Wissenswelten zwischen Himmel und Alltag: Internationale Mittelalter-Tagung in Klagenfurt

Angelika Kemper (Institut für Germanistik) und Christian Domenig (Institut für Geschichte) laden vom 7. bis 8. Juni 2018 Expertinnen und Experten aus aller Welt zur Tagung zum Thema „Zwischen Himmel und Alltag. Wissen und Gemeinschaft vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit“. Im Interview haben sie schon vorab erzählt, welche Bedeutung Wissen im Mittelalter hatte.

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Gastvortrag – Wege aus europäischen Krisen: Schriftsteller zu einer Verfassung für den Kontinent

Referent: Univ.-Prof. Dr. Paul Michael Lützeler (Washington University/St. Louis)

Termin: Montag, 28. Mai 2018, 12.00 Uhr, Raum: I.1.44

Abstract:  

Zu Beginn werden die großen Krisen des europäischen Staatensystems in den letzten 200 Jahren vergegenwärtigt (Ende der Napoleonischen Epoche, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg sowie die neue Nationalisierung in der Gegenwart.) Als Weg aus den Krisen des Kontinents wurden von Intellektuellen und Schriftstellern wiederholt Forderungen nach einer Verfassung für Europa erhoben, und zwar im Hinblick auf eine mögliche Föderalisierung des Kontinents. Diese Forderungen waren nicht vergessen, als man 2005 das Projekt einer Konstitution für die Europäische Union vorschlug, die allerdings nicht akzeptiert wurde. In der neuen Krise nach Brexit und dem drohenden Stillstand oder gar Verfall und angesichts der neuen französischen Initiativen verlohnt es, sich der alten Ideen von einer Verfassung für Europa zu erinnern. Der Vortrag wird Konzepte von Schriftstellern seit der Romantik, insbesondere aber des frühen und späteren 20. Jahrhunderts dabei in den Blick nehmen.

Zur Person: 

Univ.-Prof. Dr. Paul Michael Lützeler:

Rosa May Distinguished University Professor in the Humanities
Director, Max Kade Center for Contemporary German Literature

Er ist bekannt als Herausgeber der Werkausgabe von Hermann Broch und hat darüber hinaus intensiv zu Europa-Konzepten, aber auch zu postkolonialen, zu literarästhetischen und literaturgeschichtlichen Fragestellungen publiziert. Er ist auch Hg. des Jahrbuchs Gegenwartsliteratur (2017 Schwerpunkt: Daniel Kehlmann)

 

Zuletzt erschienen: H. Broch im Kontext der Donaumonarchie (MitHg., 2017, Stauffenburg); Publizistische Germanistik (De Gruyter, 2015)

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Susanne Rischpler (Bamberg): Ein Blick in den Spiegel? Prudentia in der bildenden Kunst des Spätmittelalters und der Renaissance

Öffentlicher Abendvortrag am 7. Juni 2018 um 19.45 Uhr von Susanne Rischpler (Bamberg) im Stiftungssaal (K.0.01) der Kärntner Sparkasse an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Rahmen der Tagung „Zwischen Himmel und Alltag. Wissen und Gemeinschaft vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit“.

 

Bei der Hierarchisierung der Kardinaltugenden nimmt die Prudentia eine Vorrangstellung ein, welche in der bildenden Kunst allerdings kaum Niederschlag findet. Vielmehr wird die Prudentia als prima inter pares gezeigt.
Die Reihe ihrer Attribute dient als roter Faden, um die Ikonographie der Prudentia anhand von Beispielen aus diversen Kunstgattungen nachzuzeichnen.

Interessenten sind herzlich dazu eingeladen!

Tagung am 7. und 8. Juni 2018 „Zwischen Himmel und Alltag. Wissen und Gemeinschaft vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit“

Die Tagung „Zwischen Himmel und Alltag. Wissen und Gemeinschaft vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit“ findet am 7. und 8. Juni an der Universität Klagenfurt (Stiftungssaal K.0.01, Servicegebäude) statt. Das Programm bestreiten Forscherinnen und Forscher unter anderem aus Harvard, Louisiana State University/Baton Rouge, Berlin, Tübingen, Madrid und Prag.

Die interdisziplinäre Tagung widmet sich der Verhandlung von Wissen zwischen Hochmittelalter und Frühneuzeit. Das Leben in einer Gemeinschaft prägte kulturelle Äußerungen des Mittelalters in vieler Hinsicht, sei es in der Literatur und Kunst, im religiösen Kontext oder der Wissenschaft – auch im Übergang zur Frühneuzeit. Die Veranstaltung wird das Wissensmanagement von Gemeinschaften beleuchten in Literatur, Studium und Unterricht sowie die verwendeten Strategien, Medien und Bildungsideale.

Förderung:

Die Tagung wird von der Fritz Thyssen Stiftung, von der Stadt Klagenfurt und von der Fakultät für Kulturwissenschaften der AAU finanziell unterstützt.

Organisation:  

Ass.-Prof. Dr. Angelika Kemper (Institut für Germanistik)
Ass.-Prof. Dr. Christian Domenig (Institut für Geschichte)

Interessenten sind herzlich eingeladen.

 

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Mehr als ein Religionskrieg: Zum 400. Jubiläum des Dreißigjährigen Krieges

Am 23. Mai 1618 begingen protestantische Stände Gewalthandlungen an katholischen Statthaltern der Habsburger in Prag. Der Prager Fenstersturz war der Beginn des Dreißigjährigen Krieges, der in den folgenden Jahrzehnten – begleitet von Hungersnöten und Seuchen – ganze Landstriche Europas entvölkern sollte. Das Institut für Germanistik der AAU lädt in Kooperation mit der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld von 22. – 23. Mai 2018 zu einer internationalen Tagung „Der Dreißigjährige Krieg – Ereignis und Narration“, gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung. Dabei soll dem vornehmlich als Religionskrieg erzählten Geschehen vieldimensional auf den Grund gegangen werden.

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Werner Wintersteiner: Der Tod und die Satire. Kritik am Krieg im 17. Jahrhundert und heute im Vergleich

Abendvortrag am 22. Mai von em. Univ.-Prof. Werner Wintersteiner im Rahmen der internationalen Konferenz „Der Dreißigjährige Krieg – Ereignis und Narration“.

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Gastvortrag – Schreiben, Mehrsprachigkeit und jüdische Zugehörigkeit: Franz Kafka in Prag

Referent: PD Dr. Hans-Joachim Hahn (Universität Aachen / Universität Graz)

Termin: Donnerstag, 26. April 2018, 15.30 – 16.30 Uhr, Raum: I.1.45

Abstract:

Literatur und Judentum gehören bei Kafka, so auch der Kafka-Experte Andreas Kilcher (Zürich), aufs engste zusammen, und zwar gerade auch darin, dass beide keineswegs selbstverständlich gegeben sind. Ausgehend von der bisherigen Forschung zu Kafkas Mehrsprachigkeit, seiner transkulturellen Verwendung der deutschen Sprache und seiner Auseinandersetzung mit dem Judentum analysiert der Vortrag drei ausgewählte Erzählungen. Verbunden sind diese analytischen Lektüren mit der Vorstellung und Diskussion einzelner zentraler Forschungsansätze, die vom Konzept einer „minoritären Literatur“ (Deleuze/Guattari) über die Arbeiten von Giuliano Baioni, Ritchie Robertson oder Hanns Zischler bis hin zu dem von Stephan Braese in Anlehnung an Angelika Linke entwickelten Konzept einer „deutschen Sprachkultur von Juden“ reichen.

 

Zur Person:

H.-J. Hahn hat sich nach seinem Studium an der FU Berlin, einer WMA-Stelle am Simon Dubnow Institut für jüd. Geschichte und Kultur, einem Postdoc-Stipendium für die Forschungsgruppe ›Geschichte und Gedächtnis‹ an der Univ. Konstanz 2017 an der Univ. Aachen habilitiert. Er ist u.a. MitHg. der Bände Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft (De Gruyter, 2015) sowie des Bds. Darstellen, Vermitteln, Aneignen. Gegenwärtige Reflexionen des Holocaust (Vandenhoek, 2018 i.Dr.). Derzeit ist er Inhaber der Kurt David Brühl-Gastprofessur für Jüdische Studien an der Universität Graz

 

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Gastvortrag – Ein Heiligendrama des 16. Jh. aus Basel: Valentin Boltz: St. Pauls Bekehrung (1551)

Referentin: Prof. Cora Dietl (Universität Gießen)

Termin: Freitag, 27. April 2018, 10:00 Uhr, Raum: I.2.35

Abstract:

Valentin Bolz, ein Elsässer, der zunächst als Reformator in württembergischen Dienst tätig war, wurde 1546 Spitalpfarrer in Basel. Noch im gleichen Jahr führte er mit Baseler Bürgern sein erstes Bibeldrama „St. Pauls Bekehrung“ auf dem Marktplatz auf. Es inszeniert eine Bekehrung, bei der ganz nach protestantischem Verständnis Christi Wort im Zentrum steht. Licht- und v.a. Toneffekte werden zwar verwendet, um die Aufmerksamkeit auf Christi Erscheinung zu lenken und um das Durchschreiten der Transzendenz anzuzeigen, die wunderwirkende Kraft aber liegt im Wort. Dieses verwandelt Saulus zu Paulus, der nicht nur äußerlich durch veränderte Kleidung charakterisiert ist, sondern auch durch einen veränderten Sprachduktus, nachdem er von Christus die Gabe der Predigtsprache erhalten hat. Der Vortrag wird zeigen, wie sich dieses protestantische Heiligendrama in die Stadtkultur von Basel einfügt.

 

Wie datiert man eine Handschrift? Buchschmuck und Wasserzeichenwerkstatt in den Sondersammlungen der UB

Anlässlich der Langen Nacht der Forschung am 13. April 2018 veranstaltete das Institut für Germanistik in Zusammenarbeit mit der UB/ Abteilung Sondersammlungen einen Workshop zum aktuellen Projekt „Virtuelle Benediktiner-Bibliothek Millstatt“. In Kurzpräsentationen wurde das Anliegen des Projekts, die Buchbestände der Benediktiner in Millstatt zum ersten Mal geschlossen sichtbar und beforschbar zu machen, vorgestellt und in einzelne Arbeitsschritte zur Datierung und regionalen Zuordnung mittelalterlicher Handschriften eingeführt. Wir gingen mit den Gästen auf detektivische Suche nach Herkunft, Alter und Wanderwegen eines mittelalterlichen Kodex. Für die Papierhandschriften kann z.B. die Untersuchung von Wasserzeichen Hinweise liefern. Besondere Exponate aus dem 12. und 15. Jahrhundert waren ausgestellt, wurden erklärt und durften auch (mit Handschuhen!) angefasst werden. Ferner gab es eine praktische Wasserzeichenwerkstatt. Hier konnten sich die BesucherInnen in ein verdunkeltes Kämmerchen der Handschriftenstation begeben und selbst am Objekt nach Wasserzeichen suchen, die sodann unter Anleitung in einem Online-Katalog auch identifiziert werden konnten. Die Nachfrage überstieg alle Erwartungen: Mehr als 250 Gäste besuchten die Handschriftenstation. Das sind weit mehr als jemals an einem einzigen Tag in der Handschriftenabteilung registriert wurden.

Leitung: Sabine Seelbach (Germanistik) und Christa Herzog (Sondersammlungen);

sehr engagierte Mitwirkende: Birgit Müllner-Stieger, Cornelia Ortner, Christina Plieschnegger

 

 

 

 

Literarisches Quartett zur Langen Nacht der Forschung

Lange Nacht der Forschung 2018 | Marc-Oliver Schuster, Anna Baar, Doris Moser, Victoria Walter

Lange Nacht der Forschung 2018 | Marc-Oliver Schuster, Anna Baar, Doris Moser, Victoria Walter | Photo: riccio photography

Lange Nacht der Forschung 2018 | Arno Rußegger, Josef Winkler, Doris Moser, Primus-Heinz Kucher

Lange Nacht der Forschung 2018 | Arno Rußegger, Josef Winkler, Doris Moser, Primus-Heinz Kucher | Photo: Gerda Moser