Maria Kravanja - AKUWI studieren | Foto: aau/privat

Angewandte Kulturwissenschaft in Klagenfurt: Gesellschaftskritisch und vielfältig

Die 21 jährige Villacherin Maria Kravanja studiert Angewandte Kulturwissenschaft an der Uni Klagenfurt und hat mit uns schon über den Bau und das Leben in ihrem Tiny House gesprochen. Als First Generation Student ist sie die Erste, die in ihrer Familie studiert. Uns erzählt sie von ihrem Weg zum Studium, ihrem beruflichem Ziel als Wissenschaftlerin tätig zu sein und verrät, was sie Studienanfänger*innen , die keinen akademischen Familienhintergrund haben, gerne mitgeben möchte.

Warum hast du dich für das Bachelorstudium Angewandte Kulturwissenschaft in Klagenfurt entschieden?
Ehrlich gesagt, hatte ich keine Möglichkeit, mich außerhalb Kärntens zu orientieren. Denn wenn einen die Familie finanziell nicht unterstützen kann, hat man zumindest materielle Zugangsbeschränkungen zum Hochschulsystem. Mir war also klar, dass mir nur die Angebote in Kärnten zur Verfügung standen. Philosophie hätte mich interessiert, sowie Psychologie. An einer anderen Uni hätte mich auch Soziologie interessiert, das es hier nur in Form einzelner Lehrveranstaltungen gibt. Und dann habe ich die AKUWI als transdisziplinäres Fach kennen und lieben gelernt.

Hat sich deine Meinung zum Studium, seit du studierst, verändert?
Ich bin begeistert von meinem Studium. Mir sind gesellschaftskritische Ansätze und Seminare zum Thema Reflexion besonders wichtig. Diese Aspekte finde ich am Studium besonders spannend. Es gibt aber auch Bereiche im Studium, für die ich mich etwas mehr motivieren muss. Wir beschäftigen uns mit betriebswirtschaftlichen Themen und bekommen Einblicke in die Grundlagen der BWL und des Managements. Das ist auch wichtig, aber mein Interesse gilt eher anderen Schwerpunkten.

Du bist die Erste, die in deiner Familie studiert, ein First Generation Student also. Wie war die Reaktion deiner Eltern auf deinen Wunsch zu studieren?
Für mich war der Weg zum Studium etwas mühselig. Ich habe in der Oberstufe die Schule gewechselt und die Abendschule besucht. Mein Weg zur Matura war also nicht linear und einfach.
Ich habe gemerkt, dass meine Familie, speziell meine Großeltern sehr stolz waren und sich gefreut haben, dass ich beschlossen habe, ein Studium aufzunehmen. Diese Welt ist meiner Familie aber fremd.  Sie verstehen zwar, dass ich Prüfungen habe, aber was genau es heißt zu studieren, können sie natürlich nicht nachvollziehen. Ich denke, es geht vielen First Generation Students so, dass es schwer ist, mit seiner Familie über seinen Alltag, das Studium oder Uniprobleme zu reden.

Gibt es etwas, das du Studieninteressierten mitgeben möchtest? Vielleicht auch solchen, die keinen akademischen Familienhintergrund haben?
Ja, lasst euch nicht abschrecken von wissenschaftlichen Texten, von der Formulierung und den langen Sätzen. Das ist normal und man gewöhnt sich an die Sprache der Wissenschaft. Lasst euch nicht einschüchtern von Menschen, die groß klingen. Aber vertraut auf euch selbst. Vergesst nicht, wieso ihr studieren wolltet und haltet daran fest.

Viele trauen sich ein Studium auch nicht zu oder bekommen zu hören „Mach doch gleich etwas G‘scheits und geh arbeiten“.
Das stimmt, man muss auch sagen: Finanziell macht es überhaupt keinen Sinn zu studieren. Auch mein Studium ist vielleicht kein Paradebeispiel für einen garantierten Arbeitsplatz nach dem Abschluss. Es gibt Witze auf Jodel, wie „Was machst du nach deinem Studium? – Ich werde professionelle Taxifahrerin.“ Das stimmt natürlich nicht, es gibt überall Jobperspektiven, aber die Ausbildung dauert einfach. Und nicht alle haben die Möglichkeit, ihr Studium in Mindeststudienzeit zu absolvieren. Viele müssen nebenher arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. Ich habe zum Glück Studienbeihilfe bezogen, aber damit allein kommt man auch nur knapp über die Runden. Ich bin genügsam und brauche nicht viel, aber wer einen anderen Lifestyle hat und keine Eltern, die einen finanziell unterstützen, hat es schwer. Je älter man wird, desto schwerer wird es vielleicht, einen Job zu finden. Das alles macht vielen Angst und das verstehe ich! Ich habe für mich beschlossen, dass es mir das wert ist. Ein Studium hat einfach zu meinen Interessen gepasst. In der Schule habe ich immer schon viel gelesen, war neugierig, wollte Dingen auf den Grund gehen. Was damals komisch war, macht für mich nun endlich Sinn! Ich kann im Studium das machen, was mir Spaß macht.

Was ist studieren für dich?
Eine großartige Möglichkeit, mich mit den Dingen zu beschäftigen, die mich wirklich interessieren und das in einem Setting, das gesellschaftlich anerkannt ist. Früher habe ich immer Bücher gelesen und mir über die Welt Gedanken gemacht, und das haben viele komisch gefunden. Jetzt, in meinem Studium, ist genau das nicht mehr komisch, sondern in einen Kontext eingebunden, in dem es sogar erwünscht ist. Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich das, was ich sowieso gerne mache, machen darf. Es gibt genug, was ich am Unisystem zu kritisieren habe, aber dennoch bin ich unglaublich froh, dass ich die Möglichkeit habe zu studieren. In Amerika oder einem anderen Land können sich viele das Studium einfach nicht leisten. Ich bin sehr dankbar, dass ich in Österreich bin und hier studieren kann.

Wo würdest du gern einmal arbeiten?
Ich würde gerne in der Wissenschaft tätig sein. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne an einer Universität arbeiten und forschen.

Ohne was könntest du in deinem Studienalltag nicht leben?
Ich könnte nicht ohne meinen Lieblingsbibliothekssitzplatz leben. Ich verrate jetzt auch nicht, wo der ist, sonst findet ihn noch jemand auch so toll wie ich! Spaß beiseite, ich finde das Angebot und die Möglichkeit, seinen Tag an der Uni zu verbringen super! Man hat so viele Plätze, an denen man arbeiten, sich entspannen oder für Gruppenarbeiten treffen kann. Das finde ich ein super Plus, auch, dass die Bibliothek 24 Stunden offen hat! Und ohne mein Tiny House natürlich. Es hat etwas, wenn man wo aufwacht, wo man den ganzen Raum selbst erschaffen hat.

Dein Studium in 3 Worten:
Gesellschaftskritisch, vielfältig, notwendig.

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