zu sein. Sie beteiligen sich an Forschungsschwerpunkten des Instituts, geben Einblick in die eigene Schreibarbeit, wirken am Veranstaltungsprogramm des RMI durch Planung und Mitgestaltung einer eigenen Reihe mit oder leiten Schreibworkshops.

In Kooperation mit FOR FOREST

For Forest LOGO neu

 

29.09.: „Von Äpfeln, Glasaugen und Rosenduft. Literaturgeschichten“, Buchpräsentation, Lesung, Gespräch

 

Gerhard Melzer

„Von Äpfeln, Glasaugen und Rosenduft. Literaturgeschichten“

Buchpräsentation, Lesung, Gespräch

Dienstag, 29. 09. 2020

19.30 Uhr

 

In 25 Miniaturen eröffnet Gerhard Melzer einen anderen, ungewohnten Blick auf Schlüsselfiguren der österreichischen Literatur (u.a. Peter Handke, Marlen Haushofer, Peter Henisch, Elke Laznia, Florjan Lipuš, Christoph Ransmayr, Ferdinand Schmalz, Marlene Streeruwitz, Peter Turrini,). Frei nach Peter Handke verstehen sich seine Beiträge als erhellende Nacherzählungen, die das Besondere des jeweiligen Werks aufschließen und akzentuieren – dabei richtet er sein Augenmerk auf vermeintlich Nebensächliches, auf Dinge, Zusammenhänge und Situationen, die im Schlagschatten der großen Ereignisse bleiben.

 

„Auf dieser Entdeckungsreise sind manche Interpreten Reisebegleiter. Dazu zähle ich Gerhard Melzer, der in dem vielfältigen Panorama seiner ‚Literaturgeschichten‘ die Sprache in der Sprache zu entdecken hilft.“ (Franz Schuh)

 

Buchpräsentation: Gerhard Melzer

Lesung: Anna Baar und Josef Winkler

Gerhard Melzer im Gespräch mit Josef Winkler und Anna Baar

Moderation: Edith Bernhofer

10.09.: „Olle im Doaf“, Ein Abend zu Bernhard C. Bünker

 

„Olle im Doaf“                   

Ein Abend zu Bernhard C. Bünker

 

Donnerstag, 10. 09. 2020

19.30 Uhr

 

Lesungen mit Michael Bünker und Axel Karner
Musik: Gottfried Gfrerer

 

Er gilt als einer der wichtigsten Dialektdichter der Alpenrepublik. Zum zehnten Todestag erschien ein Band mit Prosa, Satiren und Gedichten, herausgegeben von seinen langjährigen Freunden Axel Karner und Manfred Chobot, die sich regelmäßig auf kleine Lesereisen durch die Tiefen der Kärntner Mundart begeben.

Bernhard C. Bünker hat immer gegen Heimattümelei, gegen  Verklärung oder Verharmlosung angeschrieben, hat den Dialekt  vielmehr als emanzipatorisches Mittel genutzt, um literarisch  auf drängende Probleme der Gegenwart hinzuweisen: auf die Zerstörung der Umwelt etwa, die ihm schon in den 1970er Jahren wichtig war, auf Armut, Benachteiligung, Bevormundung oder Ausgrenzung von Menschen, denen er grundsätzlich mit Empathie und Solidarität begegnet. Das gilt sogar dann, wenn wie in der titelgebenden Geschichte die Individuen zur Masse verschmelzen, wenn die Leute im Dorf kollektiv über alte Verbrechen schweigen und neues Unrecht zulassen: Ganz nah bleibt der „Hamatdichter“ an seinen Figuren, wenn er sie beobachtet, von ihnen erzählt, kompromisslos entlarvend und doch so souverän, dass er ihnen ihr Menschsein, ihre Fehler nicht nehmen muss.

 

 

Bernhard C. Bünker, geboren 1948 in Leoben als ältestes Kind des Ehepaares Liesl und Otto Bünker (evangelischer Pfarrer und Dichter), kam 1954 nach Kärnten, wo die Familie seit Generationen lebte. Ab 1970 Studium der Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte, evangelische Religion in Wien; später Rückzug ins Waldviertel, wo er 2010 infolge einer Bluttransfusion starb.

 

Eine gemeinsame Veranstaltung mit der GAV (Grazer Autorinnen und Autoren Versammlung) und dem Heyn Verlag.

23.08.: Bilder einer Landschaft – Lesungen mit Anja Golob (SI), Cvetka Lipuš (A) und Jill-Francis “Źilka” Käthlitz (D)

Sonntag, 23. 08. 2020                                       

11.00 Uhr

 

WOBRAZY KRAJINY. PODOBE POKRAJINE. BILDER EINER LANDSCHAFT. WOBRAZE KRAJINY.

3-Länder-Kunstprojekt 2019-2020

Lesungen mit Anja Golob (SI), Cvetka Lipuš (A) und Jill-Francis “Źilka” Ketlicojc (D)

 

 

Ausstellungen bildender Kunst, Leseveranstaltungen und Konzerte zeigen in einer gemeinsamen Präsentation zeitgenössischer KünstlerInnen aus Deutschland, Slowenien und Österreich deren Positionen zu den miteinander verknüpften Themen „Bilder einer Landschaft“ und „Übergang“.

„Landschaften werden zu Energieträgern, deren Abbilder zu Ideenträgern“, so der Kärntner slowenische Künstler Karl Vouk in seinem Geleit zum gemeinsamen Kulturprojekt.

Das Projekt findet in Anknüpfung an PŘECHOD 01 – Sorbische Kulturtage in Kärnten (2014) und PŘECHOD 02 – Karl Vouk. Satkula – (s)twor(jen)a krajina. / Die Wa(h)re Landschaft (2015) statt.
Beinhaltet sind die Bereiche visuelle Kunst (Wander-Kunstausstellung), Literatur (literarische Lesung) und Musik (Konzert).

 

Anja Golob, geb. 1976 in Slovenj Gradec, ist die derzeit wohl prägnanteste poetische Stimme Sloweniens. Sie ist Mitbegründerin und Herausgeberin des Verlags VigeVageKnjige und lebt als Autorin, Übersetzerin und Publizistin in Ljubljana. Auf Slowenisch liegen von ihr bisher vier Gedichtbände vor, in deutscher Übersetzung der Auswahlband ab und zu neigungen (hochroth Wien, 2015) sowie das von Golob auf Deutsch geschriebene Hin-und-her-Gedicht mit Nikolai Vogel: Taubentext, Vogeltext (hochroth München, 2018).

Jill-Francis Ketlicojc/Käthlitz (Pseudonym Źilka), Jahrgang 1991, wurde in Cottbus (Chóśebuz) geboren und arbeitet dort seit September 2019 als Redakteurin bei der niedersorbischen Wochenzeitschrift Nowy Casnik. Niedersorbisch, die Sprache ihrer Vorfahren, erlernte sie als erste Fremdsprache. Sie absolvierte ein Bachelor-Studium der Sorabistik an der Universität Leipzig und anschließend ein Master-Studium an der MLU Halle-Wittenberg in den Fächern Komparatistik und Interdisziplinäre Polenstudien.  Seit 2015 erscheinen regelmäßig niedersorbische Gedichte und Prosatexte (v.a. Kindergeschichten) von ihr in verschiedenen Zeitschriften (v.a. in Rozhlad, Serbska Pratyja, Płomje, Stog/Der Schober). 2017 wurde sie für ihr Engagement für die niedersorbische Sprache vom WITAJ-Sprachenzentrum Cottbus ausgezeichnet.

Cvetka Lipuš, geboren 1966 in Bad Eisenkappel. Nach dem Studium der Komparatistik und Slawistik in Wien und Klagenfurt lebte sie fünfzehn Jahre in den USA, wo sie an der Universität Pittsburgh Bibliotheks- und Informationswissenschaften studierte. Seit 2009 lebt und arbeitet sie in Salzburg. Bisher hat sie sieben Gedichtbände in slowenischer Sprache veröffentlicht, von denen die meisten auch in deutscher Übertragung erschienen sind. Für den Band Kaj smo, ko smo wurde Cvetka Lipuš 2016 mit dem Preis der renommierten slowenischen Prešeren-Stiftung ausgezeichnet.

 

 

ACHTUNG:
Für einen reservierten Sitzplatz bitten wir Sie, uns Ihre Teilnahme unter der Telefonnummer: 0463/501429 oder per E-Mail: musilmuseum [at] klagenfurt [dot] at bekanntzugeben.

 

 

Eine Kooperation des Robert-Musil-Instituts für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv mit Karl Vouk und dem Robert Musil Literatur Museum

Bis 30. 08. 2020 findet im MMKK – Museum Moderner Kunst Kärnten die Ausstellung „Wobrazy krajiny. Podobe pokrajine. Bilder einer Landschaft. Wobraze krajiny“ statt.

20.08.: „Donnerszenen“ – Paul AUER und Norbert KRÖLL

DONNERSZENEN: Kärntens Kunstszene in Duo-Formationen in den romantischen Innenhöfen der Stadt Klagenfurt. Mit einem hochkarätigen Programm aus Musik, Theater und Literatur lädt die Kärntner Landeshauptstadt jeden Donnerstag in den Sommermonaten zur „Freiluftkultur“ bei GRATIS EINTRITT. Neben einigen „klassischen Höfen“, die in einem Sommerprogramm nicht fehlen dürfen, entführen die Donnerszenen auch in versteckte, teils private Innenhöfe, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

PROGRAMM

 

Neue Literatur aus Kärnten

Paul AUER: Fallen

Norbert KRÖLL: Wer wir wären

 

Donnerstag, 20. 08. 2020

Ossiacher Hof, Wiener Gasse 10

 

Beginnzeiten: 16:30 / 18:00 / 20:45
Regenlocation: Heiligengeistkirche, Heiligengeistplatz

 

Die beiden gebürtigen Kärntner Paul Auer und Norbert Kröll stellen im Rahmen der „Donnerszenen Klagenfurt“ gemeinsam ihre neuen Romane vor.

Norbert Krölls tiefsinniger Roman ist eine poetische Sinnsuche mit Umwegen, wie sie nur das Leben vorgibt.

Paul Auer beschreibt eine skurrile Heldenreise, die den Protagonisten nicht nur an den Rand seines Verstands, sondern auch in eine geheime Stadt im Hochgebirge, ein alpines Shangri La, führt.

 

Fallen

Seine neue Nachbarin hat rote Augen und hört die ganze Nacht Goa-Trance. Immer öfter träumt er vom zweiten Leben Jesu nach der Kreuzigung. Sein toter Freund Tommy läuft ihm regelmäßig über den Weg. Im Leben des Studenten Christian passieren eigenartige Dinge.

Dabei hat er sich längst mit seinem mittelmäßigen melancholischen Dasein arrangiert. Umso verstörender, dass darin die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum zusehends verschwimmen. Nach und nach wird ihm klar, es handelt sich hier um die Auswirkungen einer fremden Lebenskrise, nämlich der des gefallenen Erzengels Luzifer. – Ausgerechnet er ist ihr erstes Opfer.

Paul Auer, geb. 1980 in Kärnten, lebt in Wien, studierte Kultur- und Sozialanthropologie, Mitglied der Literaturgruppe „Textmotor“; Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. 2017 erschien mit Kärntner Ecke Ring sein Romandebüt

 

Wer wir wären

Der Student Albert ist fasziniert, als er den etwas verschrobenen Künstler Klaus kennenlernt. Zwischen den beiden entwickelt sich rasch eine tiefe Freundschaft – bis sich Klaus zu verändern beginnt. Er sendet seltsame Signale aus, fühlt sich von ominösen Menschen verfolgt und isoliert sich zusehends. Albert erkennt die Symptome der beginnenden Schizophrenie erst spät und kann nicht damit umgehen. Er zieht sich zurück und stürzt sich in die Beziehung mit Elisabeth. Doch der Gedanke, dass er seinen besten Freund im Stich  gelassen hat, lässt sich einfach nicht abschütteln, und Albert erkennt, dass er eine Entscheidung treffen muss.

Norbert Krölls tiefsinniger Roman ist eine poetische Sinnsuche mit Umwegen, wie sie nur das Leben vorgibt.

Norbert Kröll, geb. 1981 in Villach, lebt und arbeitet in Wien, studierte u. a. Schlagwerk, Tontechnik, Philosophie und Sprachkunst, Gründungsmitglied der Bands Giantree und Dawa. Wiener Literatur Stipendium 2016.

 

Moderation: Franziska Mader und Edith Bernhofer

 

Mladen Savić: Immer wieder Gartengesänge

Wieder und immer wieder, genauer gesagt, jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse oder eben in meine Residenz am Viktringer Ring zurückkehre nach schönen Ausflügen und ausgiebigem Feiern, bin ich überrascht und überwältigt von dem Farbenreichtum und der Üppigkeit des wilden Gartens, der nicht nur für mich einen Zufluchtsort im Stadtzentrum darstellt, eine wahre Oase für Ruhe und Rückzug, sondern auch ein wertvolles Habitat für eine ganze Reihe von Vögeln, Säugern, Amphibien und Insekten.

Über Monate hinweg, in denen ich hier hause, ist es mir möglich gewesen, diesen gleichsam antiautoritären Garten, natürlich wachsend und selbständig sich anordnend, wie er, abgesehen von kleineren Eingriffen, ist, nach und nach zu beobachten. Radial sind manche Stauden größer geworden, doch das horstig wachsende Dickicht bleibt überschaubar. Die Laubbäume mit ihren saftigen Kronen wiegen sich im Wind und säuseln eine Melodie, fast so alt wie das Wellenrauschen am Wasser seit Urzeiten. Vor mir erstreckt sich, versteckt hinter Villa, Radweg und Straße, eigentlich eine Nische für Flora, Fauna und Biodiversität.

Wo im Frühling noch dicht verstreut am Boden lauter Blütenblätter gelegen sind, als Notblüten wahrscheinlich, weil das Wetter spinnt, dort unter dem Magnolienbaum, wo ich gerne sitze und raste und entspannt in die Welt hinausschaue, grünt nun alles. Früher sind da flauschige Samen zu finden gewesen, von Kuhschellen, glaube ich, und Mutterkraut, das irgendwie an Gänseblümchen erinnert und den Schnecken angeblich verhasst ist, und Löwenzahn, der eine Leber schützende und Krebszellen hemmende Wirkung hat und bekanntlich für den Salat verwendet werden kann.

Man stelle sich bloß einmal vor: Ein Bienenvolk muss ungefähr 50.000 bis 100.000 Löwenzahnbesuche durchführen, um ein einziges Kilogramm Honig daraus zu gewinnen. Schon die Größenordnungen übersteigen meine Vorstellungskraft, von den weltweit jährlich produzierten 1,8 Tonnen süßer Köstlichkeit ganz zu schweigen … Und je diverser die pflanzlichen Arten vor Ort, von dem sich Bienen dann den Nektar holen, desto besser und schmackhafter der Honig! All das wäre ohne derlei Nischen, die ja Lebensräume für die Tiere sind, viel schwerer.

Andere krautige Blütenpflanzen scheinen einander im Garten der For-Forest-Villa an Präsenz und Farbenpracht überbieten zu wollen, und auch der angepflanzte Meerrettich, wie ich sehe, hat an Größe deutlich zugenommen. Überhaupt stellt dieser Ort eine Ausnahmeerscheinung dar mit all seinen pflanzlichen Gartenvagabunden, die ich seit meiner Ankunft im Frühling erspäht habe: dunkle Akeleien und helle Christrosen in engen Spalten, Krokusse in der Wiese, Dahlien mitten im Gebüsch, Lilien am Teich und duftender Lavendel, der in mir, solange er nicht im Kleiderschrank liegen muss, um die Motten zu vertreiben, aromatisch so etwas wie mediterrane Lebensgeister weckt.

Ich mag es sehr. Manchmal bedauere ich, kein Gärtner geworden zu sein, der sich mit Pflanzen praktisch auskennt – ein bisschen zumindest. Als Stadtkind hat so ein Wissen, eines über Hortikultur nämlich, auf mich meist wie ein Vorzug gewirkt gegenüber dem Kennen aller Automarken oder Fernsehserien, wie es für die Bewohner der Betonwüste üblich ist. Ansonsten neige ich nicht zur Romantisierung der sogenannten Bodenständigkeit und Naturnähe. Ein wilder Garten indes ist ein großes Glück!

Darüber hinaus, wie ich bei Gelegenheit anmerken möchte, fördert die wissenschaftliche Forschung von heute zutage, dass das berüchtigte Spielen im Dreck, was Kinder gemeinhin lieben, und das gärtnerische Wühlen in der Erde mit nackten Händen tatsächlich gesund seien, und zwar insofern, als sich im Boden ein gewisses Mycobacterium vaccae befindet, welches den besonderen Effekt aufweist, physische Schmerzen zu lindern und das emotionale Wohlbefinden zu unterstützen. In Testversuchen soll das interessante Bakterium aus dem Erdreich ähnliche Erfolge verzeichnet haben wie künstlich hergestellte Antidepressiva, in erster Linie wegen seiner Förderung der Balance im Immunsystem sowie der Serotoninproduktion im Gehirn. Unglaublich!

Tatsache und ebenso einleuchtend ist, dass heimische Pflanzen, die sich eigenständig ihren Standort suchen, entsprechend perfekt daran angepasst sind. Wörtlich haben sie weise gewählt, denn das Sinnvolle setzt sich durch. Stets setzt die lebendig-dynamische Pflanzenverwendung einen bestimmten Kreislauf voraus: passender Standort und Nachbarn – Blüten – Insekten – Bestäubung. Selbiger ist Voraussetzung für einen gelungenen Garten. Vom Sommer bis zum Herbst findet man an den verblühten Blüten und ausgetrockneten Beeren verschiedene Vögel wie Amseln und Finken, beispielsweise an Distelarten. Ab Herbst essen Käfer, Mäuse und Bilche die vorhandenen Samen oder sammeln sie als Futtervorrat für den Winter.

Es ist rechtens, auch hierorts von einem standortgerechten Wuchs zu reden, wenn Pflanzen sich ihr Plätzchen selbst aussuchen, auf natürliche Art und Weise, ohne allzu viel äußeren Zwang. Dieser Zugang offenbart zugleich ein mikrosoziales Bekenntnis zum ökologischen Gleichgewicht im gegenwärtigen Gezerre zwischen Natur und Kultur. Die menschlichen Störungen dieses Gleichgewichts durch die Einführung invasiver Arten haben anschaulich gezeigt, was für gefährliche Folgewirkungen dabei auftreten können: bei Tieren die geschichtlich berühmte australische Hasenplage aufgrund fehlender, natürlicher Feinde und bei Pflanzen in Europa nunmehr die ungebremste Ausbreitung der amerikanischen Lupine oder des japanischen Staudenknöterichs auf Kosten anderer Vegetation.

Die Gartenkunst als solche gibt es schon lange. Die mehr als 4000 Jahre alten Felsengräber im ägyptischen Benni Hassan belegen mit ihren Abbildungen ein kultisches Anlegen von Gärten, da im antiken Ägypten die Bäume allgemein als heilig gegolten und, neben dem zur Schau gestellten Wohlstand, auch das religiöse Versprechen der Wiedergeburt symbolisiert haben. Auch daheim am alten Kontinent haben sich nach der Verwüstung Roms über Jahrhunderte allmählich die Mönche zwecks landwirtschaftlicher Unabhängigkeit Nutzgärten und später Aristokraten Lustgärten zu kontemplativ-ästhetischen Zwecken angelegt, angefangen mit Charlemagne alias Karl dem Großen, einem persönlichen Freund des Kalifen Harun ar-Raschid, der ihm großzügige Geschenke gemacht hat – so allerlei, von einem weißen Elefanten bis hin zu feinsten Früchten und Zierpflanzensamen.

Der Garten hat einstmals den greifbaren Gegensatz zur ungezähmten Naturlandschaft verkörpert, wobei das Geometrische daran, von Versailles bis Schönbrunn, als ein Ausdruck des Kultivierten und Veredelten, des bewusst Künstlichen gelten soll. Die konzeptuelle Beschränkung allein auf Struktur, Gestalt und Geometrie reicht nicht aus, um den Begriff des künstlichen Objekts abseits seiner Funktion sinnvoll herauszuschälen. Doch fest steht, wie Jacques Monod einmal gesagt hat, dass „der Ordnungsgrad selbst des einfachsten Organismus unvergleichlich viel höher ist als der eines Kristalls“, welcher „makroskopischer Ausdruck einer mikroskopischen Struktur“ ist – auch wenn ein Außerirdischer zu Besuch auf unserem Planeten die regelmäßige, kristalline Form anfänglich wohl kaum für eine natürlichen Ursprungs halten würde. Auf ähnliche Weise ist der Ordnungsgrad eines Waldes um ein Vielfaches höher und komplexer als der eines von Menschenhand angelegten, begehbaren, botanischen Gartens.

Heutzutage, da überhaupt wenig Wildnis in der Landschaft und wenig Natürlichkeit im menschlichen Lebensraum anzutreffen ist, sondern hauptsächlich artifizielles Umfeld, steigt wieder der Wunsch nach dem Unberührten, das teils sich selbst überlassen wäre, nach dem Ausgleich von Natur und Kultur. Dieser Wunsch kündigt sich an als kollektiv unbewusste Gegenwehr zur übermäßig geometrischen Architektur und zur Strenge und begleitenden Lebensfeindlichkeit gängiger urbaner Planung.

Ohnehin strotzt der Alltag vor statischen, monotonen und berechenbaren Formen, in nahezu jeder Hinsicht. Doch das Bedürfnis im Menschen, sich Lebensbereiche zu schaffen und frei zu räumen, in denen dennoch eine natürliche Dynamik und eine naturverbundene Ästhetik herrschen, ist als Anlage vorhanden und bleibt uns, solange wir wahrlich Menschen sind, auch erhalten. Darum möchte ich die impliziten Wertigkeiten des Antiautoritären, obwohl es nur den Garten betreffen mag, in diesem Zusammenhang nicht unterschlagen: Toleranz und Affinität für das Ungeplante als eine Art Ablehnung von kompletter Komposition und durch und durch reglementierter Totalität.

 

Alle TEXTE von Mladen Savić

 

FOR FOREST – Serie in Kooperation mit dem Musil-Institut, Teil 9

 

09.08.: Lesung von MLADEN SAVIĆ im Rahmen der Ausstellung „Birds flying into liberty“, CO-Festival Villach

Sonntag, 09. 08. 2020

Mladen Savić

 

19.00 Uhr Lesung von Mladen Savić im Rahmen der Ausstellung Birds flying into liberty

Ort: Kunst Raum Villach, Hauptplatz 10, 9500 Villach

 

Mladen Savić, ein Meister des Ungemütlichen als Essayist und Sozialkritiker, war im Frühjahr 2020 als erster „author@musil“ auf Einladung des Robert-Musil-Instituts in Klagenfurt zu Gast. Im Rahmen seines Aufenthaltes entstand eine Reihe an Blog-Texten, er hielt außerdem an der Universität die Klagenfurter Vorlesungen zur Poetik.

Für die Ausstellung „Birds flying into liberty“ verfasst Mladen Savić einen eigenen Text, den er an diesem Abend u.a. lesen wird. Dieser erscheint auch in der nächsten Ausgabe der kaz.

Mladen Savić, geb. 1979 in Zagreb, Jugoslawien, hat Philosophie in Lennoxville, Québec, studiert, lebt und arbeitet aber als Lektor, Übersetzer und Autor in Wien. 2016 erschienen sein Debüt Mücken und Elefanten. Essays, Reflexionen, Polemiken sowie die Kurzgeschichtensammlung Alltagserlebnisse. 2017 ist mit Feuer am Dach ein weiterer Band mit Essays, Reflexionen und Polemiken in Druck gegangen. Zuletzt erschien im Klagenfurter Drava Verlag der Band Narrenschiff auf großer Fahrt (2020).

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv

 

Beitragsbild Text Malden Savic lesung Kunst Raum Villach

21.07.: Lesung von LYDIA MISCHKULNIG im Rahmen der Ausstellung „Birds flying into liberty“, CO-Festival Villach

Dienstag, 21. 07. 2020

Lydia Mischkulnig

 

19.00 Uhr – Empfang und Preview der Ausstellung „Birds flying into liberty“

20.00 Uhr – Lesung von Lydia Mischkulnig aus kulturpolitischen Texten und ihrem neuen Roman „Die Richterin“, Gespräch mit Edith Bernhofer über die (Un-)Sichtbarkeit von Frauen in der heutigen Gesellschaft, weibliche Perspektiven und

Machtverhältnisse.

Ort: Kunst Raum Villach, Hauptplatz 10, 9500 Villach

 

„Ich bin ein hochneugieriger Mensch. Ich glaube nichts. Ich muss überzeugt sein und suchend. Das geschriebene Wort brauchen wir, um zu wissen, wer wir sind. Die Sprache ist ein Spiegel, zugleich Abbild des Ichs und Abgrenzung von ihm.“

Lydia Mischkulnig ist eine der spannendsten und unkonventionellsten literarischen Stimmen Österreichs. Sie schreibt Erzählungen, Romane und Hörspiele. Als Prosaminiaturen sind ihre monatlichen Kolumnen in der FURCHE zu lesen. Dieser Tage erscheint ihr neuer Roman Die Richterin, ein sprachgewaltiges Psychogramm, in dem sie sich in die Welt einer Asylrichterin begibt.

Lydia Mischkulnig, geboren 1963 in Klagenfurt, lebt und arbeitet hauptsächlich in Wien. Seit 1991 ist sie literarisch tätig, 1994 debütierte sie im Droschl Verlag mit dem Roman Halbes Leben. Zuletzt erschienen: Die Paradiesmaschine (Erzählungen, 2016), Die sieben Leben der Marie Schwarz (Anthologie, 2020).