Autorin Elisabeth Reichart, Beitragsbild zur Lesung am 13.05. im Musil-Institut

13. 05.: Elisabeth REICHART

ERINNERN

 

„Vor jeder Erinnerung das Wissen: Alle Sätze in dieses Gestern können nur Brücken zu Inseln sein, was sie verbinden, es bleibt für immer getrennt.“

 

Elisabeth Reichart:

Komm über den See

 

Dienstag, 13. 05. 2025

19.30 Uhr

 

Lesung
Moderation: Arno Rußegger

 

Im Mittelpunkt von Elisabeth Reicharts literarischem Werk steht fast immer der Krieg oder dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln, wobei ihr Interesse sich in beharrlicher Spurensuche auf historische Personen und Zusammenhänge, aber auch auf gesellschaftliche Strukturen und Hintergründe bezieht, so bereits in ihrem erfolgreichen Erstlingsroman Februarschatten (1984) über die sogenannte „Mühlviertler Hasenjagd“, der Jagd auf entflohene russische KZ-Häftlinge durch die benachbarte Bevölkerung.

Komm über den See – der Titel ist einem Gedicht von Sarah Kirsch entliehen – wurde zum ersten Mal 1988 veröffentlicht und erscheint nun in einer Neuauflage. Die Erzählung kreist um den Bewusstseinszustand einer geschiedenen Mittvierzigerin, die als Kind einer KZ-Insassin und eines Nazi-Protegés nach Jahren der Passivität und Flucht vor der eigenen Biographie durch ein besonderes Erlebnis ihren Selbstzweifeln und ihrer Sprachlosigkeit entkommt und sich zu öffnen und artikulieren lernt.

Komm über den See verbindet Themenkreise, die seit Beginn an Elisabeth Reicharts Werk formen: generationsübergreifendes Schweigen, Sprachlosigkeit und Verdrängen, aber auch weiblicher Widerstand gegen eine – immer noch – von Männern beherrschte Welt. Aufwühlend und zeitlos aktuell.

 

Elisabeth Reichart, geboren 1953 in Steyregg/OÖ. Lebt in Wien; Studium der Geschichte und Germanistik in Salzburg und Wien; Dissertation über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut; seit 1982 freie Schriftstellerin. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: In der Mondsichel und anderen Herzgegenden (2013), Frühstück bei Fortuna (2016), Mein Geliebter, der Wind (2019).

 

 

Autorinnenfoto: Alexander Golser