LITERATUR IM GESPRÄCH
Manfred Moser: Sprachmann
Buchpräsentation
Donnerstag, 04. 12. 2025
19.30 Uhr
Manfred Moser (1943–2022) lehrte Sprachphilosophie und Rhetorik an der Universität Klagenfurt. Zahlreiche Publikationen zu Philosophie, Semiotik, Ästhetik, Architektur und Literatur. 1992 erschien der Roman Second Land. Eine besondere Vorliebe Manfred Mosers war die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern in Projekten und Veranstaltungen an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst.
Im Rahmen einer Gesprächsveranstaltung mit Wegbegleitern und befreundeten Kollegen, u.a. Klaus Ratschiller, Dieter Bandhauer, moderiert von Artur Boelderl, wird der in diesem Jahr im Verlag Sonderzahl erschienene Roman Sprachmann vorgestellt; bis zuletzt hat der Sprachphilosoph Manfred Moser an diesem so formbewussten wie ausufernden Roman gearbeitet.
Ein Intendant namens Claus Ehwitz redet wie Carl von Clausewitz, ein Bühnenbildner namens MacYavalley wie Niccolò Machiavelli, eine Dramaturgin namens Maja Kowski wie Wladimir Majakowski. Sprachmann, der Autor des aufzuführenden Stücks, scheint selbst aus etlichen Personen zusammengesetzt, zur Hälfte jedenfalls aus einem berüchtigten Kärntner Politiker, zu einem kleineren Teil vielleicht aus Manfred Moser. Er hält anfangs die Fäden in der Hand und verschwindet, als ihm die Geschichte über den Kopf wächst. Sein Gegenspieler, der Ägypter, steht bis zuletzt so vollendet da, dass man schon zufrieden wäre, wenn man nur ein wenig von ihm geerbt hätte. Dieser Ägypter, wahrlich eine geheimnisvolle Figur, verkauft Zeitungen auf einer vielbefahrenen Kreuzung; in seinem tiefsten Inneren ist er wohl ein Gelehrter, der trotz seiner Zurückhaltung das Epizentrum dieses Romans darstellt.
Die Ereignisse jedenfalls überschlagen sich. Eine „Uraufführung“ wird vorbereitet: Die Nibelungen, groß angepriesen und vermarktet als „Sieg und Frieden“. Das Unternehmen scheitert, trotzdem finden irgendwie und irgendwo mehrere „Uraufführungen“ desselben Stücks statt. Ein „Urtext“ wird entdeckt, nochmal die „Urnot“, jedoch zweifach, an verschiedenen Orten, einmal auf dem freien Markt, einmal im Computer. Original und Kopie, geistiges Eigentum und geistiges Diebesgut sind kaum unterscheidbar.
In den Dialogen, die den Roman bestimmen, folgen die Worte Schlag auf Schlag, präzise abgehackt, vor allem Rhythmus, aber auch von hintergründiger Melodie. Was wahr erscheint, liegt zwischen dem Realen und dem Surrealen, begrenzt durch nachvollziehbare und überprüfbare Ereignisse in Zeit und Raum, unbegrenzt in ihrer Dynamik.
