NEUE LITERATUR
Antonio FIAN:
In aller Offenheit
Lesung
Dienstag, 11. 11. 2025
19.30 Uhr
Moderation: Arno Rußegger
Antonio Fians Dramolette zählen zu den wenigen zuverlässigen Gradmessern in der Betrachtung der jüngsten Gegenwart, und sie tun es nahezu in Echtzeit. Mit scharfer Zunge und spitzer Feder, mit Galgenhumor und bestem Witz schaut Antonio Fian in die Seele von Volk und Tribun, Kultur und Weltpolitik.
Egal wie stark die Schieflage ist, diese pointierten Texte stellen sich quer und rücken die Probleme ins Licht, aber eben nicht ins rechte. Mit dabei sind Größen aus Kunst und Politik, Herr und Frau Arbeiter, die ehemaligen Beachvolleyball-Nachwuchsspieler vom Wörthersee, die charmant wie eh und je über Gott und die Welt philosophieren, und viele mehr.
Antonio Fians Texte von der durch ihn erst definierten Gattung ‚Dramolett‘ leben im ständigen Spannungsverhältnis zwischen Literatur und Wirklichkeit. Seine Prosa bemächtigt sich in realistischer Manier der ganz konkreten Ereignisse, um sie unversehens zu Versatzstücken seiner literarisch-satirischen Absichten zu machen. Fian spielt mit der alltäglichen Sensationsgier seiner potentiellen Leserschaft, wirft ihnen Brocken um Brocken vermeintlicher Tatsachen als Köder hin, um sie schließlich in seinen raffiniert ausgelegten Textschlingen zu fangen und ganz der Fiktion auszusetzen.
„Bevor man weiß, wie einem geschieht, hat sich ein gewisser Suchtfaktor eingestellt. In diesen Sketches und Szenen wird die öffentliche Rede auf winzige Dialoge abgekürzt, die Sauce des allgemeinen Palaverns auf den Fond reduziert, das Geschwätz aufs Trockenste eingedampft.“ (Konstanze Fliedl)
Antonio Fian, geboren 1956 in Klagenfurt, lebt seit 1976 in Wien. Er ist Autor von Romanen, Erzählungen, Essays und den sogenannten Dramoletten, mit denen er in unregelmäßigen Abständen in der Tageszeitung Der Standard (in erster Linie) das österreichische Kultur- und Geistesleben kommentiert. Für sein Werk wurden ihm 1990 der österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik, außerdem u. a. der Johann-Beer-Literaturpreis (2009), der Humbert-Fink-Literaturpreis (2014) und der Reinhard-Priessnitz-Preis (2018) verliehen. Mit seinem Roman Das Polykrates-Syndrom (Droschl, 2014, verfilmt als Glück gehabt 2019) war er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.